Zur Historie
der Stadt Rain 
Am 28. September 2007
wird der Band "Rain im Mittelalter" mit Beiträgen von fünf namhaften Autoren
vorgestellt. Mehr zur Anklicken dieses Textes!
Erste
urkundliche Erwähnung der Stadt
Der Urkundentext mit der
ersten Erwähnung Rains ist in
Lateinisch abgefasst.
Nachfolgend die Übertragung in die deutsche Sprache, eine Erläuterung
insbesondere zu den genannten Zeugen und eine Kopie des Dokuments
Schenkung der Kirche in Tulgen. Anno 1257
Ludwig von Gottes Gnaden Herzog von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein, allen
Christgläubigen, zu denen vorliegende Urkunde gelangt, Heil im Erlöser aller. Damit die
Taten nicht irgendeinem Vergessen obliegen und durch die Länge der Zeitläufte oder die
Schlechtigkeit der Menschen nicht gemindert werden, wird es für notwendig befunden, dass
eben dieselben durch das vertrauenswürdige Zeugnis der Schrift bekräftigt werden. Durch
den Wortlaut des Vorliegenden wollen wir also, dass allen, sowohl den zukünftigen wie den
Gegenwärtigen bekannt ist und offen steht, dass wir nach guter vorgehabter Überlegung
den Gott andächtig dienenden frommen Frauen in Schonfeldt [Niederschönenfeld] vom
Orden der Zisterzienser in der Diözese Augsburg, indem wir deren Not erleichtern wollen,
die Kirche in Tulgen [Bayerdilling] übertragen, mit dem Recht des Patronats und
der Vogtei und allen Zugehörungen zu einem freien und vollkommenen immerwährenden
Besitz, gemäß den Statuten ihres Ordens, zum Wohl und Heil unserer Seele, aller
Vorfahren, Nachfolger und unserer Erben, so dass schon einmal benannte Frauen in Schonfelt
neben unserer Stadt Rein die erwähnte Kirche mit vollem Recht und friedlich ohne
Widerspruch irgendeines Menschen nach dem oben beschriebenem Recht für die Zukunft
innehaben; wenn der Pfarrer dieser Kirche, der sie nach der vollzogenen Schenkung innehat,
den Weg allen Fleisches geht oder auch noch zu Lebzeiten freiwillig zurücktritt, sollen
alle unsere Zinsgüter und Huben, deren Einkünfte die oft genannten Frauen in Erinnerung
an unsere Schenkung zu angemessener Zeit genutzt hatten, zu uns zurückkehren, und zwar
mit vollem Recht nach unserer wie unserer Erben Dienstgewohnheiten.
Damit also die derartige Schenkung nicht irgendwann einmal von einem unserer
Erben unter dem Vorwand des Eigentums, der Vogtei oder der Rechtfertigung oder bei anderer
Gelegenheit irgendwie vereitelt wird und damit sie fest und stark für ewig von allen
bewahrt werde, haben wir die gegenwärtige Urkunde durch Anhängen unseres Siegels
bekräftigen lassen. Zeugen dieser Schenkung sind diese:
Wernher von Lab, Albertus von Bruckeberg, Winhardus von Rorbach,
Heinrich von Isoltesriedt, Heinrich Sibenhar, Dieterich, der Notar, und mehrere
andere. Gegeben zu Newburg [Neuburg a. d. Donau], im Jahr 1257, in der 15.
Indiktion, am vierten Tag der Nonen des Juli [4. Juli 1257].
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Quelle: Monumenta Boica, 16. Band, Nr. 10, S. 272
Regest
1257, 4. Juli: Der bayerische Herzog Ludwig (II.) schenkt den frommen Frauen in Schonfeldt
[= Kloster Niederschönenfeld] die Kirche in Tulgen [Bayerdilling], mit dem Recht
des Patronats und der Vogtei und allen Zugehörungen zu einem freien und vollkommenen
immerwährenden Besitz. Die Frauen in Niederschönenfeld iuxta Rein civitatem nostram
[neben unserer Stadt Rain] sollen die erwähnte Kirche mit vollem Recht innehaben, wobei
nach dem Tod oder Abgang des derzeitigen Pfarrers in Bayerdilling alle Zinsgüter und
Huben an den Herzog zurückfallen sollen.
