Montag,
16. April,
19 Uhr |
Vernissage
der Sonderausstellung mit Arbeiten von Albert
Schneid und Vortrag "Die Entstehung unserer Schrift", Eintritt
frei.
Heimatmuseum Rain, jeweils sonntags 14 16 Uhr bis einschließlich 10.
Juni
und nach Vereinbarung über das Rathaus, Tel. 09090/703-0
Albert Schneid wird während der Öffnungszeiten anwesend sein und Sie durch
die Ausstellung begleiten.
Gegen einen kleinen Obolus zu Gunsten des Heimatmuseums Rain können Sie ihm
auch beim Schreiben zusehen und Ihren Namenszug auf echtem Büttenpapier
anfertigen lassen.
Begleitende Vorträge
(Eintritt jeweils frei):
23. April, 19.30 Uhr, Albert Schneid: "Die Entstehung unserer Schrift,
Schwerpunkt: Schreibgerät" und
10 Mai, 19.30 Uhr, Albert Schneid: "Die Entstehung unserer Schrift,
Schreibuntergründe / Schreibflüssigkeiten"
Begleitende Kurse -
Schreiben wie zur Gründerzeit der Stadt:
Die Kurse finden an Wochenenden im Heimatmuseum in Mitten der Ausstellung
statt.
21. 22. April: Karolingische Minuskel
19. 20. Mai: "Schrift-Erlebnis"
23. 24. Juni: Fraktur
Genauere Informationen und
Voranmeldungen zu den Kursen bitte ca. vier Wochen vor Seminarbeginn bei Albert Schneid, Tel.
09090/1090, Ignaz-Lachner-Str. 39, 86641 Rain
Pressebericht über die Vernissage von
Manfred Arloth,
veröffentlicht u. a. in der Donauwörther Zeitung vom 19. April 2007
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Warum wurde der i-Punkt erfunden? |
Albert Schneid
erklärt, wie sich die Schrift entwickelt hat
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Rain (ma). Eine Vielzahl kalligraphischer Meisterwerke des Rainer
Künstlers Albert Schneid ist bis 10. Juni im Heimatmuseum zu sehen. Bei
der Ausstellungseröffnung gab er einen Überblick über die Entwicklung
der Schrift, die sich im griechisch-römischen, europäischen Kulturkreis
aus Alphabeten zu einer Buchstabenschrift entwickelt hat.
Die musikalische Umrahmung der Vernissage
besorgte das hervorragend musizierende Klarinettenquartett der
Stadtkapelle Rain mit Katharina und Luisa Hänsel, Angelika Mair und
Stephanie Huber. Bürgermeister Gerhard Martin bezeichnete Albert Schneid
als "Künstler mit hervorragendem Ruf, der in Kursen und Seminaren die
Schrift als Ausdrucksmittel unserer Kultur vermittelt." Museumsleiterin
Edith Findel verglich die Schönheit kalligraphisch gestalteter Blätter
"mit der Musik, die wir soeben gehört haben - auch da kommt es auf
Formenreichtum, auf Bögen, Verbindungen und den Gesamteindruck an". Sie
bedauerte, dass das Fach "Schönschreiben" in der Schule wohl
"ausgestorben" sei. Umso mehr könne ein Blatt mit einer wundervollen
Schrift, wie etwa von Albert Schneid Freude hervorrufen, ja begeistern.
Die Schrift der Römer habe nur
Großbuchstaben gekannt und sei deswegen schwer lesbar gewesen, führte
Albert Schneid in seinem Vortrag "Die Entwicklung unserer Schrift" aus.
An Hand von Schriftbeispielen, die er mittels Overheadprojektor und
Folie an einer Wand des Museumszimmers sichtbar machte, zeigte er auf,
wie die Menschen im Laufe der Zeit die Schrift optimierten, zum einen,
um sie für möglichst viele gut leserlich zu machen, zum anderen, um die
größere Schreibgeschwindigkeit zu ermöglichen.
Etwa 500 nach Christus habe es erste
Versuche gegeben, das "Zweiliniensystem" zu sprengen. Als "Sensation des
8. Jahrhunderts" wertete Schneid die "Karolingische Minuskel", die aus
gut lesbaren Kleinbuchstaben bestand.
