Rundgang durch Rain
Liebe Besucher!
Sie können mit Rollbalken und "Weiter"-Funktion unsere Stadt erkunden. Sie können aber auch Ihre Stationen aus dem Menü gezielt ansteuern.Herausgeber: Stadt Rain
Rain früher: |
Rain heute: |

| um 1250 | Angenommene Gründung durch Herzog Otto II. von Bayern, und zwar unmittelbar als Stadt |
| 1257 | Erste urkundliche Erwähnung |
| 1280 | Herzogsurbar für das Amt Rain errichtet |
| 1323 | Die erste von mehreren Urkunden des späteren Kaisers Ludwig des Bayern verleiht der Stadt Rechte |
| 1326 | Abbruch der Burg aus dem 13. Jahrhundert |
| 1359 | Bewilligung eines 3. und 4. Jahrmarktes |
| 1367 | Erstes Rathaus erwähnt |
| 1372 | Verleihung der niederen Gerichtsbarkeit |
| 1394 | Umgeldrecht aus der Salzniederlage |
| 1398 | Erster Nachweis für einen Schulmeister |
| 1417 | Verstärkung der Stadtbefestigung |
| 1471 | Bau der Allerheiligenkapelle, in der gleichen Zeit Bau bzw. Erweiterung des Spitals |
| 1480 | Fertigstellung der Stadtpfarrkirche |
| 1505 | Gründung der Pfalz-Neuburg; Rain bleibt bei Oberbayern, wird Grenzstadt in drei Richtungen und verliert die einträgliche Salzniederlage |
| 1558 | Fertigstellung des Kirchturms der Stadtpfarrkirche |
| 1600 | Anlegung des Friedhofs an der Münchner Straße |
| 1632 | Schlacht bei Rain; Feldherr Tilly wird schwer verwundet und stirbt zwei Wochen später in Ingolstadt |
| 1648 | Viele Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg, insbesondere 1632/33 und 16461648 |
| 1718 | Erneuerung der Spitalkirche |
| 1750 | Abbruch des baufälligen alten Rathauses |
| 1762 | Rathaus-Neubau fertig gestellt |
| 1803 | Aufhebung des Friedhofs um die Stadtpfarrkirche; Geburt von Franz Lachner am 2. April in Rain |
| 1806 | Abbruch der Liebfrauenkapelle auf dem Marktplatz |
| 1807 | Bau eines Schulhauses, später Lehrerwohnhaus (16. Oktober 2001 abgebrannt) |
| 1812 | Abbruch des Schwabtorturms |
| 1834 | Bau der Knabenschule |
| 1850 | Einführung der Armen Schulschwestern |
| 1861-63 | Errichtung des 1. Krankenhauses |
| 1863 | Errichtung des Marienbrunnens, Erneuerung der städtischen Wasserversorgung |
| 1874 | Anbindung an die Donautaleisenbahn, Gründung der Freiwilligen Feuerwehr |
| 1878 | Gründung des Kindergartens als "Kinderbewahranstalt" |
| 1890 | Abbruch des Ostflügels des Schlosskomplexes, erstes Landwirtschaftsfest, verbunden mit einer Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung, Tod von Franz Lachner am 20. Januar in München |
| 1903 | Bau des Wasserturms in neuklassizistischem Stil durch italienische Gastarbeiter |
| 1904 | Allerheiligenkapelle wird Depot des Museumsvereins |
| 1910 | Errichtung der Lourdesgrotte, Errichtung einer Zündholzfabrik |
| 1914 | Aufstellung des Tilly-Denkmals |
| 1917 | Anschluss Rains an die elektrische Stromversorgung und Errichtung einer elektrischen Straßenbeleuchtung |
| 1921 | Ansiedlung des ersten Industriebetriebes (Danubia, heute Firma Drossbach) |
| 1937 | Bau der evang.-luth. Kirche |
| 1945 | Rund 80 Tote im Rainer Winkel in den letzten Kriegswochen (darunter 17 Zivilisten am 2. April beim Beschuss eines Flüchtlingszuges im Bahnhof) |
| 1947 | Gründung der Firma Dehner & Co. durch Georg Weber und seine Frau Albertine, geb. Dehner |
| 1954 | Neubau des Krankenhauses in der Vinzenz-Lachner-Straße |
| 1956 | Fertigstellung des Lechkraftwerkes |
| 1956 | Ansiedlung des Werkes der Südzucker-AG |
| 1960 | Auffüllung der Gräben um das Schloss |
| 1967 | Vergrößerung des Krankenhauses |
| 1970 | Gründung der Staatlichen Realschule Rain |
| 1970 | Bezug der Verbandsschule an der Preußenallee, heute Johannes-Bayer-Grundschule |
| 1971 | Eröffnung des Hallenbades mit Sauna |
| 1972 | Umgliederung in den Landkreis Donau-Ries, erste Eingemeindungen (Gempfing, Oberpeiching, Sallach und Staudheim) |
| 1972 | Rains Bürgermeister ist erstmals hauptamtlich tätig |
| 1972 | Einzug der Realschule in das Schulzentrum |
| 1973 | Umzug der Hauptschule in das Schulzentrum |
| 1974 | Abschluss der Renovierung der Stadtpfarrkirche "St. Johannes der Täufer" |
| 1975 | Eingliederung von Bayerdilling, Etting, Wächtering und Wallerdorf |
| 1977 | Eingemeindung von Mittelstetten |
| 1978 | Eingemeindung von Unterpeiching und Bildung der Verwaltungsgemeinschaft |
| 1984 | Einweihung des Kath. Pfarrzentrums "St. Johannes der Täufer" in der Hauptstraße |
| 1985 | Fertigstellung der Dreifachturnhalle |
| 1986 | Neues mechanisch-biologisches Klärwerk |
| 1987/88 | Neubau von Gemeindezentrum und Kirche "St. Michael" der evang.-luth. Pfarrei |
| 1989 | Abschluss von Rathauserweiterung und sanierung |
| 1994 | Bezug des zweiten Kernstadt-Kindergartens (Bei der Klause) |
| 1995 | Beendigung des Krankenhausbetriebes und Umwandlung der Gebäude in ein Seniorenheim |
| 1999 | Abschluss der Hauptstraßensanierung; Kunstwerk "Zukunft wächst jetzt" |
| 2002 | Eröffnung des neuen "Dehner BlumenPark" |
| 2003 | Baubeginn für die Südostumgehung |
| 2005 | Fusion der Stadtsparkassen Neuburg und Rain |
| 2007 | 750-Jahr-Feier; Freigabe des 1. Abschnitts der Südostumgehung |
| 2008 | Freigabe des 2. Abschnitts der Südost-Umgehung |
| 2009 | Gartenschau "Natur in Rain 2009" (29. Mai 23. August) |
Information:
Die Kernstadt hatte in der Nachkriegszeit einen ungeheuren Einwohnerzuwachs zu verzeichnen, der sich chronologisch nicht darstellen lässt. Schwerpunkte der Baulanderschließung waren der Zeitraum von 1956 bis in die frühen 1970er Jahre nach der Ansiedlung der Zuckerfabrik und die Zeit von 1990 bis 1996, ausgelöst durch den Zuzug von Neubürgern aus den östlichen Bundesländern nach der Wiedervereinigung Deutschlands. 2009 hat die Stadt 8760 Einwohner, davon 6025 in der Kernstadt und 2735 in den Stadtteilen.

Die Rainer Altstadt
Dieses Bild stellt der Fotograf Adalbert Riehl zur kostenlosen Verwendung zur
Verfügung; Download der Bilddatei (Vollversion) durch Klicken auf diesen Text.
Der geschichtliche Rundgang durch die Altstadt beginnt in ihrem südöstlichen Winkel, im Burgviertel zu Füßen des Wasserturms; diese Ecke hängt eng mit der Gründungsgeschichte Rains zusammen. Beim "Karrer" (Hauptstr. 15) biegen wir in die Burggasse ein und stehen bald vor einem Stück rekonstruierter Stadtmauer mit Durchgang zum Ziegelmoos.

