allerhand handarbeit


von Helga Olshausen

29. September 2002
bis
17. November 2002

Heimatmuseum Rain

Gregorianik

Malen ist Wegbegleitung für
Helga Olshausen

Sie schreibt über ihre Arbeit:

Verdichtetes Leben sind meine Bilder.

Sie mögen als Botschaft begriffen werden mit Herz und Auge dessen, der im doppelten Sinne aufgebrochen ist. Sie sind Suche nach Verbindung zum eigenen Inneren und zum anderen Menschen. Wegbegleitung.

Im Malen, dem Tun, das weder Gewinn noch Verlust im materiellen Sinne für mich bringt, erlebe ich mich, erkenne Grenzen. Es lösen sich dabei eventuell Erstarrungen, denn während des Malprozesses gibt es Momente völligen Loslassens. Darin können inspirierte Arbeiten entstehen. Das ist beglückend, wie es die Begegnung mit einem Menschen sein kann, mit der Natur oder wie im religiösen Erleben.

Bild links: Gregorianik

Helga Olshausen

1942 in Reichenberg geboren. Lebt in Rain am Lech. Mitglied der Künstlergilde e. V. Esslingen.

Mehrjähriger Privatunterricht bei Karl Paul, Kunstakademie Dresden; Prof. Karl Haberl, Akademien Nürnberg und München, dort auch 2 Semester Gast bei Prof. Rudolf Seitz; mehrere Sommerakademiekurse bei Prof. Heribert Losert in Wörth/Donau und Prof. Gerd Dengler in Neuburg a.d. Donau.

Ausstellungen seit 1988 in Donauwörth, Neuburg a.d. Donau, München, Regensburg (Museum Ostdeutsche Galerie), Esslingen (Altes Rathaus und Städtische Galerie Villa Merkel), Reutlingen, Kloster Asbach bei Passau, Bayerisches Nationalmuseum, Kloster Thierhaupten, Galerie Schloß Leitheim, Krummau (Tschechien) und Sète (Südfrankreich).

 

(Die Vita ist entnommen aus "Heribert Losert und seine Schüler", Ausstellung der Hans Thoma-Gesellschaft Kunstverein Reutlingen, 10.12.1995 - 21.01.1996.)

 

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Zur Kunst von Helga Olshausen

schreibt Prof. Dr. Dr. Claus-Artur Scheier:
Malen ist für mich nicht Beruf, schreibt sie bescheiden, sondern Wegbegleitung. Aber wer weiß? Vielleicht ist die Wegbegleitung der wahre Beruf. Von der Kraft der Überzeugung hatte bereits der griechische Philosoph Parmenides im frühen fünften Jahrhundert vor Christi Geburt gelehrt, sie begleite die Wahrheit. Und welcher Weg lässt sich gut gehen ohne die Kraft der Überzeugung, die zum Wahren beruft?

Was den Weg aber immer begleitet, ohne dass wir es eigens bemerken, wenn wir auf das Ziel aus sind und ihn deshalb nur als Mittel brauchen, das sind die Wegränder. Kraft ihrer gehört der Weg erst in die Welt. Die Wegränder, sagt die Philosophin Maria Otto in ihrer Meditation über den Ort, bieten "ja die nächste Nähe zu den Dingen, den Schauplatz des Schauens, die Theorie des Alleshabens, ohne es zu besitzen". Weil wir nie eigentlich ankommen, da jede Ankunft zum neuen Aufbruch wird, sind sie, die Wegränder, vielmehr die unscheinbare Ankunft, Gegenwart, wo ich unversehens etwas "nicht mehr in seiner Zweckdienlichkeit für mich sehe, sondern angeleuchtet als das Andere selbst". Und das heißt der Philosophin, "der Daseinsgrund ist nicht vor dem Hier. Das Hier ist sein Grund. Mein Ort hier hat mein Sein bereits gegründet, bevor es nach einem Grund sucht. Er ist Grund genug".

Kunst, könnte man deshalb sagen, ist die Kraft des Wegrands. Sie lässt verweilen, indem sie Orte auftut. So auch die Kunst von Helga Olshausen. Ein Oeuvre der Unruhe, der Bewegtheit, dem auch die Beschleunigung zu Sturz und Fall nicht fremd ist, moderne Kunst. Denn die moderne Kunst ist das Gesicht des Flüchtigen, das eben darum der Aufenthalte gewahr wird, der Wegränder, Orte. "Ort der Kraft" heißt eines der Aquarelle, in denen die Erfahrung eines alten Orts, Kloster Windberg, Bild wird. Eine diagonale Bewegung von in-, hinter-, über- untereinandergeschachtelten rechteckhaften Flächen-Räumen, nach oben weg ins helle Gelb, nach unten hin ins dunkle Blau gezogen, schroff abgeschnitten von den Bildrändern. Der schollenhaft zugeschobene Wegrand aber begegnet in der Grenze des oberen Bilddrittels als das offengelassene Weiß des Grundes, das, vielfach überblendet, in der Bildachse quadratisch hervorbricht und ein Dreieck nach vorn trägt, dessen intensives Gelb im Schwung noch über seine Seiten drängt. In solcher Gegenbewegung scheint der Wegrand den Weg zu kreuzen. So verwindet er den haltlosen Fortgang.