Die Urkunde wurde von Anton
Löffelmeier, Römerring 37, Taufkirchen b. München, aus dem Lateinischen
übertragen
am
10. August 2003. Von ihm stammen auch die Informationen über die
Zeugenreihe, also die am Ende der Urkunde
genannten Personen (Schreiben vom 10. und 14. März 2007):
Allgemein zu Urkunde und den
Zeugen:
Alle in der Zeugenreihe
genannten Personen gehören zum engeren Kreis der Ministerialen um Ludwig II,
meist sind es hochangesehene Geschlechter aus der Region zwischen Isar, Paar
und Donau. Teilweise gehören die Familien schon seit mehreren Generationen
zum Umkreis der Wittelsbacher, und sind als deren Ministerialen
aufgestiegen, so auch die Familie der Laber, der Rohrbach oder der
Eisolzried (dies ergibt sich auch aus einer Durchsicht der Bände der
Monumente Boica).
Dass die Gründung der Stadt Rain und
der Ausstellungsort Neuburg in einem besonderen machtpolitischen Kontext
stehen, ergibt sich aus der Tatsache, dass Ludwig II. in dieser Zeit gezielt
versuchte, seine Machtposition im nordwestlichen Oberbayern auszubauen,
hatte er doch 1247 die Marschälle von Pappenheim entmachtet und deren
Güterbesitz um Neuburg an sich gerissen. Der Aufenthalt in Neuburg sollte
diese Position sichern helfen, die Gründung der Stadt Rain markierte ein
großangelegtes Raumordnungsverfahren im äußersten Nordwesten Oberbayerns
durch Verlagerung des Kastenamtes Tulingen nach der neuen Stadt Rain. Dem
Zisterzienserinnenkloster Niederschönenfeld fällt dabei – ebenso wie dem
deutschen Orden um Aichach oder dem Zisterzienserkloster Fürstenfeld – eine
bedeutende Rolle bei der herrschaftlichen Durchdringung des Raumes zu.
Deshalb kann die Übergabe des Patronats und des Zehents in Bayerdilling an
das Kloster Niederschönenfeld nicht Zufall sein. Dass bei diesem bedeutenden
Schenkungsakt Ludwig II. in Neuburg wichtige Vertraute und Hofleute Ludwigs
bei ihm sind und als Zeugen auftreten, unterstreicht die Ziele Ludwigs.
Übrigens hat Ludwig II. kurz zuvor seine Ehefrau in Donauwörth hinrichten
lassen (vgl. hierzu: Historischer Atlas von Bayern, Teil Schwaben: Neuburg
an der Donau).
Nicht alle Zeugen sind klar zu
fassen, bei Wernher de Lab handelt es sich mit Sicherheit um einen
Angehörigen der Familie derer von Laber, der 1210 genannte Wernherus könnte
der Vater unseres Zeugen sein.
Wernherus de Laber
Ein Wernherus de Laber ist
1210 in einer Urkunde Herzog Ludwig I als Zeuge genannt, in der dieser dem
Deutschen Orden Güter übereignet, unter anderem die Kirche in Aichach. Mit
dieser Urkunde beginnt eine Reihe von großzügigen Schenkungen des Hauses
Wittelsbach an den Orden in und um Aichach (Deutschordenskommende
Blumenthal). In der Zeugenreihe ist Wernherus mit anderen hochangesehenen
und einflussreichen Geschlechtern genannt: den Marschällen von Kalentin (=
Pappenheim), den Schiltbergern und anderen Mitgliedern der Familie
Wittelsbach.
Albertus de Bruckeperg
Bei Albertus de Bruckeperg (nach Bruckberg a. d. Isar, unterhalb
Moosburg) verhält es sich genauso wie mit den anderen hochrangigen Zeugen:
er gehört zum engeren Umfeld der Ritter und Ministerialen um Herzog Ludwig
II. In einer Urkunde Ludwigs von 1266 wird er zusammen mit Hodmarus von
Laber (ein Hinweis auf die engere Beziehung zwischen den Zeugenfamilien
Laber und Bruckberg!) als "milites nostri", also "unsere Ritter", bezeichnet
(MB XV, 449). Albertus de Bruckberg steht in Schenkerbeziehung zu den
Klöstern des Pfaffenwinkels, so in den Jahren 1265 (Steingaden; RB III,
254), 1268 (Wessobrunn; RB III, 302), 1281 (Polling; RB IV, 164); 1287
verkauft er Güter an das Domkapitel Freising (RB IV, 328).
Winhardus de Rorbach
Bei ihm handelt es sich um
einen Angehörigen der Herren von Rohrbach (= Gemeinde Rohrbach, Lkr.