Gründung Rains und Burgviertel
Noch nach dem Zweiten Weltkrieg nannte der Volksmund diesen Winkel die "Burg", obwohl dort längst nichts mehr an eine Burg erinnert. Die "Alte Veste" wurde aus unbekanntem Grund zwischen 1310 und 1326 niedergelegt, nach relativ kurzer Lebensdauer also. Sie war nach 1250 entstanden, bald nach der um die Mitte des 13. Jahrhunderts erfolgten Gründung der Stadt Rain durch Herzog Otto II. den Erlauchten von Bayern. Das genaue Gründungsjahr Rains ist unbekannt.. Eine Urkunde des Zisterzienserinnenklosters Niederschönenfeld von 1257 erwähnt zum ersten Mal Rain als herzoglich-bayerische Stadt. Rain entstand durch die Verlagerung des am heutigen südöstlichen Stadtrand in Richtung Bayerdilling gelegenen Dorfes Brucklach. Otto II. siedelte die Einwohner von Brucklach etwas weiter nordwestlich an, auf einer dreieckigen Landzunge der bayerisch-schwäbischen Hochebene, deren Spitze nach Westen gerichtet ist. Die neue Siedlung Rain entstand unmittelbar als Stadt. Der Landesherr verlieh ihr das Marktrecht und sicherte sie mit einer Ringmauer, mit Toren und Türmen. Die stark befestigte Grenzstadt fungierte als äußerstes nordwestliches Bollwerk des Herzogtums Bayern im östlichen Winkel von Lech und Donau gegen das benachbarte Ausland westlich des Lechs.
Rain ist von Anfang an nicht nur ein wichtiger strategischer Ort zum Schutz des Lechübergangs in Verbindung mit einer Zollstation gewesen, sondern auch ein Verwaltungsmittelpunkt, insbesondere für die wittelsbachischen Besitzungen am unteren östlichen Lechrain, mit einem Kastenamt und später einem Pfleg- bzw. Landgericht. Amtssitz dieser Verwaltung einschließlich Rechtsprechung war die "Alte Veste", die "Burg" in der Südostecke der Altstadt, die allenfalls 75 Jahre hier stand. Heute finden wir an ihrer Stelle eine Ansammlung kleinerer und größerer Bürgerhäuser. Sie überragt der wuchtige Wasserturm, den italienische Gastarbeiter 1903 errichteten. Der kegelförmige, neuklassizistisch gestaltete Rundbau mit seinem ausladenden Aufsatz und seinem Zeltdach ist architektonischer Nachfolger des ehemaligen Feldhüterturms, den man 1901 wegen Baufälligkeit abgebrochen hat. Nichts erinnert mehr an das Knappenhaus, welches der Augsburger Handelsherr Karl Imhof 1594 in der "Burg" an der Stadtmauer erbauen ließ und wo er viele Meister und Knappen zur Tuchherstellung beschäftigte.
![]() |
Wasserturm und Bürgerhaus im Burgviertel |
Wegführung:
Ein schmaler Weg, die Ziegelmoospassage, führt durch die erneuerte Stadtmauer hinunter zum Georg-Weber-Park.
Georg-Weber-Park
Hier befand sich zunächst ab 1903 der Eisweiher der Brauerei Kohlberger, der sog. "Kohlberger-" oder "Öxler-Weiher", mit einer idyllischen Insel samt Blockhütte und Baumgruppe. Als Dank an die Stadt Rain für die 1980 verliehene Ehrenbürgerwürde stiftete Georg Weber, der Gründer der Gartencenterkette Dehner, den nach ihm benannten Park "Zur Freude aller", wie eine Inschrift am Bronzepferd besagt. Weber ließ die Anlage in den Jahren 1984 und 1985 anlässlich seines 75. Geburtstages erweitern. Die Bronzeplastiken bzw. -skulpturen schuf der 1927 in Landshut geborene Bildhauer Karl Reidel: den originellen Brunnen mit allem erdenklichen Getier, das im Ziegelmoos "kreucht und fleucht", sowie die liebenswerte Zweiergruppe von Pferd und Hund in lebendigem "stummem Zwiegespräch". Der von Prof. Karl Kagerer entworfene PavilIon stammt von der Internationalen Gartenbauausstellung München 1983.
![]() |
Georg-Weber-Park mit dem Pavillon der Internationalen Gartenbauausstellung München 1983 |
Wegführung:
Wir steigen wieder zur Altstadt, zur "Burg" und die Stufen zum Wasserturm hoch und biegen bei der Einmündung in den Grottenweg nach rechts zur früheren Ziegelschanze ab.
Ziegelschanze und Lourdesgrotte
Die Ziegelschanze war das südöstliche Bollwerk der alten Stadtbefestigung. In ihr hat im frühen 20. Jahrhundert der Rainer Maurermeister Andreas Frimmer eine fromme Stiftung verwirklicht. Der 47-jährige Handwerker gelobte nach einem Gehirnschlag auf dem Krankenbett, im Fall seiner Wiedergenesung eine Lourdesgrotte aus Tropfsteinen zu erbauen. Als Frimmer tatsächlich seine Gesundheit wiedererlangte, machte er sich mit seinen Söhnen Andreas und Alfons an die Verwirklichung seines Gelübdes. Die Kalksteine ließ der Stifter aus der Schwäbischen Alb, aus der Gegend von Blaubeuren, herbeischaffen. Finanzielle Unterstützung gewährten ihm Rainer Geschäftsleute, Handwerker und Landwirte. Nach zweijähriger Bauzeit konnte dann Stadtpfarrer Karl Rieger am 10. Juli 1910 die Lourdesgrotte einweihen. Ihre künstlerische Gestaltung ist im nazarenischen Stil gehalten. In einer hoch angebrachten Nische der Tropfsteinhöhle steht als zentrale Figur der ganzen Anlage die erhabene, jugendliche Gestalt Mariens, bekleidet mit einem hellblauen Gewand und einem weißen Mantel. Die Figur des Hirtenmädchens Bernadette auf dem Boden ist ein Ersatz für die 1984 gestohlene Originalskulptur aus der Erbauungszeit der Grotte. Das ehrwürdige Zeugnis alter Rainer Volksfrömmigkeit, von Buschwerk und Bäumen dicht umschlossen, gehört zu den idyllischsten Plätzen in der Altstadt. Noch heute werden in der Lourdesgrotte Maiandachten abgehalten. Das sonntägliche Rosenkranzgebet zur späten Nachmittagsstunde, das fromme Rainerinnen früher hier praktizierten, gehört allerdings der Vergangenheit an.

Wegführung:
Von der Grotte führt uns ein Abstecher in Richtung Münchner Straße zum Städtischen Friedhof.
Städtischer Friedhof
Der städtische Friedhof existiert seit ungefähr 1600 und diente ursprünglich als erster Pestfriedhof. Ein zweiter Pestfriedhof, der Sebastiansgottesacker, lag an der heutigen Donauwörther Straße, ungefähr in Höhe des Schulzentrums. Nach der Aufhebung des Friedhofs um die Stadtpfarrkirche rückte der erste Pestfriedhof 1803 zum offiziellen und einzigen Gottesacker der Stadt auf. Er musste nach dem Zweiten Weltkrieg zweimal erweitert werden. Das Friedhofsgotteshaus ist dem Pestpatron St. Rochus geweiht. Dokumente bezeugen, dass die Friedhofskirche 1632, im Dreißigjährigen Krieg, und 1704, im Spanischen Erbfolgekrieg, zerstört wurde. Der Neubau von 1730, im späteren 19. Jahrhundert zur Zeit des Historismus nur wenig verändert, präsentiert sich seit der Renovierung von 1992 als schmuckes Kirchlein mit beschaulicher Atmosphäre. Nachdem das Gotteshaus liturgisch für Jahrzehnte in einen Dornröschenschlaf gesunken war, finden in der Rochuskirche nun wieder Begräbnisgottesdienste statt.
