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Stadt Rain  |  E-Mail: info@rain.de  |  Online: http://www.rain.de

Die Geschichte der Stadt Rain

Grossansicht in neuem Fenster: Rain nach einem Kupferstich von Anton Ertl aus dem Chur-Bayrischen Atlantis von 1687

 

Geschichte und Gegenwart 

Fortschritt und Tradition müssen keine Konkurrenten sein - die Stadt Rain, einwohnermäßig drittgrößte und flächenmäßig größte Kommune des Landkreises, unterstreicht diese These. Nur auf Wandel und Fortschritt zu setzen, wäre eine Verleugnung von über sieben Jahrhunderten Stadtgeschichte. Mit Traditionspflege allein bliebe dagegen das Rad der Zeit stehen. Besonders augenfällig wird die Verbindung von Vergangenheit und Zukunft beim Blick auf die Altstadt: Hinter historischen Fassaden finden sich leistungsfähige Gewerbebetriebe. Die 1997 - 1999 sanierte Hauptstraße hat ihre Mittelpunktfunktion in der stark gewachsenen Stadt und für das weite Umland erhalten und sogar noch ausbauen können.

 

Stadterhebung - 13. Jahrhundert 

Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde Rain durch den bayerischen Herzog Otto II. zwischen 1248 und 1253, spätestens aber durch Ludwig II. vor 1257 gegründet. Die erste Erwähnung der Stadt in einer Urkunde des Klosters Niederschönenfeld datiert aus dem Jahre 1257, sie wird dort als "civitas nostra", als herzogliche Stadt, bezeichnet. Wesentlich für die Stadterhebung (= Auswertung als Stadt) dürften wirtschaftliche und strategische Gründe, die Sicherung des Herzogtums Bayern nach Nordwesten, gewesen sein. Die Bedeutung Rains als Grenzfeste kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass die mit vielen weitgehenden Privilegien ausgestattete Stadt der Sitz eines eigenen herzoglich-bayerischen Landgerichts wurde. Rain nahm den herzoglichen Zoll an der Lechbrücke ein, hielt pro Jahr erst zwei, dann vier Jahrmärkte ab und verfügte über einen Rat und einen Stadtschreiber. Seit 1305 führte die Stadt ein eigenes Siegel, das Wappen - oben der golden gekrönte goldene Löwe, unten geweckt von Silber und Blau - hat sich bis heute erhalten. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts bildete Rain eine Pfarrei.

 

Goldenes Zeitalter - 14. - 16. Jahrhundert 

Das 14. und 15. Jahrhundert bedeutete für Rain das "goldene Zeitalter" mit einem blühenden gewerblichen Leben und reger Handelstätigkeit. Der Augsburger Kaufherr Karl Imhof erbaute 1594 das Knapphaus zur Herstellung von Tüchern und Loden. Der bürgerliche Reichtum äußerte sich vor allem in der Stiftung von neun kirchlichen Benefizen, von denen jedes mit einem Geistlichen besetzt war.

 

Landshuter Erbfolgekrieg 

Im Landshuter Erbfolgekrieg stellte sich Rain gegen den rechtmäßigen Nachfolger, Herzog Albrecht, und huldigte dem Pfalzgraf Rupprecht, für dessen Söhne die "junge Pfalz", das Fürstentum Neuburg, gegründet wurde. Rain, bislang beim Fürstentum Bayern-Landshut (bis 1447 bei Bayern-Ingolstadt), kam zum Stamm-Herzogtum Bayern, verlor die einträgliche Salzniederlage und wurde 1505 Grenzstadt in drei Richtungen. Nur die Verbindung nach Süden und Südosten (Aichach und München) führte nicht ins Ausland.

 

Dreißigjähriger Krieg 

Als im Dreißigjährigen Krieg 1632 Gustav Adolf von Schweden das Kurfürstentum Bayern bedrohte, versuchte Johann Tserclaes Graf von Tilly mit der bayerischen Armee vergeblich, ihm bei Rain den Übergang nach Bayern zu verwehren. Der in der "Schlacht bei Rain" am 14./15. April 1632 schwer verwundete Tilly zog sich mit seiner Armee nach Ingolstadt zurück, wo er am 30. April 1632 starb. Die Augsburger Bürgerkongregation setzte dem Feldherrn der katholischen Liga 1914 ein Denkmal auf dem Rathausplatz.

 

Baudenkmäler 

Im 19. Jahrhundert wurden die Stadtmauern bis auf das Schwabtor abgebrochen. Zu den Baudenkmälern Rains zählen die Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer, das Hauptstraßen-Ensemble, das Spital, der noch nicht renovierte Spitalstadtel, das ehemalige Schloss und das im alten Salzstadel untergebrachte Heimatmuseum.

 

Berühmte Persönlichkeiten 

Zu den berühmtesten Persönlichkeiten, die in Rain geboren wurden, zählen der Humanist und Renaissance-Gelehrte Georg Tannstätter (1482-1535), der Astronom und Herausgeber der "Uranometria" Johannes Bayer (1572-1625) sowie die Musikerbrüder Franz (Komponist und kgl.-bayerischer Generalmusikdirektor, 1803 - 1890), Ignaz und Vinzenz Lachner.