Pfaffenhofen, westlich Wolnzach), die im 13. Jh. in enger Beziehung zu den
bayerischen Herzögen stehen. Um 1230 ist mit Winhard von Rohrbach der erste
herzogliche Richter in Pfaffenhofen/Ilm belegt (MB X, 420).
Hainricus de Isoltesriet
Das Geschlecht der
Eisolzrieder (benannt nach Eisolzried im Lkr. Dachau) gelangte im 13. und
14. Jh. im herzoglichen Dienst zu großem Ansehen und großer Begüterung.
Offensichtlich ist die Familie auch im Rainer Winkel begütert. Bereits 1210
ist ein Mitglied der Familie im Dienst der bayerischen Herzöge nachweisbar.
1266 ist ein Hainricus miles, dictus de Isoltsriet (Heinrich der
Ritter, genannt von Isoltsriet) genannt, welcher der Kirche der Heiligen
Maria in Indersdorf für sein Begräbnis sein Gut in Ichdorff (Illdorf)
vermacht (RB III, 276). Er ist möglicherweise identisch mit dem oben
genannten.
1273 vermacht ein Hainricus senior de Isolzried (Heinrich der ältere
von Eisolzried) der Kirche der Hl. Maria in Fürstenfeld seine Güter in Berg
(RB III, 414).
1293 übergibt Hainrich Eisolzrieder dem Gotteshaus zu Niederschönenfeld sein
Gut zu Holzheim (RB IV, 664).
Hainricus Sibenhar
Er ist weder in der Monumenta Boica noch der Regesta Boica oder im
Historischen Atlas zu finden.
Dieterich, der Notar
Dieterich war schon am Hofe Otto II. (Herzog von Bayern von 1231 - 1253)
tätig. Unter Ludwig II. (Herzog ab 1253) erhielt Dieterich den Titel Viztum
als ein wichtiges Mitglied der herzoglichen Kanzlei. Er war Probst von
Ilmmünster. Dieterich wird in Urkunden bis 1266 genannt.
Fazit:
Auch wenn bisher keine Nachrichten über Hainricus Sibenhar festzustellen
war, ist in der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt Rain eine für die
Zeit um Mitte des 13. Jahrhundert nicht unbedeutende Zeugenreihe genannt.
Scannung einer Urkundekopie (Aus:
Ludwig Dorn, Historisches aus Rain):

In der 8. Zeile der in Neuburg an der Donau am
4. Juli 1257 ausgefertigten Urkunde heißt es wörtlich "domine in Schönvelt iuxta
Rein civitatem nostram" oder übertragen: Herzog Ludwig II. (der
"Strenge") verlieh am 4. Juli 1257 Patronat und Kirche Bayerdilling "den
Frauen in Schönenfeld neben unserer Stadt Rain". |
Zeittabelle "750 Jahre Rain"
| 1250 |
Angenommene Gründung durch
Herzog Otto II. von Bayern, und zwar unmittelbar als Stadt |
| 1257 |
Erste urkundliche
Erwähnung |
| 1280 |
Herzogsurbar für das Amt
Rain erreicht |
| 1315 |
Erstes
nachgewiesenes Stadtsiegel mit Rauten und Löwe |
| 1323 |
Erste von mehreren Urkunden
des späteren Kaisers Ludwig des Bayern verleiht der Stadt Rechte |
| 1326 |
Burg abgebrochen |
| 1359 |
Bewilligung eines 3. und 4.
