Vortragsreihe zur Stadtgeschichte

Donnerstag,
24. Mai,
19 Uhr,

Stadtbild und Stadtgestalt Rains im späten Mittelalter
Referent: Dr. Markus Würmseher M. A.

Große Lachner-Stube des Hotel-Gasthofes "Zum Boarn" (Fam. Stöckle)
Hauptstraße 26
Eintritt frei

Im Vorfeld zur Herausgabe eines Jubiläumsbuches "750 Jahre Rain", das in der ersten Juli-Woche erscheinen wird, gibt es eine Vortragsreihe mit renommierten Referenten. Alle fünf Vorträge finden donnerstags, 19 Uhr, im traditionsreichen Gasthaus "Zum Boarn" statt.

Der Referent Dr. Markus Würmseher:
1967 geboren in Rain, lebt in Rain, Ausbildung zum Dipl.-Ing. (FH) für Architektur in Augsburg,
Studium der Kunstgeschichte, Volkskunde, Italianistik und der Bayerischen Landesgeschichte an den Universitäten Eichstätt und Urbino, Italien
2006 Promotion mit summa cum laude. Die Dissertation zum Thema "Kirchenbau im Bistum Augsburg 1945-1970" erscheint im November 2007 als 41. Jahresband des Augburger Bistumsvereins.
Er ist tätig als Referent für Kunstgeschichte an verschiedenen Lehreinrichtungen, als Planer im Architektur- und Möbelbereich, als Lehrer für Italienisch, ebenso als Reserveoffizier in Führungs- und Ausbildungsverwendungen.
Veröffentlichungen: Fachhochschule Augsburg, Fachbereich Allgemeinwissenschaften.

Markus Würmseher ist Initiator der Vortragsreihe und des Jubiläumsbandes, der in der ersten Juli-Woche erscheinen wird.

Die weiteren Termine, Themen und Referenten der Vortragsreihe:
1. März: Hochgericht und Hexenwahn: Rechtsgeschichte der Stadt Rain, Prof. Dr. Reinhard Heydenreuter
22. März: Rain als Modell wittelsbachischer Stadtgründungspolitik oder Zur Gründung der Stadt Rain, Prof. Dr. Wilhelm Liebhart, M. A.
26. April: Rain am Lech im Herzogtum Ingolstadt, Dr. Theodor Straub
3. Mai: Das Gebeinhaus von Rain am Lech, Dr. Albert Zink
 

Pressebericht mit Bild über den Vortragsabend von Manfred Arloth:

Stadtbild und Stadtgestalt Rains im späten Mittelalter
Schloss ältestes Profangebäude - Dr. Markus Würmseher referierte

,Der Rainer Dr. Markus Würmseher, Initiator der Vortragsreihe zur Stadtgeschichte anlässlich des 750-jährigen Jubiläums, konnte sich sicher sein, dass auch sein Referat auf großes Interesse stoßen würde. In der Lachnerstube des Gasthofs "Zum Boarn" berichtete über seine Forschungsergebnisse zum Rainer Stadtbild im Mittelalter, die in dem geplanten Jubiläumsband erscheinen werden.

Schwieriger als die Dokumentation der Neuzeit sei die Rekonstruktion des mittelalterlichen Stadtgefüges, also der Zeit seit der ersten Erwähnung Rains im Jahre 1257 und der Wende zum 16. Jahrhundert. Im Herzogtum Bayern des 15. Jahrhunderts sei es ein Charakteristikum, dass sich Hinweise städtebaulicher Art meist in Form von Urkunden finden, wie sie im Falle von Rain vorwiegend als Freiheitsbriefe überliefert sind. Die Quellenlage sei allerdings fragmentarisch, habe die Stadt doch des Öfteren Zerstörungen sowohl in kriegerischen Auseinandersetzungen als auch durch Brandkatastrophen erlitten. "Die bisher bedeutendste Forschung zur Heimatgeschichte wissenschaftlicher Grundlage wurde von dem nachmaligen Pfarrer und Geistlichen Rat Ludwig Dorn während seiner Tätigkeit als Benefiziat in Rain (1930-1937) publiziert", führte Dr. Würmseher aus. Von Dr. Adam Horn stamme die wertvollste Beschreibung zu Geschichte, Architektur und Städtebau Rains im Band über Schwaben und Neuburg aus der Reihe "Die Kunstdenkmale von Bayern", erschienen 1958.

