Vortragsreihe zur Stadtgeschichte |
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Donnerstag, |
Vortrag "Rain am Lech im
Herzogtum Ingolstadt" und Treffen aller Autoren des Jubiläumsbandes
"Rain am Lech im Mittelalter" Referent: Dr. Theodor Straub Große Lachner-Stube des Hotel-Gasthofes "Zum Boarn" (Fam. Stöckle) Hauptstraße 26 Eintritt frei Im Vorfeld zur Herausgabe
eines Jubiläumsbandes, der in der ersten Juli-Woche erscheinen wird, gibt es
eine Vortragsreihe mit renommierten Referenten. Alle fünf Vorträge finden
donnerstags, 19 Uhr, im traditionsreichen Gasthaus "Zum Boarn" statt. Bericht und Bilder von Manfred Arloth über den Vortrag: Deutsch-französische
Freundschaft seit dem frühen Mittelalter Einen amüsanten Streifzug durch die im 15. Jahrhundert begründete deutsch-französische Freundschaftsgeschichte unternahm der Ingolstädter Historiker Dr. Theodor Straub bei seinem Vortrag im Rahmen der Feierlichkeiten "750 Jahre Rain". Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass es in Europa nie wieder einen Krieg gebe, "weil von der angeblichen ‚Erbfeindschaft’ zwischen Frankreich und Deutschland nie in der mittelalterlichen Geschichte und erst recht nicht heutzutage die Rede sein kann." Die Freundschaft mit Frankreich sei, so der Historiker, durch Herzog Ludwig VII. von Bayern - geboren 1368; gestorben im Jahre 1447 in Burghausen - begründet worden. Er war von 1413 bis zu seinem Tod Herzog von Bayern-Ingolstadt. Er wurde "der Bärtige" genannt oder auch – in falschem Deutsch, worüber sich der Philologe ärgerte – "der Gebartete", da er nach der französischen Mode seiner Zeit einen Bart trug. Straub: "Man sagt ja auch nicht von einer hügeligen Landschaft, sie sei ‚gehügelt’." Ludwig war der Sohn seines Vorgängers Stephan III., mit dem er die Wahl seines Verwandten Ruprechts von der Pfalz zum König des Heiligen Römischen Reichs betrieb. Ludwigs Schwester Isabel, auch Isabeau genannt, heiratete den französischen König. Ludwig hielt sich deshalb viele Jahre in Frankreichs Hauptstadt Paris auf, in der damals 70000 Bürger wohnten. Da Frankreichs König Karl VI. wegen einer Geisteskrankheit weitgehend regierungsunfähig war, war Ludwig de facto Regent Frankreichs. Ludwig förderte die Künste und ließ das Neue Schloss in Ingolstadt errichten. Sein Streit mit Heinrich XVI. von Bayern-Landshut zog sich über Jahrzehnte hin und endete mit der Inhaftierung Ludwigs in Burghausen, wo er schließlich starb. Die ständigen Konflikte Ludwigs mit seinen wittelsbachischen Verwandten machten eine bessere Befestigung der von ihm beherrschten Städte erforderlich. Nachgewiesen seien Befestigungsmaßnahmen in Friedberg, "Rain am Lech mit seinen 700 Einwohnern, die meist in Häusern aus Holz wohnten", Kufstein, Wasserburg am Inn, Lauingen und Schrobenhausen. Von besonderer Bedeutung sei die Vollendung der neuen Stadtmauern in seinen Residenzstädten Ingolstadt und Neuburg an der Donau gewesen, sagte Dr. Straub. Im zweiten Teil seines Vortrags ging Dr. Straub näher auf Rain im Mittelalter ein. Die Redensart "Stadtluft macht frei" habe auch für Rain gegolten: Der drückenden Leibeigenschaft auf dem Lande habe man entkommen können, wenn man in die Stadt ging. Die Zolleinnahmen Rains für Salz, Wein, Vieh und Eisen sowie der "Brückenzoll" seien "ergiebig" gewesen, ja sie seien nach Ingolstadt und Friedberg die dritthöchsten gewesen. Nach einigen Bemerkungen hinsichtlich Jagd- und Forstwesen ("Der Förster hatte die Aufgabe, das Wild von den Feldern der Bauern abzuhalten") mutmaßte Dr. Straub, dass es in Rain im Mittelalter wohl auch Juden gegeben habe, sei doch im Jahre 1450 die letzte "Judenvertreibung" dokumentiert. "Der Fiskus hat liebend gerne den Erlös jüdischer Häuser eingezogen", erklärte Dr. Straub. Rain habe zahlreiche Privilegien bekommen, "doch jedes Privileg bedeutete gleichzeitig eine Steuererhöhung", berichtete der Referent. Die Wirte seien "Steuereintreiber" über viele Jahrhunderte hinweg gewesen. Schließlich erwähnte Dr. Straub das historisch einmalige Epitaph von 1471 an der Außenwand der Spitalkirche, auf dem von der Befestigung Rains unter Herzog Ludwig ab dem Jahr 1417 berichtet wird.
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