Im ältesten Friedhofsteil stehen noch einige schöne Grabsteine im Jugendstil mit Inschriften zu Themen wie Tod, Grab und Ewigkeit als Zeugnisse ergreifender historischer Sterbefrömmigkeit. Der künstlerisch wertvollste Grabstein steht am Hauptgang des Kernareals, links hinter dem Eingang. Ihn schuf wohl kurz nach 1890 der aus Rain stammende, später in München ansässige klassizistische Bildhauer Johann Pollak (18431917) für seine Eltern. Das Grabmal zeigt einen trauernden, auf einem Sarkophag sitzenden Engel, der einen Palmzweig in der linken Hand hält. Im linken Bereich der Priester- und Klosterfrauengräber an der Umfassungsmauer zur Münchner Straße hin befinden sich unweit der Friedhofskirche die letzten Ruhestätten des aus Rain gebürtigen Pianisten Michael Raucheisen (18891984) und seiner Gattin, der Sängerin Maria Ivogün (18911987).
Grabmal
der Familie Pollak
Wegführung:
Wir kehren zurück in die Altstadt, entweder über die Münchner Straße, vorbei am Postgebäude aus dem Jahre 1931 beim Rainer "Stachus", oder, was Geschichts- und Naturfreunden zu empfehlen ist, wieder über die Grotte und den Grottenweg in nördlicher Richtung zur Hauptstraße.
Historische Stadtbefestigung: Bayertor
Hier in der Hauptstraße angekommen, markiert noch eine Straßenverengung die Stelle, an der einst das nach Altbayern hinausführende Bayertor stand. Das Bayertor war als gewaltige Torturmanlage Bestandteil der historischen Stadtbefestigung, die im früheren 15. Jahrhundert unter Herzog Ludwig VII. dem Gebarteten von Bayern-Ingolstadt und nach französischem Vorbild um 1620 unter Herzog Maximilian I. von Bayern ausgebaut und erweitert worden war. Knapp anderthalb Meter dick und gut achteinhalb Meter hoch war die Ringmauer. Über die Wehrmauer ragten zwölf verschieden geformte Türme in die Höhe. Nur mehr spärliche Überreste erinnern an die einstige strategische Bedeutung Rains. Im frühen 19. Jahrhundert wurde nämlich der größte Teil der Befestigungsanlagen niedergerissen.
Eine alte Zeichnung lässt erahnen, welch riesiger Komplex beispielsweise das Bayertorbollwerk gewesen ist. Es erstreckte sich östlich vom Gasthof Karrer bis hinaus zur Kreuzung bei der Post. Vom Bayertor führte eine Zugbrücke über den inneren, trockenen Stadtgraben zu einem zweiten Tor und von hier eine Brücke über den äußeren Graben, der in Kriegszeiten unter Wasser gesetzt wurde.
Die jüngste Hauptstraßensanierung bescherte dem langgestreckten Marktplatz eine Begrünung mit Spitzahornbäumchen und Blumentrögen. Nach deren Abschluss hat man im Sommer 2000 gegenüber dem Gasthof Karrer und vor der heutigen Eisdiele ein zeitgenössisches Kunstobjekt des Augsburgers Christof Rehm aufgestellt. Das Denkmal erinnert an die untergegangene Bayertoranlage und markiert die Linie ihrer stadteinwärts gekehrten Westfassade. Weiter östlich steht in der Grünanlage neben dem Bekleidungshaus der 1977 vom hiesigen Industriellen Max Drossbach gestiftete Bayertorbrunnen, der an der einstigen Ostfassade der Bayertoranlage errichtet wurde.
Christof Rehms Objekt mit dem Edelstahlbogen bildet ein modernes Pendant zum erhaltenen, allerdings rekonstruierten Schwabtor. An dem Kunstobjekt wird zum einen die topographisch-politische und historische Lage Rains zwischen Altbayern und Schwaben deutlich. Zum anderen symbolisiert das Objekt das Gestern und Morgen, die Tradition und den Fortschritt. Der grünende Ginkgobaum im Zentrum fungiert als Mittler zwischen dem groben Granit als Symbol erstarrter Vergangenheit und dem fein polierten Stahl als Zeichen dynamischer Zukunft. Der Ginkgobaum symbolisiert unbändige Lebenskraft und stellt das Heute zwischen grauer Dauer und glänzender Vision dar. In dem Gebilde ist zeitlich visionäre Dramaturgie erlebbar: das Heute zwischen Gestern und Morgen, zwischen Leben und Sterben, zwischen Tod und Ewigkeit.
Tharasgasse
Parallel zur Schloßstraße verläuft die Tharasgasse. Sie charakterisiert noch immer ihr mittelalterliches Erscheinungsbild als östlicher Schanzweg der einstigen Festung Rain. Hier kann man bis heute die ehemaligen Stadtgräben sehen. In ihnen liegen heute idyllische Privatgärten.
Die Schloßstraße führt vom Gasthof Karrer zum Schloss im Nordosten der Altstadt. Der Schloßstraße, früher Hofgasse geheißen, widerfuhr am 16. September 1649 ein fürchterliches Unglück. Von einem Blitz entzündet, flog einer der drei Rainer Pulvertürme, derjenige an der nahen Tharasgasse, in die Luft. Die Explosion verursachte eine Feuersbrunst, welche sämtliche insgesamt zwanzig Häuser der Hofgasse, darunter auch das 1505 gestiftete Paul Stemmersche Benefizium (heute Schloßstr. 5), zerstörte. Heute zeigt es sich uns als Haus mit Schweifgiebel und Bodenerker aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Die Vielzahl der Benefizien in der einst winzigen Stadt wirft ein helles Licht auf die rege und innige Volksfrömmigkeit im spätmittelalterlichen und barocken Rain. Vor 1618 hatte das kleine Städtchen Rain beispielsweise neun Geistliche, die sich von frommen Stiftungen des Bürgertums ernährten. Die Rainer hielten auch in der Reformation im Wesentlichen unbeirrt an ihrem altverwurzelten katholischen Glauben fest. Nur wenige reformatorisch gesinnte Bürger besuchten den lutherischen Gottesdienst im pfalz-neuburgischen Marxheim.
Den nördlichen Abschluss der Schloßstraße bildet das spätgotische Wittelsbacher-Schloss. Sicher gehört es nicht zu den großen Kulturgütern Bayerns, aber in seiner städtebaulichen Funktion ist es aus dem nordöstlichen Winkel der Altstadt nicht wegzudenken. Der Charakter des ursprünglichen Wasserschlosses ging verloren, als man 1960 die im Süden und Westen vorgelagerten Wassergräben auffüllte. Nach Norden und Osten war das Schloss durch die Stadtmauer sowie durch die weit vorgeschobene, trutzhafte Schlossbastei gesichert. Der einzige Zugang führte von Süden her über eine Zugbrücke. Die anfängliche Dreiflügelanlage des Schlosses gliederte sich in einen alten und in einen neuen Bau.

Das Alte Schloss entstand als Nachfolgebau der in der Südostecke der Stadt gelegenen ehemaligen Burg. Das damalige Schloss nahm den Ostflügel sowie den östlichen Teil des Südflügels ein. Darin gelegen war auch die Schlosskapelle, deren kostbarstes Ausstattungsstück eine französisch beeinflusste gotische Steinmadonna mit Jesuskind war. Das Alte Schloss stieß im nordöstlichen Winkel der Stadtmauer auf den mächtigen Wartturm, den späteren Hexenturm. An ihn erinnert eine Gedenktafel an der Außenwand der Stadtmauer, die auf dem heutigen Spielplatz des Kindergartens "Am Schloss" zu sehen ist.