Sie sei im Zuge der Reichsgründung durch
Kaiser Karl den Großen entstanden, um im ganzen Reich ein einheitliches
Schriftbild zu verwirklichen. Sie sei viele Jahrhunderte lang gültige
Schrift gewesen.
Elegante Federführung
Um die Lesbarkeit zu verbessern, sei
beispielsweise der i-Punkt erfunden worden, berichtete Albert Schneid.
Im Zeitalter der Gotik sei die "Fraktur" erfunden worden und habe sich
ab dem 16. Jahrhundert zur "nationalen Schrift" entwickelt. Der barocke
Formenreichtum und die elegante Federführung mache die Fraktur auch
heute noch zu einer äußerst attraktiven Schrift und einem "Muss" für
jeden Kalligraphen.
Schneid ging auch noch auf die Schrift "Cancellaresca"
ein, einer kursiven Schreibschrift aus dem 15. Jahrhundert, die nicht
nur bis heute Vorbild für lateinische Schreibschriften sei, sondern auch
offizielle Schreibschrift des Vatikans sei. Eine bedeutende Erfindung
des 19. Jahrhunderts sei die "Schreibfeder aus Stahl" gewesen. Bis zu
diesem Zeitpunkt habe ein Schreiber pro Tag etwa vier (Gänse-)Federkiele
"verbraucht".
"Und wie steht's mit der Kalligraphie
heute?" fragte Albert Schneid. "Nur wer sich Zeit nimmt - und das sind,
wie ich an meinen Seminaren feststelle, immer mehr Leute - , kann den
Formenreichtum der Kalligraphie kennen lernen. Eines muss allerdings
jeder wissen, der sich mit Kalligraphie beschäftigt: Das kostet Zeit.
Und ohne üben, üben und nochmals üben geht gar nichts."
Die Ausstellung "Kalligraphie -
Schriftbilder" mit Werken von Albert Schneid im Rainer Heimatmuseum ist
bis zum 10. Juni zu sehen. Die Öffnungszeiten: Jeweils sonntags von 14
bis 16 Uhr, über das Rathaus montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und
montags bis donnerstags 14 bis 16 Uhr sowie jederzeit nach Voranmeldung
über Telefon 09090/703-0, -110 oder -460. |
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Erläuterungen zur Ausstellung:
Die Schrift ist eine der genialsten
Erfindungen des Menschen. Inzwischen haben Telefon und Computer die gut
lesbare Handschrift schon fast zu einer Seltenheit werden lassen. Hat sie
überhaupt eine Zukunft?
Der kaiserliche Schreiber "Otto Sneler"
(gebürtiger Rainer, lebte im 14. Jahrhundert) weist den Weg zu einer
Ausstellung, an der er selbst sicher größte Freude gehabt und über so
manches gestaunt hätte: Albert Schneid gibt im Heimatmuseum Rain mit
zahlreichen Kalligraphieblättern einen Einblick in seine Arbeit und in die
2000-jährige Entwicklung unserer heutigen Schrift.
Das Spektrum reicht von den "klassischen"
Schriften bis hin zu aktualisierten und modernen Formen, - auch in ihrer
kompositorischen Darstellung. Die Arbeiten sind angefertigt mit
Schreibgeräten, Farben und Papieren, von denen ein Otto Sneler vor 700
Jahren nicht zu träumen gewagt hätte.
Das Hauptanliegen Schneids ist die
Sensibilisierung für das Kulturgut "Schrift", für deren Schönheit, Vielfalt
und ästhetische Ausdruckskraft die im Zeitalter der fortschreitenden
Technologisierung unterzugehen und zur Massenware zu verkommen droht. Dass
dies nicht so sein muss, zeigen seine Arbeiten: Jedes Blatt ist ein Unikat,
liebevoll, zeitaufwändig und mit edelsten Materialien angefertigt.
Wie wohltuend und meditativ der kreative
Umgang und das Gestalten mit Schrift sein kann, bekommt Schneid von seinen
Kursteilnehmern immer wieder zu hören: "Es ist einfach ein riesiger
Unterschied zwischen selbst entworfenen und gestalteten Zeilen und einer
gekauften 0815-Karte. Der Prozess des Gestaltens verleiht eine tiefe innere
Zufriedenheit und der Beschenkte sieht und spürt, dass eigens für ihn etwas
angefertigt wurde." |