Das ist ein Ort der Kraft im buchstäblichen Sinn des Wortes, das einst selbst die Bedeutung von "Kunst" hatte und dessen Wurzel "drehen, winden" meint. In der Verwindung des Fort in den Grund des Hier bewährt sich die Kunst von Helga Olshausen, die Künstlerin nicht von Beruf ist, aber aus Beruf.

(Prof. Dr. Dr. Claus-Artur Scheier lehrt an der Technischen Universität Braunschweig Philosophie mit den Schwerpuntken Klassische griechische Philosopie, Deutscher Idealismus, Anti-metaphysisches Denken des 19. und 20. Jahrhunderts sowie Philosopie der Kunst. Er ist Ordentliches Mitglied der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft.)

 

 


Licht
Licht

 

 

 

 

Ort der Kraft
Ort der Kraft

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Die Ausstellung "allerhand handarbeit" von Helga Olshausen zeigt insgesamt 41 Arbeiten in Eingangsbereich, Treppenaufgang und zwei Sonderausstellungsräumen des Rainer Heimatmuseums.
Zusätzlich bereichert eine Vitrine mit Kränzen (Bild links) die Ausstellung.

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Über die Ausstellungseröffnung berichtete die Donauwörther Zeitung am 25. September 2002:

 

Vom Leben im Innern
Helga Olshausen stellt im Rainer Heimatmuseum aus
Bescheiden ist der Titel der neuen Sonderausstellung des Heimatmuseums: Helga Olshausen präsentiert „Allerhand Handarbeit“. Sehr beachtlich ist, was sich dahinter verbirgt. Bei der Vernissage waren Künstlerin und Stadt von dem Zuspruch überwältigt. Das „duo virtuoso“ (Enrique Ugarte und Raul Alvarellos) stimmte die nahezu 150n Besucher gekonnt ein.

45 Bilder von Helga Olshausen bereichern bis 17. November den früheren Salzstadel. Bürgermeister Gerhard Martin stellte denn auch die Brücke von Geschichte und Kunst in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Abt Thomas Handgrätinger, ging aus der Sicht des Theologen auf das Werk ein.

Sie betonte, es gehe ihr darum, „etwas gemeinsam zu tun und Rain kulturell in den Blickpunkt zu rücken“. Das Miteinander und die großartige Unterstützung sei das Schöne bei der Vorbereitung gewesen. Bürgermeister Martin würdigte die Künstlerin für ihre ganzheitliche Betrachtung des Menschen, die aus ihren unterschiedlichen Tätigkeiten resultiere. Er zitierte Picasso mit „Kunst bläst den Staub des Alltags von der Seele“ und mit Hebbel verglich er die Lebenszeitalter mit Gewölben: „Wie man beschenkt wird, merkt man erst, wenn man in das nächste Gewölbe weiter geht.“

Abt Thomas Handgrätinger, Vorsteher der Prämonstratenserklöster Windberg (Diözese Regensburg) und Roggenburg (Diözese Augsburg) schlug eine Brücke von der Psychologie und Religion zur Kunst und traf den Kern der Intention des Ausstellungstitels mit seiner Feststellung „Hände drücken das Innenleben“ aus. Das Schaffen der Künstlerin sei Ringen um Komposition, Widerstreit von Kopf und Bauch, Einsatz von Auge und Hand und letztlich die Konfrontation des Kunstwerks mit dem Betrachter. Kunst sei nicht allein Geschicklichkeit, sondern ein persönlicher Existenzkampf, Sprache der Stimmung und der Andacht.

Helga Olshausen sei temperamentvoll - und habe auch eine nachdenkliche Seite. Er erfahre dies immer wieder bei ihrer Arbeit in der Erwachsenenbildung und Orientierungshilfe im Bildungshaus seines Ordens in Windberg. Helga Olshausens Bilder seien schonungslose Ehrlichkeit.

Bilder als Botschaft

Malen ist Wegbegleitung - das schreibt die Künstlerin über sich selbst und konnte es bei der Vernissage prägnant vermitteln. Die Bilder will sie als Botschaft im doppelten Sinne verstanden wissen: Suche nach dem eigenen Inneren und nach den anderen Menschen. Helmut Walter, der gestalterisch beraten hat, Ehemann Wolfgang Olshausen, der den Aufbau maßgeblich besorgte, und die Redner des Abends standen in diesem Sinn stellvertretend für die vielen Gäste der Ausstellung. Museumsleiterin Edith Findel freute sich, dass mit der Bilderausstellung die Atmosphäre des Hauses erweitert werde.

Die Ausstellung „allerhand Handarbeit“ im Heimatmuseum Rain ist bis 17. November sonntags von 14 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung mit dem Rathaus geöffnet.

 

Heimatmuseum Rain
Oberes Eck 3
86641 Rain 

Öffnungszeiten:
jeweils sonntags von 14 bis 16 Uhr
sowie jederzeit nach Voranmeldung
unter Tel.: 0 90 90/703-0 bzw. -110 oder -460
Telefax 0 90 90/703-139.

25.09.2002 / AR