Das Neue Schloss entstand ab 1421 unter Herzog Ludwig VII. dem Gebarteten von Bayern-Ingolstadt, zu dessen Teilfürstentum die Grenzfestung Rain damals gehörte. Es bestand aus zwei Baugliedern mit zinnengekrönten Giebeln, die sich westlich an den alten Teil anschlossen. Im linken dieser beiden Trakte befand sich der Große Saal. Nördlich an den linken Trakt waren bis zur Stadtmauer hin Wirtschaftsgebäude und Gesindewohnungen angebaut. Heute präsentiert sich das Schloss nur noch als dreigliedrige Einflügelanlage, deren Inneres sich im Vergleich zur Erbauungszeit wegen seiner unterschiedlichen Nutzung im Lauf der Jahrhunderte völlig verändert hat. Der Westtrakt ist ein hoher Giebelbau mit Erker und Zinnengiebel; der Mittelteil steht quer und besitzt ein rundbogiges Tor. Der ehemalige Ostkomplex, das Alte Schloss also, wurde mitsamt der Kapelle um 1890 wegen Baufälligkeit abgetragen, und wesentlich verkleinert in seiner jetzigen Form mit einem Zinnengiebel wiederaufgebaut. Auch der Wirtschafts- und Dienstbotenflügel im Westen besteht nicht mehr.
Selten wohnten im Rainer Schloss bayerische Herzöge oder Kurfürsten. Es war lediglich Herberge für die Landesherren und Hofadelige, die sich auf der Durchreise oder Jagd befanden. Das Schloss fungierte während des Mittelalters und der Barockzeit hauptsächlich als Amtssitz der Rainer Pfleger und Pflegsverwalter. Diese besorgten Verwaltung und Rechtsprechung für den Landesherrn. Darüber hinaus fällten sie etwa zur Zeit des Hexenwahns diverse Todesurteile. So wurden 1713 im rückwärts gelegenen Schlosshof die der Hexerei bezichtigten Geschwister Pölz aus Etting, die elfjährige Eva und ihre jüngere Schwester Maria, nach qualvoller Folter enthauptet und verbrannt.

Der Schlossgarten. Im Hintergrund links stand einst der Hexenturm
Während des Spanischen Erbfolgekriegs nutzte die österreichische Feindbesatzung das Schloss als Reiterkaserne. Im 18. Jahrhundert und bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts herein war es Amtssitz des Rainer Landrichters. Ab 1880, nach der schon 1862 in Bayern erfolgten Trennung von Verwaltung und Justiz, saß im Schloss der Amtsrichter und das bis zur Eingliederung des Amtsgerichts Rain in das Amtsgericht Neuburg im Jahre 1932.
Im Dritten Reich traf sich im Schloss der BDM (Bund Deutscher Mädchen). Nach 1945 lebten in dem Gebäude vorübergehend heimatvertriebene und andere Familien. Im Schloss waren von der Nachkriegszeit bis in die frühen siebziger Jahre Knaben- und Mädchenschulklassen untergebracht. Die Staatliche Realschule Rain nahm hier ihren Anfang. Heute beherbergt das Schloss verschiedene Vereine. 2008 erfolgte eine aufwändige Außenrenovierung, die das Gebäude wieder in seinem alten Glanz herstellte.
Das Schloss und seine nächste Umgebung fungierten vom frühen 19. Jahrhundert bis zu Beginn der 1970er Jahre als Rainer "Schulzentrum". 1807, fünf Jahre nach Einführung der Schulpflicht in Bayern, entstand westlich vom Schloss, unmittelbar an der Stadtmauer ein neues Schulhaus (Schulgasse 15). Im Erdgeschoss wohnte der Stadtschullehrer; die Mansardenwohnung im Dachgeschoss war für den Schulgehilfen bestimmt. Im ersten Obergeschoss lag der einzige Schulraum, in dem mindestens 100, manchmal sogar 150 bis 200 Kinder unterrichtet wurden. Bei derartigen Missständen war es kein Luxus, dass 1834 vor das alte Schulhaus ein Neubau gestellt wurde. Das neue Gebäude (Schulgasse 17) war 16 Jahre gemeinsame Schule der Rainer Jugend und ab 1850 die eigenständige Knabenvolksschule mit je einem Schulraum im Parterre und im Obergeschoss. Für einen dritten Schulsaal wurde 1909 ein weiteres Stockwerk errichtet. Das bisherige Schulhaus war fortan Lehrerwohnhaus. Bei einem Brand am 16. Oktober 2001 wurde dieses Gebäude von 1807 so schwer beschädigt, dass es abgebrochen werden musste. Die Stadt veräußerte dann an örtliche Investoren das abgebrannte Gebäude und die ehemalige Knabenvolksschule, die seit 1973 als Vereinsheim genutzt war. Der Ersatzneubau, 2006/2007 errichtet, und das zeitgleich renovierte Knabenschulhaus dienen seit Juli 2007 als Büroräume eines aufstrebenden örtlichen Unternehmens der Informationstechnologie.
1846/47 entstand südöstlich vor dem Schloss auf dem ehemaligen Anwesen des Webermeisters Trinkgeld die Mädchenvolksschule (Schloßstraße 14) samt Kloster und Hauskapelle für die Armen Schulschwestern, die bis zur Verlegung der Rainer Volksschulen an die Peripherie in den frühen 1970-er Jahren als Lehrerinnen hier wirkten. Zugleich betreuten sie Vorschulkinder in dem 1878 als "Kinderbewahranstalt" angebauten Nordflügel. Nach dem Auszug von Mädchenschule und Frauenkonvent wurde das Gebäude 1977/78 renoviert und umgebaut und dient heute ausschließlich als Altstadtkindergarten (Kindergarten "Am Schloss"). Durch die weitere Sanierung mit Dachgeschoss-Ausbau, abgeschlossen im November 2001, wurde der Kindergarten von vier auf fünf Gruppen vergrößert.
Wir machen noch einen Abstecher zum Modlmayerschen Benefizium (Schulgasse 11), einer Stiftung des Rainer Bierbrauers Marcellus Modlmayer aus dem Jahre 1698. Dieses jüngste aller Rainer Benefizien ist ein barocker Schweifgiebelbau mit Schwalbenschwanzaufsatz. Bis 1986 diente das Haus als Chorregentenwohnung; heute befindet es sich in Privatbesitz.
Wegführung:
Wir kehren entweder über die Schloßstraße oder von der ehemaligen Knabenschule nach Süden über die Baumanngasse zurück zur Hauptstraße.
Die Hauptstraße
Diese ist identisch mit dem von Ost nach West verlaufenden, langgestreckten Marktplatz. Die Hauptstraße fasziniert durch ihr einzigartiges denkmalgeschütztes Ensemble mit Bürgerhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Ausdehnung und Verlauf der einst zwischen dem Bayer- und Schwabtor gespannten Hauptstraße bezeugen die ursprüngliche Bedeutung dieser Achse als Durchgangs-, Handels- und Marktstraße.
Im Spätmittelalter war Rain der Kreuzungspunkt wichtiger Handelsstraßen. Östlich der Stadt verliefen Straßen aus München, Neuburg und Nürnberg. Die nördlichste dieser Verbindungen führte zur Donaubrücke und zur Zollstätte vor Marxheim. Die sich vor dem ehemaligen Bayertor vereinigenden Kreuzungsstraßen durchzogen gemeinsam die Stadt und verließen sie wieder durch das Schwabtor auf der anderen Stadtseite. Die Straße führte weiter über den Lech nach Donauwörth und zur oberen Donau.
