Stadt Rain - Berühmte Persönlichkeiten |
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Das Sternbild Orion aus Bayers "Uranometria". |
400 Jahre Uranometria, ein
Meileinstein in der Kartographie des Himmels
-Begleittext zu einer Ausstellung der Staats- und
Stadtbibliothek Augsburg 2003/2004-
Im September 1603 widmete der Augsburger Jurist Johann Bayer seinen großartigen Sternatlas "Uranometria" den Stadpflegern und dem Rat der Stadt Augsburg. Er erhielt dafür eine reiche Verehrung von 150 Gulden. Es gab schon früher einige Versuche, Karten der Sternbilder zu zeichnen, aber die Uranometria war der erste zuverlässige Sternatlas. Bayer benutzte neben dem Almagest des Ptolemäus den Sternkatalog des berühmten dänischen Astronomen Tycho Brahe (15471602), den dieser durch jahrelange präzise Beobachtung des Himmels zusammengestellt hatte. Einige Exemplare von Brahes Katalog zirkulierten in handschriftlicher Form schon vor dem Druck (1602), von denen Bayer offensichlich Kenntnis hatte. Er führte aber auch selbst Beobachtungen durch. Das Fernrohr war noch nicht erfunden, der Atlas enthält also nur Sterne, die mit bloßem Auge zu erkennen waren. Für die Zeichnungen der Sternbilder mögen die Bilder des Jacob de Gheyn aus dem "Syntagma Arateorum", das 1600 in Leiden von Hugo Grotius herausgegeben worden war, Vorbild gewesen sein, die sich ihrerseits wieder an Holzstiche des Augsburger Frühdruckers Erhard Ratdolt anlehnen. Die Kupferstiche in Bayers Atlas führte Alexander Mair aus. Der Stadtpfleger Markus Welser gab den Atlas in seinem Verlag "Ad insigne pinus" heraus.
Der Atlas besteht aus 51 Karten: 48 bei uns sichtbare Sternbilder, eine Karte mit einigen von den Seefahrern im 16. Jahrhundert aufgezeichneten südlichen Sternbildern, und zwei Übersichtskarten. Zu jeder Zeichnung eines Sternbildes hat Bayer eine Tabelle seiner hellsten Sterne zusammengestellt, die er mit Buchstaben benannt hat, angefangen mit den griechischen Buchstaben
a, b, c, d, ..., fortgeführt mit lateinischen Buchstaben. a Leonis ist z.B. der hellste Stern des Sternbilds "Löwe". Die Buchstaben sehen wir auch in den Zeichnungen. Auch heute noch wird diese Bezeichnung der Sterne verwendet.Johannes Bayer wurde 1572 in Rain am Lech geboren und besuchte das Jesuitengymnasium in Augsburg. Nach Abschluss seiner Studien in Ingolstadt ließ er sich in Augsburg als Jurist nieder. 1612 wurde er Ratskonsulent, juristischer Beamter der Stadt. Nachdem sein Atlas großen Erfolg hatte, beobachtete er weiter und bereitete eine erweiterte Neuauflage vor. Als Mitarbeiter gewann er Julius Schiller, Ratskonsulent wie er und wohl schon aus Studienzeiten mit ihm bekannt, sowie den Augsburger Stadtarzt Raimund Minderer. Sie hatten die Idee, die Sternbilder nicht mehr mit heidnischen sondern mit christlichen Bildern zu versehen. So entstand der Christliche Sternhimmel: "Coelum Stellatum Christianum", der 1627 in Augsburg erschien. Weder Bayer (+ 1625) noch Schiller (+ 1627) noch Minderer (+ 1621) haben sein Erscheinen erlebt. Die letzten Arbeiten wurden deshalb von Johann Bartsch, dem späteren Schwiegersohn Keplers ausgeführt, als er 162627 in Augsburg weilte. Obwohl dieser Atlas die damals besten Sternkarten zeigte, erfuhr er wegen der ungewohnten christlichen Sternbilder keine weite Verbreitung. Bayers Uranometria dagegen wurde wiederholt nachgedruckt und blieb bis ins 18. Jahrhundert der bedeutendste Sternatlas.
