"Lediglich acht Tage sind es, in denen ich kein Rainer
war", sagt Albert Weber, verschmitzt und schulterzuckend, und lässt die
Gäste im Festsaal im Rainer Rathaus einige Sekunden auf die Erklärung
warten. Es sind die Tage seiner Geburt. Denn mangels einer Hebamme in Rain
musste er das Licht der Welt in Augsburg erblicken.
Seit 60 Jahren sei nun schon in seinem Pass
festgeschrieben, dass Albert Weber eigentlich ein "Zuagroasda" ist. Doch als
Fremder hat er sich nie gefühlt und auch nie so gehandelt. Ganz im
Gegenteil. Albert Weber ist ein echter Rainer.
Für seine außerordentlichen Verdienste um die Stadt und ihr Gemeinwohl wurde
ihm am Mittwochabend die Ehrenbürgerwürde verliehen. Städte können mit
dieser Auszeichnung ihre höchste Anerkennung aussprechen. Der 60-jährige
Dehner-Chef ist derzeit der einzige Träger dieses Titels in Rain.
Erster Bürgermeister Gerhard Martin (links) bei der
Übergabe der Ehrenbürgerurkunde an Albert Weber.
Was Albert Weber für Rain getan hat, das passt nicht in eine Rede und nicht
in einen Artikel. Und so zählte Bürgermeister Gerhard Martin in seiner
Laudatio nur einige Punkte auf, allem voran natürlich das Lebenswerk Webers.
Zusammen mit seinem Vater Georg Weber, der übrigens vor 27 Jahren ebenfalls
das Ehrenbürgerrecht erhielt, habe Albert Weber mit viel unternehmerischem
Mut, Weitblick und Verantwortung die Geschäfte vorangetrieben und aus einer
kleinen Samenhandlung ein modernes Gartencenter mit 5000 Beschäftigten,
davon 1000 in Rain, gemacht. Ihm sei auch mit zu verdanken, dass die
Ausstellung "Natur in Rain" die Blumenstadt noch attraktiver und bekannter
mache.
Albert Weber hat sich aber nicht nur um die Wirtschaft in der Region
verdient gemacht, sondern auch unzählige Betätigungen in Sport, Kultur und
Freizeit gefördert. Weiterhin lagen ihm soziale Einrichtungen am Herzen.
"Sie gehören zu den Menschen, die wissen, dass es eine Verantwortung eben
nicht nur für das eigene Leben gibt, sondern auch für die Gemeinschaft, für
die Stadt, in der man lebt", so Martin.
Ebenso herzliche und anerkennende Worte fanden der neue CSU-Fraktionschef
Georg Schmid, Landrat Stefan Rößle und Leo Meier, Zweiter Bürgermeister.
"Der Bürger Weber macht seiner Stadt alle Ehre", sagte der Ex-Staatssekretär
und umarmte den Unternehmer. Vorher lobte er noch die Weisheit Webers, "die
Dinge rechtzeitig zu regeln" und die Aufnahme seines Sohnes Georg in die
Geschäftsführung.

Albert Weber beim Eintrag ins Goldene Buch.
Georg Schmid, Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion.

Landrat Stefan Rößle
2. Bürgermeister Leo Meier

Ehegattin
Christine Weber (sie ist seit heuer Trägerin des Bayerischen
Verdienstordens) beim Eintrag ins Goldene
Buch der Stadt Rain, dahinter von links Georg Schmid, Vorsitzender der
CSU-Landtagsfraktion, Susanne Weber,
Albert Weber, Stephanie Weber, Erster Bürgermeister Gerhard Martin, 2.
Bürgermeister Leo Meier, Georg Weber
und Landrat Stefan Rößle.
Landrat Rößle betonte, die herausragende Bedeutung der Firma Dehner, die ein
"guter Arbeitgeber" in der Region ist und jährlich mehr als eine Million
Gäste in den Landkreis lockt. Der guten Führung Webers sei es auch zu
verdanken, dass sich bislang keine "Heuschrecken" nach Rain gewagt hätten,
und natürlich auch dem Insektenschutzmittel in den Dehner-Regalen. Leo Meier
gratulierte im Namen des Stadtrates, der die Verleihung der Ehrenbürgerwürde
einstimmig beschlossen hatte.
"Ich fühle mich sehr geehrt durch diese hohe Auszeichnung", sagte der
Unternehmenschef, der nicht gerne in der Öffentlichkeit steht, sichtlich
gerührt. "Der Lohn ist in jedem Fall weit größer als die Mühe", sprach er
und begründete sein Engagement mit den Worten: "Ich bin ein Rainer."
Weber blickte auf die vergangenen 40 Jahre zurück, in denen er Dehner und
Rain mit geprägt hat. "Die Dehner-Philosophie bringt den Menschen die
Schönheit der Natur nahe, lässt sie Freude haben an Pflanzen und Blumen und
lässt sie Werte entdecken, die jenseits allem materialistischem Streben
sind." Den Schlüssel zum Erfolg sieht er einmal in der Unterstützung durch
die Familie, durch seine Frau Christine, die Töchter Stephanie und Susanne
sowie den Sohn Georg, aber auch in Konfuzius Worten: "Man soll sich freuen,
wenn man in hoher Stellung anderen dienen kann."
Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von einem Bläserquartett der
Stadtkapelle.