Die Position Rains im Bayerischen Erbfolgekrieg von 1504
Rains politisches Verhalten im Bayerischen Erbfolgekrieg von 1504 brachte der Stadt schwerwiegende wirtschaftliche Nachteile. Der Stadt wurde das für sie wichtige Privileg der Salzniederlage genommen, weil sie etwas voreilig dem Pfalzgrafen Rupprecht huldigte und nicht seinem Gegner, dem schließlich siegreichen Herzog Albrecht IV. dem Weisen von Bayern. Durch veränderte Landesgrenzen wurde Rain zusätzlich handelspolitisch isoliert. Ab 1505 reichte nämlich bis nahe an die Stadt Rain das neugegründete Fürstentum Pfalz-Neuburg. Mit seinen Zollstationen bei Marxheim und Burgheim sperrte es die Stadt nach Norden und Osten ab. So verloren die Verkehrsstraße an der oberen Donau und damit Stapel-, Umgeld- und Marktrecht für Rain ihren früheren Wert. In dem Maße, wie es wirtschaftlich mit der Stadt bergab ging, stieg ihre zweifelhafte Bedeutung als militärisches Bollwerk, als bayerische Grenzfeste.
Die Hauptstraße
Bei einem Gang durch die Hauptstraße von Osten nach Westen werden die architektonisch und historisch bedeutendsten Häuser und Bauwerke sichtbar. Vor der Metzgerei Gastl (Nr. 21), einem 1987 rekonstruierten Wellengiebelhaus, das ursprünglich aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammte, steht der hübsche Marienbrunnen im historisierenden Stil mit neugotischen und neubarocken Zierformen.
![]() |
Das rekonstruierte Wellengiebelhaus der Metzgerei Gastl mit dem Marienbrunnen |
Der Brunnen wurde von der Nürnberger Firma Klett in Eisen gegossen und 1863 im Zuge einer neuen Wasserversorgung für die Stadt Rain zunächst vor dem seinerzeitigen Rentamt (Hauptstraße 50) aufgestellt. 1914 musste er dann dem Tilly-Denkmal weichen. Originelle Jugendstilfassaden, angelehnt an barocke Formen, schmücken die Häuser Nr. 20, 22 (Tilly-Apotheke) und 29. Im Vorgängerbau des heutigen Hauses Nr. 32 kam 1843 Johann Pollak zur Welt, der tüchtige klassizistische Bildhauer, Holzschnitzer und Maler. Pollak gelangte in München zu internationalem Ruhm. Er schuf Kunstwerke für Rom, Paris, Brüssel, London, Chicago und Indien. 1917 ist er unverheiratet in München gestorben.
Italienische Handwerker führten 1903 Maurerarbeiten an den Fassaden der drei oben genannten Häuser (Nr. 20, 22 und 29) aus. Beinahe fremdartig im Hauptstraßen-Ensemble mit seinen vielfach hochgiebligen Bauten wirkt das an einen italienischen Renaissance-Palazzo erinnernde Haus Nr. 29 aus dem 19. Jahrhundert. Behäbig-breit ist es mit seinem flachen Walmdach und seiner starken Betonung der horizontalen Linien in die Häuserzeile gestellt.

Originelle Jugendstil-Fassaden, Hauptstraße 20 und 22
Gasthaus "Zum Boarn"
Zu den geschichtsträchtigsten Bürgerhäusern gehört das barocke Gasthaus "Zum Boarn" (Nr. 26). Der frühere "Bayerwirt" unweit des ehemaligen Bayertors war das Pendant zum nicht mehr existierenden "Schwabenwirt" (Nr. 59) in der Nähe des Schwabtors. Schon 1695 ist der "Boarn" als Gastwirtschaft und Brauerei urkundlich gesichert. Gebraut wurde hier noch bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Große Teile der alten Gewölbekeller sind bis heute erhalten. Rains größter Sohn, der romantische Komponist und angesehene Münchener Generalmusikdirektor Franz Lachner (18031890), kehrte immer gerne in dieser Gaststätte ein, wenn er seine Geburtsstadt besuchte.

Ausleger des Gasthauses "Zum Boarn"
Vor den Häusern Nr. 36 und 38, in Höhe des 1984 eingeweihten Katholischen Pfarrzentrums St. Johannes der Täufer, stand bis zu ihrem Abbruch im frühen 19. Jahrhundert die Liebfrauenkapelle. Sie wurde im Zug der unseligen Säkularisation abgerissen. In dem gotischen Gotteshaus mit der klangschönen Orgel war um 1800 Anton Lachner, der Vater der großen Musikerbrüder Lachner, als Stadtorganist zum Spiel verpflichtet. Die Liebfrauenkapelle war eine Stiftung des hochbegüterten Rainer Bürgers Nikolaus Hayden aus dem Jahre 1421. Von ihr aus führte ein unterirdischer Gang ins Rathaus. Die Altstadt war überhaupt von einem engmaschigen Netz subterraner Gänge, meist zu Fluchtzwecken in Kriegszeiten, durchzogen.
Das Haus Nr. 42 ging als Geburtsstätte des romantischen Künstlers Ernst Kaiser (18031865) in die Geschichte ein. Kaiser wirkte in München als erfolgreicher Landschaftsmaler. Er hat vor allem oberbayerische und österreichische Gebirgslandschaften festgehalten und bewundernswerte Pflanzen-Zeichenstudien geschaffen, die in der Staatlichen Graphischen Sammlung zu München aufbewahrt werden. Der Kunsthandel bietet seine Bilder heute zu recht hohen Preisen an.
Zu den ältesten Häusern der Hauptstraße gehört die jetzige Landespolizeiinspektion (Nr. 50). Der stattliche, anfangs zweigeschossige Bau stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert wurde das Haus um ein weiteres Stockwerk erhöht. Schmuckstücke dieses Gebäudes sind die vier prächtigen, neubarocken Fenstergitter aus Schmiedeeisen im Erdgeschoss. Das Haus beherbergte von 1830 bis zu seiner Aufhebung am 1. Januar 1929 das Rainer Rentamt, das ab 1919 "Finanzamt" genannt wurde.
Das Landespolizeigebäude wirkt wie eine Kulisse zu dem davor stehenden Tilly-Denkmal. Zusammen mit dem Rathaus und der Stadtapotheke bildet dieses Denkmal ein klassisches Photomotiv.
Tilly-Denkmal
Das Tilly-Denkmal wurde zum Gedenken an den Feldherrn Tilly am Ort seiner entscheidenden militärischen Niederlage mit Genehmigung des bayerischen Innenministeriums von der Marianischen Bürgerkongregation Augsburg auf dem hiesigen Marktplatz aufgestellt und vom Augsburger Bischof Maximilian von Lingg zwei Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Rahmen eines Festes vom 18. bis zum 20. Juli 1914 eingeweiht. Sonderzüge aus allen Himmelsrichtungen brachten damals zahllose Festteilnehmer in die Stadt. Vorsichtigen Schätzungen zufolge sollen es 15 000 gewesen sein.
Die überlebensgroße idealisierte eherne Feldherrngestalt Tillys ist auf einem hohen Sockel aus Jurakalkstein postiert. Der Feldherr wurde am 15. April 1632, während des Dreißigjährigen Krieges, bei der Verteidigung des östlichen Lechufers südlich von Oberpeiching schwer verwundet. Dort kämpfte er mit seinem kaiserlich-katholischen Heer gegen die protestantischen Truppen unter Führung des schwedischen Königs Gustav Adolf und unterlag diesen schließlich. Tilly ist mit einem faltigen Reitermantel, mit wallendem Federhut und spornbewehrten Stulp-Reiterstiefeln sowie mit einem Marschallstab und einer Landkarte Südbayerns in der rechten beziehungsweise linken Hand dargestellt.
Gegossen hat diese Figur der Münchener Metallbildhauer Hygin Kiene nach einem Entwurf und Modell des Münchener Bildhauers Anton Kaindl, dessen Vorfahren im Rainer Stadtteil Wächtering anässig waren. Kaindl wurde bekannt als Schöpfer des Schmied-von-Kochel-Denkmals in Kochel am See und des Monuments für König Ludwig II. von Bayern in Kolbermoor.