Johannes Bayer vermacht seine Bücher dem Dominikanerkloster bei St. Magdalena (heute römisches Museum), wo er auch begraben wurde. Das Grab ist verschwunden, aber einige seiner Bücher gelangten nach der Säkularisation in die Staats- und Stadtbibliothek.
Die Neuburger Rundschau berichtete am 28. Mai 2003 über "400 Jahre Uranometria" folgendes:
| 400 Jahre Himmelsatlas |
Johannes Bayer aus Rain war ein bedeutender Astronom |
| Rain (pts).
Dass in der Blumenstadt Rain die Wiege einer ganzen Musiker-Dynastie stand, belegen im
Jahr 2003 die diversen Feierlichkeiten und Konzerte zum 200. Geburtstag des Dirigenten und
Komponisten Franz Lachner. Seine ebenfalls musikalisch hochbegabten Brüder Ignaz und
Vinzenz folgen mit Jubiläums-Geburtstagen in den nächsten Jahren. Doch aus der Lechstadt
stammt ein weiterer großer Sohn, noch heute in Fachkreisen ein bekannter
Mann: weit vor dem 30-jährigen Krieg als Johannes Bayer (beziehungsweise Bayr) 1572 in
Rain geboren. Bayer ergriff den Beruf des Juristen, und wirkte nach seiner Jugend in Rain und Ausbildung, spärlichen Quellen zufolge, in diesem Beruf anschließend in Augsburg. Dort veröffentlichte er 1603 im Alter von 31, exakt vor vierhundert Jahren seinen Himmelsatlas Uranometria (mit vollständigem Titel: Uranometria Omnium Asterismorvum, Continens Schemata Nova Methodo Delineata, Folio Ulmae - Quelle: Der Himmel über Berlin). Bayer legte damit den Grundstein zur Methodik der Sternenbenennung, welche bis heute benutzt wird. Es gab zwar schon vor Bayers Uranometria Himmelskarten, aus der Antike wird von Hipparch berichtet. Araber waren es, die die Sternkarten weiterführten und verbesserten. Sie übernahmen teilweise die Sternbilder der Griechen, führten aber bis heute benutzte Namen ein. Im Mittelalter fertigte der Astronom Peter Apian die fortschrittlichste Form der Himmelskarte an, welche drehbar war. Schlussendlich war alles nur Stückwerk. Bayer sollte mit seiner Arbeit der Erste sein, der zum ersten Mal unter anderem den Südhimmel korrekt kartografierte. Er kannte der Historie zufolge die frühen Karten, nahm diese als Basis und erhielt von ihm bekannten Seefahrern von deren Reisen ihm fehlende Sternpositionen. Dadurch konnte er zwölf neue Sternbilder im südlichen Himmel benennen: Paradiesvogel, Tukan, Kranich, Phoenix, Goldfisch, Fliegender Fisch, kleine Wasserschlange, Chamäleon, Fliege, südliches Dreieck, Indus und den Pfau. In der Gesamtheit enthielt dann Bayers Atlas 60 Sternbilder auf 51 Karten mit insgesamt 1706 Sternen. Bayer klassifizierte die einzelnen Konstellationen mit griechischen Buchstaben und in der Reihenfolge ihrer Helligkeiten. Bayers Uranometria erlebte nach seinem Tode 1625 mehrere Auflagen (1639, 1648, 1655 und 1661). Die heutigen grafischen Sternbilddarstellungen stammen in der Regel aus der letzten Ausgabe. Vor Erfindung des Teleskops war Bayers Sternenverzeichnis das erste, und vor allem bis zur heutigen Zeit brauchbare. Das Himmelsfernrohr bewies später vor allem eines: es gab viel mehr sichtbare Sterne, so dass schnell klar wurde, dass weiter entfernte Sternregionen auch Sternbilder enthielten.Einen ausführlichen Bericht über 400 Jahre Uranometria enthielt die Wiener Zeitung vom 07.03.2003 (nicht mehr "online" erreichbar). |
28.12.2008 / AR