Stadt Rain - Berühmte Persönlichkeiten
Dr. Joseph von Weber - Ergänzungsseite

Die folgende ausführliche Biographie veröffentlichte die Donauwörther Zeitung in der Ausgabe vom 27. September 2003 (Autor: Jakob Paula, München).
Einer der großen in Rain gebürtigen Wissenschaftler - An Universitäten in Dillingen, Ingolstadt und Landshut tätig
Dr. Joseph von Weber war Theologe, Pädagoge, Physiker, Volksaufklärer, gleichwohl war er auch Pfarrer und Domdekan. Geboren wurde er am 23.September 1753 als Sohn des gleichnamigen Buchbinders in Rain ( 1831) in einer Zeit, die geistesgeschichtlich betrachtet als die Zeit, in der die Aufklärung, der Rationalismus allmählich begann.

Webers Mutter, Maria Anna Heuplin, um 19 Jahre jünger als der Vater, stammte aus dem nahen Feldheim. Joseph wuchs in bescheidenen Verhältnissen, aber in der Geborgenheit einer tief religiösen Familie auf, in der er eine gediegene katholische Erziehung genoss. Bei seinem Onkel Simon Weber, in einem Dorf bei Sigmaringen, lernte er Latein.

Ab 1764 besuchte er das Benediktiner Gymnasium Heilig Kreuz in Donauwörth (Lehrer Pater Beda Mayer) und studierte von 1770-72 Philosophie bei den Augsburger Jesuiten. Ein vierjähriges Studium der Theologie an der fürstlichen Universität zu Dillingen (1773-77) mit anschließender Promotion schloss sich an. Er empfing im üblichen Zeitabstand die niederen und höheren Weihen und im Herbst 1776 im Dom zu Augsburg die Priesterweihe. Nachdem er Kaplan in Illertissen war und am bischöflichen Seminar zu Pfaffenhausen Kirchenrecht und Katechismus lehrte, berief ihn der Fürstbischof von Augsburg 1781 zum Professor für Philosophie an die Universität Dillingen. Dort entfaltete er zusammen mit den Professoren J.M.Sailer und P.Zimmer - das berühmte Dillinger Kleeblatt - eine segensreiche Lehrtätigkeit.

Das Gedankengut einer maßvollen Aufklärung war in der Kirche, den Klöstern, Universitäten sichtbar geworden. Immer mehr durchdrang es das gesamte soziale, kulturelle und religiöse Leben und wies der inneren Entwicklung den Weg. Mit anderen Worten, das so genannte Dillinger Kleeblatt lenkte den Blick der Studenten auf die moderne Strömung der Aufklärung, welche sich in den theologischen und belletristischen Büchern, meist deutsch verfasst, manifestierte. Der Zeitgeist lag nicht mehr in der Bewahrung, Sicherung und der Abschließung allen Neuem gegenüber, sondern in der Öffnung, Auseinandersetzung, selbstständigen Entscheidung - so hießen die neuen Losungsworte.

Da kommt es zum Eklat. 1794 entlässt der Fürstbischof Clemens Wenzelslaus die Professoren Weber, Zimmer und Sailer aus ihren Lehrämtern. Weber bekommt nun eine Professur in Physik, für die er sehr gut geeignet erscheint, da er bereits seit Jugendzeit sich mit Elektrizität befasste. Der von ihm erfundene Luftelektrophor verschafft ihm Eintritt in Gelehrtenwelt der Naturwissenschaftler. Mit 25 Jahren ist er bereits Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Der Priesterphysiker Weber galt in Fragen des Gewitterschutzes als Experte, lässt sich als Volksaufklärer begreifen, der in Schrift, Wort und Tat gegen den Aberglauben auftrat und das Anbringen von Blitzableitern nötig hielt. Er verwendete sich auch für die Einführung der strittigen Schutzpockenimpfung.

Einen breiten Raum in seinem Wirken nahm die literarische Tätigkeit ein. Unter seinen über hundert Veröffentlichungen befinden sich 17 Abhandlungen zur Philosophie und 49 zur Physik. Sein Forschen fand besten Anklang, was sich schon daraus ergibt, das er von verschiedenen Gesellschaften als Mitglied aufgenommen wurde. In der Mitte seines Lebens wurde Weber Zeitgenosse der Französischen Revolution und ihrer Folgen, die Spuren in Deutschland, nicht zuletzt in Bayern hinterließ. 1799 wurde Weber zusammen mit seinen Freunden Zimmer und Sailer, die schon in Dillingen seine Gesinnungsgenossen waren, an die bayerische Landesuniversität Ingolstadt berufen. Von kurzer Dauer war aber der dortige Aufenthalt, denn im Mai 1800 erfolgte die Verlegung der Universität nach Landshut, an der in den Semestern 1802/3 Weber Rektor war.

Kampf gegen radikale Aufklärer

Die an der Universität damals vorherrschende Linie der so genannte Rationalistischen Gelehrsamkeit stellte die Fundamente des Christentums in Frage, die man zu einer Tugendlehre verkürzen wollte. Dieser Geist stand Webers Auffassung vom Wesen des Christentums diametral entgegen. Mit seinen Freunden Sailer und Zimmer nahm er den Kampf gegen die radikalen Aufklärer auf. Hatte aber anfangs einen schweren Stand, weil diese die Regierung hinter sich wussten und durch die Verwirklichung der von ihnen schon lange geforderten Säkularisation in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt wurden.

1805 ging Weber wieder zurück nach Dillingen und wurde dort Direktor des Lyzeums, bis 1821. Ab dieser Zeit bildete Weber unter anderem wieder Priester aus. Durch seine Hand ging mehr als eine Generation von Landpfarrern. Sie saßen überall; egal, ob in der Jachenau, im Ries, am Bodensee oder in der Hallertau und trugen somit „Weber’schen Geist“ aufs Land.

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17.03.2007 / AR