![]() |
Das Tillydenkmal auf dem Rathausplatz |
Die rechteckige Bronzetafel an der Südwand des Postaments huldigt dem begeisterten Marienverehrer: Tilly verharrt in andächtiger Haltung vor der Altöttinger Gnadenkapelle und der über den Wolken thronenden Himmelskönigin. Das ovale Bronzerelief an der Westseite des Sockels zeigt den Kurfürsten Maximilian I. von Bayern, Tillys Freund und Mitstreiter für die katholisch-kaiserliche Sache. Das länglich-runde Bronzerelief an der Ostwand repräsentiert den letzten bayerischen König Ludwig III., während dessen Regierungszeit das Tilly-Denkmal aufgestellt wurde. Die Nordseite des Postaments trägt eine Widmungstafel aus Bronze mit der Inschrift: "Dem Andenken Tillys von der Marianischen Bürgerkongregation Augsburg errichtet Rain 1914."
In westlicher Nachbarschaft zum Tilly-Denkmal steht das graziöse Rokoko-Rathaus. Zwischen 1759 und 1762 wurde es an Stelle der Neuen Schranne erbaut und ersetzte das spätgotische Rathaus von 1367, das einst frei vor der heutigen Landespolizeiinspektion und dem heutigen Gasthof Lutz (Nr. 50 und 52) stand. Im Erdgeschoss des mittelalterlichen Rathauses gab es eine Brot- und Fleischbank, vier Mietsläden und ein Gefängnis für geringere Vergehen, das sog. "Narrenhäusl". In den oberen Stockwerken befanden sich unter anderem der Ratssaal, der Tanzsaal und die Rüstkammer. Das alte Rathaus wurde im Dreißigjährigen Krieg, im Spanischen und Österreichischen Erbfolgekrieg so stark beschädigt, dass 1749 ein Teil des ruinösen Gebäudes einstürzte. 1750 wurde dann der Rest niedergerissen.
Das neue Rathaus besteht aus drei Gebäudeteilen. Sein Kernbau, der Osttrakt, wendet seine schmucke Rokokofassade mit dem reich gegliederten Ziergiebel dem Marktplatz zu. An dem in ein Giebeltürmchen auslaufenden Mittelrisalit sind im zweiten Obergeschoss das Rainer Stadtwappen und eine Uhr angebracht.

Der jetzige Mittelteil des Rathauses ist unter dem Namen "Altherr-Haus" bekannt. Das Haus gehörte nämlich im 19. Jahrhundert zeitweilig der Wachszieher- und Lebzelterfamilie Altherr. Seit 1880 ist es Eigentum der Stadt. Es gilt als eines der drei repräsentativen, patrizisch anmutenden Frühbarockhäuser der Altstadt. Die beiden anderen Häuser befinden sich in der Hauptstr. 71 und der Spitalgasse 1. Das um 1600 errichtete Altherr-Haus ist ein stattlicher dreigeschossiger Giebelbau mit Bodenerker und Zinnengiebel. Die rundbogige Nische zwischen dem ersten und zweiten Obergeschoss bewahrt eine bemalte Holzskulptur der gekrönten Gottesmutter aus dem 17. Jahrhundert auf.
Im Vorgängerbau des Altherr-Hauses kam der Naturwissenschaftler und Humanist Georg Tannstetter (14821535) zur Welt. Humanistischem Brauch gemäß legte er sich einen lateinischen Namen zu: Er nannte sich "Collimitius". Das bedeutet so viel wie "der Rainer" oder "der aus Rain Stammende". Der vielseitige Renaissancegelehrte machte sich in Wien als Mathematiker, Astronom, Astrologe und Mediziner einen Namen. Er brachte es bis zum angesehenen Leibarzt Kaiser Maximilians I. und König Ferdinands I. An die Geburtsstätte des 1535 in Innsbruck verstorbenen Humanisten erinnert seit 1988 am Altherr-Haus eine Gedenktafel mit einem Brustporträtrelief Tannstetters. Der Augsburger Bildhauer Christian Angerbauer schuf es aus Stein. Vorbild war ein Gemälde des Memminger Malers Bernhard Strigel aus dem früheren 16. Jahrhundert, das Eigentum der Fürstlich-Liechtensteinischen Kunstsammlungen in Vaduz ist. Die Inschrift meißelte der Rainer Steinmetzmeister Karl Faig.
Westlich und nördlich vom Altherr-Haus entstand 1985 bis 1987 an Stelle von vier Privathäusern ein historisierender Erweiterungsbau für das Rathaus. Nach Gründung der Verwaltungsgemeinschaft Rain im Jahre 1978, die gegenwärtig für etwa 13 200 Bürger zuständig ist, wurden neue Büroräume benötigt. Im Rathaus sind zudem das Stadtarchiv und die Stadtbücherei untergebracht.
Wegführung:
Durch den Engpass zwischen den Häusern Hauptstr. 63 und 65 betreten wir das "Obere Eck".
Oberes Eck mit Heimatmuseum
Der Altstadtgrundriss zeigt, wie stark dieses Viertel nach Südwesten ausbuchtet. Aus der Vogelperspektive ähnelt der Grundriss der Rainer Altstadt dem Profil eines Vogelkopfes; das Obere Eck ist sein abgerundeter Schnabel. Das freistehende historische Gebäude (Oberes Eck Nr. 3), der ehemalige Salzstadel bzw. das einstige Feuerlöschgerätehaus, dient seit 1988 als Städtisches Heimatmuseum. Die zahlreichen interessanten und meist wertvollen Exponate hat der 1904 gegründete Lokalmuseumsverein im Verlauf des 20. Jahrhunderts gesammelt.
Das Rainer Heimatmuseum vermittelt seinem Besucher einen anschaulichen Überblick über den Alltag der Rainer Bürger und Bauern, über ihr Berufs- und Privatleben und über ihre Frömmigkeit in alter Zeit. Zu sehen gibt es barocke Klosterarbeiten, liturgische Gewänder und Gefäße sowie früheren Kirchenschmuck. Dargestellt sind zum Beispiel Geburt und Tod St. Johannes des Täufers, dem die Stadtpfarrkirche gewidmet ist. Im Heimatmuseum werden diese beiden Szenen ausgestellt. Sie entstammen dem neugotischen Farbglasfensterzyklus im Chor der hiesigen Stadtpfarrkirche, die in der Lauinger Werkstatt des Bernhard Mittermaier geschaffen und um 1880 eingesetzt, aber 1972 wieder entfernt wurden. Das Museum demonstriert zudem Rains geschichtliche Funktion als bayerische Grenzfestung sowie das historische Kriegshandwerk. Hauptattraktion ist das große Zinnfiguren-Diorama "Die Schlacht bei Rain am 14./15. April 1632", eine Leihgabe von Dr. Franz Weber (München).


In unmittelbarer Nachbarschaft zum Salzstadel existierten noch der Weinstadel und die Alte Kornschranne. Diese standen an Stelle der beiden jüngeren, rechtwinklig aneinander gebauten Lagertrakte, die heute unter der Hausnummer 2 zusammengefasst sind. In dem Haus Nr. 9 mit seinem hübschen Volutenschweifgiebel in imitiertem Rokokostil lässt sich seit Mitte des 18. Jahrhunderts eine ununterbrochene Kette von Gärtnereien nachweisen. Dieses Gebäude schließt das Obere Eck gleich einer effektvollen Theaterkulisse nach Westen ab.
Markt- und Stadtrechte sowie Zollprivilegien
Hier an einer der früheren Marktstätten Rains stellen wir uns nun die Frage: Wovon hat Rain oder wovon haben die Rainer früher gelebt?
Damals waren die Bürger Handeltreibende, Handwerker und Ackerbürger. Von Anfang an mit dem Marktprivileg ausgestattet, durfte die Stadt vier Jahrmärkte, wöchentliche Spezialmärkte wie Korn-, Salz- und Weinhandel sowie regelmäßige Lebensmittelwochenmärkte abhalten. Seit dem 14. Jahrhundert besaß Rain außerdem das Stapelrecht auf Salz, Wein und andere Kaufmannsgüter. Wenn ein durchziehender Händler nichts verkaufen wollte, so musste er mindestens einmal in der Stadt übernachten. Mit dieser Regelung nahm die Stadt verschiedene Gebühren ein, und die Rainer Wirte, Handwerker und Fuhrleute verdienten zusätzlich am Aufenthalt der passierenden Kaufmannszüge. Rain hatte zudem verschiedene Zollprivilegien. Seit 1404 musste alles Salz und Korn, das auf der Donau verschifft wurde, in Rain verzollt werden.