Jahrmarktes |
| 1367 |
Erstes Rathaus erwähnt |
| 1372 |
Verleihung der niederen
Gerichtsbarkeit |
| 1394 |
Umgeldrecht aus der
Salzniederlage |
| 1398 |
Erster Nachweis für einen
Schulmeister |
| 1417 |
Verstärkung der
Stadtbefestigung |
| 1421 |
Beginn
des Schlossbaues |
| 1455 |
Erlaubnis zur Straßenpflasterung |
| 1471 |
Bau der
Allerheiligenkapelle, in der gleichen Zeit Bau bzw. Erweiterung des Spitals |
| 1480 |
Fertigstellung der
Stadtpfarrkirche |
| 1505 |
Gründung der
Pfalz-Neuburg; Rain bleibt bei Oberbayern, wird Grenzstadt in drei Richtungen und verliert
die einträgliche Salzniederlage |
| 1558 |
Fertigstellung des
Kirchturmes |
| 1600 |
Anlegung des Friedhofes an
der Münchner Straße |
| 1632 |
Schlacht bei Rain; Tilly
wird tödlich verwundet |
| 1648 |
Viele Zerstörungen im
Dreißigjährigen Krieg, insbesondere 1632/33 und 1646-1648 |
| 1704 |
Zerstörungen im Spanischen Erbfolgekrieg |
| 1718 |
Erneuerung der Spitalkirche |
| 1750 |
Abbruch des baufälligen
alten Rathauses |
| 1762 |
Rathaus-Neubau fertig
gestellt |
| 1803 |
Aufhebung des Friedhofes um
die Stadtpfarrkirche |
| 1806 |
Abbruch des
Schwabtorturmes, Verkauf großer Teile der Stadtmauer |
| 1834 |
Bau der Knabenschule |
| 1850 |
Einführung der Armen
Schulschwestern |
| 1863 |
Errichtung des
Marienbrunnens |
| 1874 |
Fertigstellung der
Donautaleisenbahn |
| 1878 |
Gründung des Kindergartens
(heute: Kindergarten "Am Schloss") als Bewahranstalt |
| 1890 |
Abbruch des Ostflügels des
Schlosskomplexes |
| 1904 |
Allerheiligenkapelle wird
Depot des Museumsvereins |
| 1909 |
Aufstockung der Knabenschule |
| 1910 |
Errichtung der
Lourdesgrotte |
| 1914 |
Aufstellung des
Tillydenkmals durch die Marianische Kongregation Augsburg |
| 1921 |
Ansiedlung des ersten
Industriebetriebes (Danubia, heute Firma Drossbach) |
|
1937 |
Bau der ersten
Evang.-luth. Kirche |
| 1945 |
Rund 80 Tote im Rainer
Winkel in den letzten Kriegswochen (darunter 17 Zivilisten am 2. April beim Beschuss des
Flüchtlingszuges im Bahnhof) |
| 1947 |
Gründung der Firma Dehner
durch Georg Weber und seine Frau Albertine, geb. Dehner |
| 1956 |
Fertigstellung des
Lechkraftwerks (Staustufe Rain) |
| 1956 |
Ansiedlung des Werkes der
Südzucker AG |
| 1960 |
Auffüllung der
Gräben um das Schloss |
| 1970 |
Gründung der Staatlichen
Realschule Rain |
| 1970 |
Fertigstellung des neuen
Schulgebäudes an der Preußenallee (heute: Johannes-Bayer-Grundschule) |
| 1971 |
Eröffnung des Hallenbades
mit Sauna |
| 1972 |
Umgliederung vom Landkreis
Neuburg/Donau in den Landkreis Donau-Ries; erste Eingemeindungen (Gempfing, Oberpeiching,
Sallach und Staudheim) |
| 1972 |
Einzug der Staatlichen
Realschule in das Schulzentrum |
| 1973 |
Einzug der
Hauptschule (heute: Gebrüder-Lachner-Hauptschule) in das Schulzentrum |
| 1974 |
Abschluss der Renovierung der Stadtpfarrkirche "St. Johannes
der Täufer" |
| 1975 |
Eingliederung von
Bayerdilling, Etting, Wächtering und Wallerdorf |
| 1977 |
Eingemeindung von
Mittelstetten |
| 1978 |
Eingemeindung von
Unterpeiching und Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Rain |
| 1984 |
Einweihung des Kath. Pfarrzentrums "St. Johannes der Täufer"
in der Hauptstraße |
| 1985 |
Fertigstellung der
Dreifachsporthalle |
| 1986 |
Neues
mechanisch-biologisches Klärwerk |
| 1987/88 |
Neubau Gemeindezentrum mit Kirche "St. Michael" der
Evang.-luth. Pfarrei |
| 1988 |
Neueinrichtung des
Heimatmuseums im ehemaligen Salzstadel |
| 1989 |
Abschluss von
Rathauserweiterung und sanierung |
| 1994 |
Bezug des zweiten
Kernstadt-Kindergartens ("Bei der Klause") |
| 1999 |
Abschluss der
Hauptstraßensanierung; Kunstwerk "Zukunft wächst jetzt" |
| 2001 |
Eröffnung des neuen "Dehner Blumen Park" |
| 2003 |
Baubeginn für die Südost-Umgehung |
| 2005 |
Fusion
der Stadtsparkassen Neuburg und Rain |
| 2007 |
750-Jahr-Feier |
| 2007 |
Geplante Freigabe des 1. Abschnitts der Südostumgehung |
| 2009 |
Bayerische Regionalgartenschau "Natur in Rain" (29. Mai - 23.
August) |
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