"Mit den grundlegenden städtebaulichen Strukturen sind von Beginn an die Voraussetzungen für die äußere Erscheinung Rains bis in die Gegenwart geschaffen worden. Rain ist damit mit anderen historischen Städten im früheren Herzogtum Bayern vergleichbar", sagte der Referent. Als topographische Position sei eine strategisch günstige Lage gewählt worden. Die direkte Anbindung an die von Ost nach West gerichtete Fernhandelsstraße sei ausschlaggebend gewesen, das Kastenamt Tulingen (Bayerdilling) aufzugeben. Es sei leider unmöglich, nähere Angaben über die älteste Gestalt Rains zu machen. Sicher sei, dass noch in den ersten Jahrzehnten eine Burg errichtet worden sei, und zwar im äußersten Südosten. "Sie existierte noch 1310, doch bereits 1326 wird sie nicht mehr erwähnt", berichtete Würmseher. Die Größe der Siedlung müsse sich in einem Bereich von einigen Dutzend Häusern bewegt haben. Handwerker hätten mit zu den ersten Bewohnern gehört. Ebenso müsse es "Ackerbürger" gegeben haben mit Stadeln, Scheunen und Ställen. "Die ältesten erhaltenen Häuser Rains wurden nicht vor dem 16. Jahrhundert errichtet", konstatierte der Referent. Sie alle seien durch jüngere Umbauten verändert worden. Die ersten Häuser, "sicherlich mit schrägen, durch Schindeln oder Stroh gedeckten, spitzgiebligen Dächern", seien aus Holz gebaut worden. Im Innern habe es "die heizbare, rauchfreie Stube" gegeben.

Im Jahr 1394 habe Herzog Stephan den Rainern das Recht gewährt, vom ertragreichen Salzhandel zu profitieren. Ab 1396 konnten alle Getränke besteuert werden. Die Urkunde von 1403 habe sich ausdrücklich auf die Verstärkung der Stadtmauer bezogen. Auf einem Wappenstein sei zu lesen, dass Ludwig im Jahr 1417 angefangen habe, die Stadtmauer zu erhöhen und mit einem Wehrgang zu versehen. Rain habe im 15. Jahrhundert einen für die örtlichen Verhältnisse einzigartigen wirtschaftlichen Aufschwung genommen, an dem das 1404 vom Herzog bestätigte Niederlagsrecht auf Salz, Wein, Getreide und Kaufmannsgut nachhaltigen Anteil gehabt habe. "Es ist das 15. Jahrhundert, in dem Rain seine prägende städtische Gestalt erhielt", führte Dr. Würmseher aus. Seit 1359 fänden in der Hauptstraße viermal im Jahr Märkte statt. Der "Straßenmarkt" sei mit vorwiegend giebelständigen Acker-, Bürger- und Handwerkerhäuser gesäumt. Erst mit dem Bau des Schlosses um die Wende des 15. Jahrhunderts- es sei "der älteste Profanbau Rains" - werde der Bereich im äußersten Nordostwinkel der Stadt zur Verwaltungs-, Zoll- und Gerichtsstätte. Für den Landrichter ab dem Ende des 15. Jahrhunderts und den Pfleger sei das Schloss Dienstort bis zur Umwandlung der Pflege in ein Landgericht im Jahre 1799 gewesen. Dem Schloss sei auf der West- und Südseite ein tiefer Graben vorgelagert gewesen. Vier Mühlen habe es gegeben, nämlich die Heiliggeistmühle, die Kittelmühle, die Hammerlmühle an der Straße nach Niederschönenfeld und die Walkmühle nördlich unterhalb des Schlossgeländes. Der Gründung eines Spitals sei 1468 erfolgt. Das bedeutendste und älteste Gebäude der Stadt Rain sei die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, deren Schlussweihe im Jahr 1480 erfolgte. Im 15. Jahrhundert seien auch die Liebfrauen-, die Spital- und die Allerheiligenkapelle entstanden.


Rains Bürgermeister Gerhard Martin (links) dankte Dr. Markus Würmseher
für seinen Vortrag "Stadtbild Rains im späten Mittelalter", den er auf Grund
eigener Forschungstätigkeit erarbeitet hat und der im Jubiläumsband enthalten
sein wird.