Von den Handwerkszünften waren die Tuchmacher, Färber und Weber, vor allem aber die Gastwirte und Bierbrauer die bedeutendsten. Zu dieser Zeit gab es siebzehn Kleinbrauereien in der winzigen Stadt. Weil die Rainer ihren im Überfluss produzierten Gerstensaft jedoch nicht alleine konsumieren konnten, "exportierten" die Brauer ihr Bier besonders in die freie Reichsstadt Augsburg. Seine wirtschaftliche Blütezeit erlebte Rain unbestritten im späten Mittelalter, im 14. und 15. Jahrhundert.
Vom Oberen Eck treten wir hinaus in den Schwabtorwinkel. Zur Linken fesselt unseren Blick das Haus Hauptstraße Nr. 71, das zweite der drei vornehmen Privathäuser in der Altstadt aus der Zeit um 1600. Die Spätrenaissancefassade dieses früheren "Rotgerberanwesens beim Schwabgerber", wie das Haus in alten Aufzeichnungen heißt, zieren ein Treppengiebel, kräftige Lisenen und verkröpfte Gesimse; die Giebelstufen sind halbkreisförmig bekrönt. Über den Erdgeschossfenstern des Bodeneckerkers sind in den Kielbogennischen zwei Wappen zu sehen: eines mit Sparren von links unten nach rechts oben und je einer Rose in den Zwickeln des Feldes, das andere mit zwei nach rechts springenden Hunden und Helmzier. Es sind die Wappen der einst hier ansässigen Familien von Furttner und von Ilten, die auch als Pfleger eingesetzt waren.
Das Schwabtor am westlichen Ausgang der Altstadt führte hinaus an den Lech und hinüber nach Schwaben. Es war wie das Bayertor durch ein massives Fallgitter gesichert. Auch war ihm – gleich dem Bayertor – eine abwehrkräftige Bastion mit zwei Brücken und einem starken runden Turm dazwischen vorgelagert. Vor dem Schwabtor stand seit ungefähr 1620 die "Blinde Schanze", ein an der Friedberger Ach errichteter "Halber Mond", dem südlich eine spitzwinklige Brustwehr folgte. Auf der Südseite, im eingehenden Winkel der Stadtmauer, befand sich ein kleines gemauertes Bollwerk, die "Major"- oder "Windmühlschanze". Außerhalb des breiten Wassergrabens vor der städtischen Heiliggeistmühle bis zur Ziegelbastei war eine Brustwehr postiert. Bis 1808 existierte vor dem Schwabtor die Richtstätte mit dem Galgen. Sie ist ebenso verschwunden wie der aus dem Jahr 1417 stammende gotische Schwabtorturm. Dieser wurde 1973 rekonstruiert. Im Zuge des Verkehrsausbaus wurde eine zweite Durchfahrt geschaffen, deren rechteckige Form, zum Teil in unhistorischer Betonausführung, also in krassem Gegensatz zur spitzbogigen Klinkerarchitektur des Torturms, gebildet wurde. Mangelnde Symmetrie und fehlende Ästhetik charakterisieren seitdem das "moderne" Rainer Schwabtor in unrühmlichem Sinn.
Im Mittelalter hielten Vogt und Geschworene lange Zeit unter dem Schwabtor ihre öffentlichen Gerichtstage ab. An seiner Innenseite sehen wir über dem Spitzbogen die Nachbildung eines ursprünglich steinernen bärtigen Männerkopfes mit der Inschrift "Sich auf" ("Sieh auf"). Die Darstellung wollte vermutlich den Hinausziehenden daran erinnern, dass er die bayerischen Lande verließ, und ihn zugleich zur Vorsicht mahnen, dass er sich im Ausland vorsah gegen Widerwärtiges, verursacht durch eigene Schuld oder durch fremde Gewalttätigkeit.
![]() |
Das rekonstruierte Schwabtor am westlichen Ausgang der Altstadt |
Spitalstadel
Östlich an das Schwabtor grenzt der Spitalstadel von 1468 an. Er gehört zum vierteiligen Spitalkomplex, der fast die ganze nördliche Häuserzeile der Spitalgasse ausmacht. Das Bürgerspital zum Hl. Geist (Spitalgasse 10) wird erstmals im Jahre 1462 erwähnt. Als wohltätige Stiftung des Rainer Bürgertums bot es seit dem späten Mittelalter armen und alten Leuten eine Heimat. Der 1468 errichtete Bau beherbergt nach seiner 1995 beendeten Sanierung und Renovierung ein Gesundheitszentrum und Sozialwohnungen.
Die ursprünglich spätgotische Spitalkirche "Zur hl. Dreifaltigkeit" mit Satteldach und Dachreiter, 1468 bis 1471 entstanden, erlebte 1718 einen barocken Umbau. Vor der Innenrenovierung im Jahr 1995 wurden unter mehreren Farbschichten spätgotische Fresken entdeckt, die sich zwar nicht freilegen lassen, aber beweisen, dass die Erneuerung von 1718 unter Verwendung der alten Außenmauern erfolgte. Der barocke Bau ist weitgehend unverändert erhalten geblieben und beglückt durch sein stilistisch einheitliches, harmonisches Inneres. Die flache Decke des saalähnlichen Gotteshauses ziert naturalistischer Rahmenstuck aus Profilleisten mit Akanthus, Blumen und Früchten. Die drei Altäre, vermutlich von 1719, stehen an der Ostwand nebeneinander. Der Hauptaltar in der Mitte, eine Stiftung des Rainer Ratsherrn Johann Georg Baumann und seiner Frau Regina, ist als viersäuliger Aufbau gestaltet. In der Nische thront die göttliche Dreifaltigkeit auf Wolken. Den Altar flankieren St. Ulrich und St. Benno; den Auszug krönt eine Statuette der hl. Regina, der Namenspatronin der Mitstifterin. Die beiden Seitenaltäre, Maria und Joseph geweiht, entsprechen in wenig vereinfachter Form dem Hauptaltar und wirken wie dieser merkwürdig antiquiert: Sie halten sich vielfach noch an den Formenschatz des 17. Jahrhunderts. Die Stuhlwangen mit geschnitztem Akanthus und gedrehten Pilastern stammen aus der Erbauungszeit des barocken Gotteshauses.
An der Außenwand befindet sich über dem Eingang ein spätgotischer Gedenkstein. Die 1471 entstandene Inschrift in gotischen Minuskeln erinnert an das Jahr 1417, als Ludwig der Gebartete Rains Festungsanlagen ausbauen ließ. Das Relief zeigt das herzogliche Wappen und die Jungfrau mit dem Raben des hl. Oswald. Inschrifttafel und Relief hatten ursprünglich sicher einen anderen Platz in der Stadt.
An die Spitalkirche schließt nach Osten als letztes Glied des Spitalkomplexes der um 1790 neu gebaute Spitalpfarrhof, auch Predigerbenefizium genannt (Nr. 6), an. Bis 1969 wohnten hier die seit 1511 nachweisbaren Rainer Stadtprediger.
Schräg gegenüber steht die repräsentative Stadtapotheke (Spitalgasse 1), das dritte stattliche Wohngebäude in der Altstadt im Stil des Übergangs von der Renaissance zum Barock. "Haus am Schrannenplatz" hieß es zuerst. Seit 1857 war es die "Landgerichtsapotheke", seit 1931 ist es die "Stadtapotheke". Von 1828 an lässt sich in dem Haus eine lückenlose Reihe von Apothekern nachweisen. Zuvor diente es als Gästehaus für das Rainer Schloss und als Wohnung für den Pfleger bzw. Landrichter. Bis zu 1,30 m dick sind die Feldsteinmauern im Erdgeschoss. Die vornehme Fassade läuft in einen geschweiften Giebel mit zierlicher Pilastergliederung aus. Möglicherweise wurden die beiden runden Eckerker erst später angebaut.