 

Verwaltungs-Geschichte 

Rain war von Anfang an Verwaltungsmittelpunkt für den östlichen Lech-Donau-Winkel; bereits um 1280 verzeichneten die Wittelsbacher ihre Besitzungen im großen Umkreis "in officio Rain". Ein großer Verlust waren deshalb die Aufhebung von Finanzamt (1929) und Amtsgericht (1932). Kennzeichnend für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts sind der enorme Bevölkerungszuwachs Rains durch den Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Ende des Krieges, die Eingemeindung von zehn ehemals selbständigen Gemeinden und ein stetiger wirtschaftlicher Aufschwung der Stadt, die bei der Reform 1972 von Neuburg a.d. Donau zum Landkreis Donau-Ries geschlagen wurde. 1978 wurde die Verwaltungsgemeinschaft gegründet; im Rathaus gibt es seither eine gemeinsame Verwaltung für zwischenzeitlich über 13 000 Einwohner in der Stadt und den Gemeinden Genderkingen, Holzheim, Münster und Niederschönenfeld. Rain ist eine lebendige, moderne und doch überschaubare Stadt mit allen erforderlichen kommunalen und sozialen Einrichtungen.

 

Gewerbe-Entwicklung 

Das Landesentwicklungsprogramm weist die Stadt als "Mittelzentrum" aus. Rain bietet 3400 Arbeitsplätze. Durch die gesunde Gewerbestruktur hat die Kleinstadt das Auf und Ab der Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten stets gut überwunden. Maßgeblich dafür war die kontinuierliche Entwicklung. Bis weit nach 1900 war die typische kleinstädtische Struktur mit Handel, Handwerk und Landwirtschaft gegeben.

 

1921 eröffnete der erste Industriebetrieb, die "Drossbach GmbH & Co. KG."

Nach dem Zweiten Weltkrieg, am 1. August 1947, begann "Dehner & Co." seinen Betrieb, eröffnete 1948 die erste Filiale und wuchs kontinuierlich auf heute rund 5200 Mitarbeiter und 100 Gartencenter in Deutschland und Österreich. Über 1100 Arbeitsplätze bietet das Stammhaus Rain. Attraktion ist der Dehner Blumen Park, den jedes Jahr mehrere hunderttausend Gäste besuchen.

1956 siedelte die "Südzucker AG" in Rain eine Fabrik an, die heute 240 Mitarbeiter beschäftigt.

 

In den vergangenen Jahrzehnten etablierte sich in Rain außerdem eine Reihe von Mittelbetrieben, teilweise waren es Neuansiedlungen, teilweise entwickelten sie sich aus örtlicher Wurzel. Zu den größten Arbeitgebern nach Dehner und Drossbach gehören die Gärtnersiedlung, die terrasan Haus- und Gartenbedarf GmbH & Co. KG, das 1999 gegründete IT-Unternehmen 4sellers logic-base GmbH, der Kartoffelverarbeiter Aviko Deutschland GmbH, die Fa. IFA Industrielle Wiegetechnik GmbH und die Krämer GmbH Industriebehälter.

 

Sehenswertes in Rain 

Sehenswert in der Stadt nahe der Lechmündung sind das historische Hauptstraßen-Ensemble mit Tilly-Denkmal von 1914, die Stadtpfarrkirche mit spätgotischen Fresken, das Gebrüder-Lachner-Museum im Geburtshaus der drei Komponisten und das Heimatmuseum. Der ganzjährig geöffnete Dehner Blumen Park ist beliebtes Ausflugsziel. Bei freiem Eintritt kann der Park (auch sonn-und feiertags) von 9.00 bis 18.00 Uhr besucht werden.

 

Gastlichkeit wird in Rain groß geschrieben. Das Dehner Blumen Hotel (189 Betten), zugleich eine moderne Tagungsstätte, sowie weitere Hotels und Gasthöfe bieten ein angenehmes Ambiente für den Tagesausflug wie für den Übernachtungsgast. Mit den RainLotsen kann man einen Rundgang durch Rain unternehmen.

 

Entwicklung der Einwohnerzahl 

Drei Faktoren waren in erster Linie ausschlaggebend, dass die Stadt von 1670 Einwohnern im Jahre 1925 auf heute 8700 Einwohner wuchs: einmal der Flüchtlings- und Vertriebenenzustrom nach dem Krieg, dann die Zuwanderung aus der Umgebung als Folge der Betriebsansiedlungen, die Eingliederung von zehn ehemals selbständigen Orten im Rahmen der Gemeindereform zwischen 1972 und 1978 und schließlich der florierende Wohnungsbau insbesondere nach der Wiedervereinigung.

 

Gesellschaftliches 

Zum reichen gesellschaftlichen Leben tragen eine Vielzahl von Vereinen und Organisationen in der Stadt und den Ortsteilen bei. Nicht mehr wegzudenken sind die vier Jahrmärkte. Rund 90 Stände machen dabei die ganze Hauptstraße von 10 - 18 Uhr zu einem Kaufhaus unter freiem Himmel; der Einzelhandel hat nachmittags jeweils offen. Am zweiten Wochenende im Juli feiern die Rainer mit ihren Nachbarn das "Stadtfest". Großer Beliebtheit erfreut sich die "Rainer Schlossweihnacht", die 2009 nach der Regionalgartenschau gegründet wurde. Dieser Weihnachtsmarkt rund um das Wittelsbacher Schloss findet vom Donnerstag vor dem 3. Advent bis zum 3. Adventssonntag statt.

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