Dr. Joseph von
Weber war Theologe, Pädagoge, Physiker, Volksaufklärer, gleichwohl war er auch Pfarrer
und Domdekan. Geboren wurde er am 23.September 1753 als Sohn des gleichnamigen Buchbinders
in Rain ( 1831) in einer Zeit, die geistesgeschichtlich betrachtet als die Zeit, in der
die Aufklärung, der Rationalismus allmählich begann.Webers
Mutter, Maria Anna Heuplin, um 19 Jahre jünger als der Vater, stammte aus dem nahen
Feldheim. Joseph wuchs in bescheidenen Verhältnissen, aber in der Geborgenheit einer tief
religiösen Familie auf, in der er eine gediegene katholische Erziehung genoss. Bei seinem
Onkel Simon Weber, in einem Dorf bei Sigmaringen, lernte er Latein.
Ab 1764 besuchte er das Benediktiner Gymnasium Heilig Kreuz
in Donauwörth (Lehrer Pater Beda Mayer) und studierte von 1770-72 Philosophie bei den
Augsburger Jesuiten. Ein vierjähriges Studium der Theologie an der fürstlichen
Universität zu Dillingen (1773-77) mit anschließender Promotion schloss sich an. Er
empfing im üblichen Zeitabstand die niederen und höheren Weihen und im Herbst 1776 im
Dom zu Augsburg die Priesterweihe. Nachdem er Kaplan in Illertissen war und am
bischöflichen Seminar zu Pfaffenhausen Kirchenrecht und Katechismus lehrte, berief ihn
der Fürstbischof von Augsburg 1781 zum Professor für Philosophie an die Universität
Dillingen. Dort entfaltete er zusammen mit den Professoren J.M.Sailer und P.Zimmer - das
berühmte Dillinger Kleeblatt - eine segensreiche Lehrtätigkeit.
Das Gedankengut einer maßvollen Aufklärung war in der
Kirche, den Klöstern, Universitäten sichtbar geworden. Immer mehr durchdrang es das
gesamte soziale, kulturelle und religiöse Leben und wies der inneren Entwicklung den Weg.
Mit anderen Worten, das so genannte Dillinger Kleeblatt lenkte den Blick der Studenten auf
die moderne Strömung der Aufklärung, welche sich in den theologischen und
belletristischen Büchern, meist deutsch verfasst, manifestierte. Der Zeitgeist lag nicht
mehr in der Bewahrung, Sicherung und der Abschließung allen Neuem gegenüber, sondern in
der Öffnung, Auseinandersetzung, selbstständigen Entscheidung - so hießen die neuen
Losungsworte.
Da kommt es zum Eklat. 1794 entlässt der Fürstbischof
Clemens Wenzelslaus die Professoren Weber, Zimmer und Sailer aus ihren Lehrämtern. Weber
bekommt nun eine Professur in Physik, für die er sehr gut geeignet erscheint, da er
bereits seit Jugendzeit sich mit Elektrizität befasste. Der von ihm erfundene
Luftelektrophor verschafft ihm Eintritt in Gelehrtenwelt der Naturwissenschaftler. Mit 25
Jahren ist er bereits Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Der Priesterphysiker Weber galt in Fragen des
Gewitterschutzes als Experte, lässt sich als Volksaufklärer begreifen, der in Schrift,
Wort und Tat gegen den Aberglauben auftrat und das Anbringen von Blitzableitern nötig
hielt. Er verwendete sich auch für die Einführung der strittigen Schutzpockenimpfung.
Einen breiten Raum in seinem Wirken nahm die literarische
Tätigkeit ein. Unter seinen über hundert Veröffentlichungen befinden sich 17
Abhandlungen zur Philosophie und 49 zur Physik. Sein Forschen fand besten Anklang, was
sich schon daraus ergibt, das er von verschiedenen Gesellschaften als Mitglied aufgenommen
wurde. In der Mitte seines Lebens wurde Weber Zeitgenosse der Französischen Revolution
und ihrer Folgen, die Spuren in Deutschland, nicht zuletzt in Bayern hinterließ. 1799
wurde Weber zusammen mit seinen Freunden Zimmer und Sailer, die schon in Dillingen seine
Gesinnungsgenossen waren, an die bayerische Landesuniversität Ingolstadt berufen. Von
kurzer Dauer war aber der dortige Aufenthalt, denn im Mai 1800 erfolgte die Verlegung der
Universität nach Landshut, an der in den Semestern 1802/3 Weber Rektor war.
Kampf gegen radikale Aufklärer
Die an der Universität damals vorherrschende Linie der so
genannte Rationalistischen Gelehrsamkeit stellte die Fundamente des Christentums in Frage,
die man zu einer Tugendlehre verkürzen wollte. Dieser Geist stand Webers Auffassung vom
Wesen des Christentums diametral entgegen. Mit seinen Freunden Sailer und Zimmer nahm er
den Kampf gegen die radikalen Aufklärer auf. Hatte aber anfangs einen schweren Stand,
weil diese die Regierung hinter sich wussten und durch die Verwirklichung der von ihnen
schon lange geforderten Säkularisation in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt wurden.
1805 ging Weber wieder zurück nach Dillingen und wurde dort
Direktor des Lyzeums, bis 1821. Ab dieser Zeit bildete Weber unter anderem wieder Priester
aus. Durch seine Hand ging mehr als eine Generation von Landpfarrern. Sie saßen überall;
egal, ob in der Jachenau, im Ries, am Bodensee oder in der Hallertau und trugen somit
Weberschen Geist aufs Land.