Vortragsreihe zur Stadtgeschichte

Donnerstag,
26. April,
19 Uhr,

Vortrag "Rain am Lech im Herzogtum Ingolstadt" und Treffen aller Autoren des Jubiläumsbandes "Rain am Lech im Mittelalter"
Referent: Dr. Theodor Straub

Große Lachner-Stube des Hotel-Gasthofes "Zum Boarn" (Fam. Stöckle)
Hauptstraße 26
Eintritt frei

Im Vorfeld zur Herausgabe eines Jubiläumsbandes, der in der ersten Juli-Woche erscheinen wird, gibt es eine Vortragsreihe mit renommierten Referenten. Alle fünf Vorträge finden donnerstags, 19 Uhr, im traditionsreichen Gasthaus "Zum Boarn" statt.
Die weiteren Termine, Themen und Referenten:
1. März: Hochgericht und Hexenwahn: Rechtsgeschichte der Stadt Rain, Prof. Dr. Reinhard Heydenreuter
22. März: Rain als Modell wittelsbachischer Stadtgründungspolitik oder Zur Gründung der Stadt Rain, Prof. Dr. Wilhelm Liebhart, M. A.
3. Mai: Das Gebeinhaus von Rain am Lech, Dr. Albert Zink
24. Mai: Stadtbild und Stadtgestalt Rains im späten Mittelalter, Dr. Markus Würmseher M. A.
 

Bericht und Bilder von Manfred Arloth über den Vortrag:

Deutsch-französische Freundschaft seit dem frühen Mittelalter
Historische Reminiszenzen von Dr. Straub – Epitaph ist einmalig

Einen amüsanten Streifzug durch die im 15. Jahrhundert begründete deutsch-französische Freundschaftsgeschichte unternahm der Ingolstädter Historiker Dr. Theodor Straub bei seinem Vortrag im Rahmen der Feierlichkeiten "750 Jahre Rain". Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass es in Europa nie wieder einen Krieg gebe, "weil von der angeblichen ‚Erbfeindschaft’ zwischen Frankreich und Deutschland nie in der mittelalterlichen Geschichte und erst recht nicht heutzutage die Rede sein kann."

Die Freundschaft mit Frankreich sei, so der Historiker, durch Herzog Ludwig VII. von Bayern - geboren 1368; gestorben im Jahre 1447 in Burghausen - begründet worden. Er war von 1413 bis zu seinem Tod Herzog von Bayern-Ingolstadt. Er wurde "der Bärtige" genannt oder auch – in falschem Deutsch, worüber sich der Philologe ärgerte – "der Gebartete", da er nach der französischen Mode seiner Zeit einen Bart trug. Straub: "Man sagt ja auch nicht von einer hügeligen Landschaft, sie sei ‚gehügelt’." Ludwig war der Sohn seines Vorgängers Stephan III., mit dem er die Wahl seines Verwandten Ruprechts von der Pfalz zum König des Heiligen Römischen Reichs betrieb. Ludwigs Schwester Isabel, auch Isabeau genannt, heiratete den französischen König. Ludwig hielt sich deshalb viele Jahre in Frankreichs Hauptstadt Paris auf, in der damals 70000 Bürger wohnten. Da Frankreichs König Karl VI. wegen einer Geisteskrankheit weitgehend regierungsunfähig war, war Ludwig de facto Regent Frankreichs. Ludwig förderte die Künste und ließ das Neue Schloss in Ingolstadt errichten. Sein Streit mit Heinrich XVI. von Bayern-Landshut zog sich über Jahrzehnte hin und endete mit der Inhaftierung Ludwigs in Burghausen, wo er schließlich starb. Die ständigen Konflikte Ludwigs mit seinen wittelsbachischen Verwandten machten eine bessere Befestigung der von ihm beherrschten Städte erforderlich. Nachgewiesen seien Befestigungsmaßnahmen in Friedberg, "Rain am Lech mit seinen 700 Einwohnern, die meist in Häusern aus Holz wohnten", Kufstein, Wasserburg am Inn, Lauingen und Schrobenhausen. Von besonderer Bedeutung sei die Vollendung der neuen Stadtmauern in seinen Residenzstädten Ingolstadt und Neuburg an der Donau gewesen, sagte Dr. Straub.

Im zweiten Teil seines Vortrags ging Dr. Straub näher auf Rain im Mittelalter ein. Die Redensart "Stadtluft macht frei" habe auch für Rain gegolten: Der drückenden Leibeigenschaft auf dem Lande habe man entkommen können, wenn man in die Stadt ging. Die Zolleinnahmen Rains für Salz, Wein, Vieh und Eisen sowie der "Brückenzoll" seien "ergiebig" gewesen, ja sie seien nach Ingolstadt und Friedberg die dritthöchsten gewesen. Nach einigen Bemerkungen hinsichtlich Jagd- und Forstwesen ("Der Förster hatte die Aufgabe, das Wild von den Feldern der Bauern abzuhalten") mutmaßte Dr. Straub, dass es in Rain im Mittelalter wohl auch Juden gegeben habe, sei doch im Jahre 1450 die letzte "Judenvertreibung" dokumentiert. "Der Fiskus hat liebend gerne den Erlös jüdischer Häuser eingezogen", erklärte Dr. Straub. Rain habe zahlreiche Privilegien bekommen, "doch jedes Privileg bedeutete gleichzeitig eine Steuererhöhung", berichtete der Referent. Die Wirte seien "Steuereintreiber" über viele Jahrhunderte hinweg gewesen. Schließlich erwähnte Dr. Straub das historisch einmalige Epitaph von 1471 an der Außenwand der Spitalkirche, auf dem von der Befestigung Rains unter Herzog Ludwig ab dem Jahr 1417 berichtet wird.


Einen amüsanten Exkurs in die Geschichte des Mittelalters, speziell die Rolle Herzog
Ludwigs VII. von Bayern und dessen Bedeutung für Rain, hielt Dr. Theodor Straub
(rechts), dem Bürgermeister Gerhard Martin dankte. Der Referent war von Dr. Markus
Würmseher (Bildmitte) den Besuchern im Gasthaus "Boarn" vorgestellt worden.