Wegführung
Der Stadtrundgang führt weiter über die Nordachse der Altstadt in die Brachetstraße.
Die Spitalgasse setzt sich in östlicher Richtung in der Brachetstraße mit ihrem teilweise noch kleinbürgerlich geprägten Architekturbild fort. Am ausspringenden Winkel der Brachetstraße, zwischen den Häusern Nr. 18 und Nr. 16, führt eine schmale Passage durch die Stadtmauer zur ehemaligen Leutnantschanze, die bis heute gut erhalten ist. Die Brachetstraße mündet in die Pfarrstraße. Damit stehen wir schon am Kirchplatz, dem religiösen und kulturellen Mittelpunkt der Altstadt. Bis ins frühe 19. Jahrhundert war es ein typischer Kirchhof alter Prägung mit zahlreichen Grabstätten rund um die Stadtpfarrkirche. 1803 hob ein aufklärerischer Erlass des bayerischen Kurfürsten Max IV. Joseph den Rainer Altstadtfriedhof aus hygienischen Gründen auf.
Am Rainer Kirchplatz kamen neun Berufsmusiker zur Welt. Das Haus Nr. 2, im südöstlichen Winkel, ist das Huber-Haus, die fast unverändert erhaltene Geburtsstätte des spätromantischen Kirchenkomponisten Heinrich Huber (18791916) und seiner Schwester Rosa, einer in Rain tätigen Musiklehrerin. Der sehr früh an offener Tuberkulose verstorbene Lehrerssohn Heinrich Huber wirkte als städtischer Chorregent und Musikmeister in Schongau. Er schrieb fast ausschließlich geistlich-katholische Chormusik in unterschiedlichen Besetzungen: Messen, Requiems, "Pange-Iingua"- und "Libera"-Vertonungen, Predigtgesänge, Offertorien und deutsche sakrale Chorlieder. In ihnen verschmilzt Huber cäcilianisch-strengen Kirchenstil mit Kompositionselementen seines Vorbildes Richard Wagner. Einige Werke Hubers sind bis heute aufgelegt, darunter seine bekannteste und reifste Schöpfung, die Messe "Salve Regina Pacis" op. 25.
Die ehemalige Lateinschule
Schon 1494 ist die Rainer Lateinschule, das Haus am Kirchplatz Nr. 4, bezeugt. Die erste Erwähnung eines Schulmeisters ist aber bereits von 1398 datiert. In der Lateinschule bereitete der Schulmeister bis zur Einführung der Schulpflicht 1802 seine Zöglinge, gewöhnlich Söhne begüterter Rainer Bürger, auf das Gymnasium vor. Töchter kamen in alter Zeit fürs Studieren nicht in Frage. Der Besuch der Lateinschule war zum einen nicht kostenlos; zum anderen mussten die Buben auch noch Holzgeld zum Beheizen des Schulzimmers mitbringen.
Alle aus Rain zwischen 1500 und 1800 hervorgegangenen großen Geister waren Eleven dieser Lateinschule. Zu nennen sind der in Nürnberg wirkende Musikverleger Hans Ott (um 15001546), der lngolstädter Juraprofessor Caspar Lagus (15261606), der Jesuit Georg Mayr (15641623), ein angesehener Erforscher der alten Sprachen, der Augsburger Ratsanwalt und Laienastronom Johannes Bayer (15721625), Schöpfer des bis heute berühmten Sternatlasses "Uranometria", der Ingolstädter Medizinprofessor Johann Michael Hertel (vor 16301711), der Benediktinerpater Willibald Popp (16531735), seines Zeichens Abt des Reichsstiftes St. Ulrich und Afra in Augsburg, ferner der Theologe und Naturwissenschaftler Joseph Weber (17531831) sowie der Jurist und Augsburger Bürgermeister Anton Nikolaus Carron du Val (17931846), der Mitbegründer der Eisenbahnlinie Augsburg-München.
Die Allerheiligenkapelle mit Karner
Dass die Allerheiligenkapelle von 1471 (Kirchplatz Nr. 5) mit ihren charakteristischen Strebepfeilern samt Pultdach und schlankem Turm heute noch steht, verdankt sie dem Rainer Stadtpfarrer Bartholomäus Kerscher ( 1829). Dieser kaufte 1813 das säkularisierte Gotteshaus und schenkte es später testamentarisch der Stadt Rain mit der Auflage, dass sie es nie wieder verkaufen oder gar abbrechen dürfe. 1830 ging es schließlich in städtischen Besitz über. Ab 1904 diente die ehemalige Kirche dem Rainer Lokalmuseumsverein als Heimatmuseum. Wegen Platzmangels wich dieses fragwürdige Provisorium dem neuen Heimatmuseum im Oberen Eck, das 1988 eröffnet wurde.
Die einstige Allerheiligenkapelle ist ein einschiffiger, nach Osten und Westen dreiseitig geschlossener spätgotischer Bau. Eine steinerne Bauinschrift außen an der Südwestecke besagt, dass mit dem Bau am Montag nach dem Fronleichnamstag 1471 begonnen wurde. Seine im ausgehenden 17. Jahrhundert erneuerte, flache Decke ziert hochbarocker Stuck aus Rahmen, Muscheln und leichtem Akanthus; in der Mitte des Feldes prangt das Jesusmonogramm.
Das Schmuckstück des Innenraums ist der hochbarocke Altar mit seinem wuchtigen Aufbau, dessen sechs Säulen korinthische Kapitelle tragen. Der zwischen 1699 und 1701 gefertigte Altar stand anfangs in der zweiten Rochuskirche auf dem Friedhof südöstlich vor der Ziegelschanze und wurde wenig später, bald nach Ausbruch des Spanischen Erbfolgekriegs, aus Sicherheitsgründen in die Allerheiligenkapelle innerhalb der Stadtmauer transferiert. Der Altar ist eine Stiftung des Rainer Magistratsrats und späteren Rainer Bürgermeisters Ulrich Hirschhalmer und seiner Gattin Sabina. Hirschhalmer, von Beruf Maler, ist vermutlich auch der Schöpfer des in Öl auf Leinwand gemalten Altarblatts. Es zeigt das relativ seltene hoch- und spätbarocke Andachtsmotiv der "Sieben Zufluchten": oben die Dreifaltigkeit, im mittleren Teil den gekreuzigten Christus, die Eucharistie und die Gottesmutter Maria, darunter Engel und Heilige, ganz unten die Armen Seelen. Über dem Hauptbild ist der Pestpatron St. Rochus in Pilgertracht mit Pestwundmal und Hund samt Brotstück dargestellt, unterhalb der Zufluchten St. Johannes Nepomuk, seitlich des Hauptbildes die Schnitzgruppen des hl. Josef mit Jesuskind und der Mutter Anna mit ihrer kleinen Tochter Maria, darunter die Bildnisse Maria vom Trost und des hl. Nikolaus von Tolentino.

Gruft und Karner im Tiefgeschoss der Allerheiligenkapelle weisen auf ihre frühere Bestimmung als Friedhofskirche hin. Um neue Begräbnisplätze im räumlich sehr beschränkten Stadtpfarrkirchhof zu schaffen, wurden immer wieder Gebeine ausgegraben und in den Karner der Allerheiligenkapelle gebracht. Die zum Teil beschrifteten Schädel stammen überwiegend aus dem 17. Jahrhundert. Die Gruftkapelle des aufgehobenen Gotteshauses, ein tonnengewölbter Raum mit Stichkappen, präsentiert sich heute völlig schmucklos.
In unserer Zeit untersuchte ein Team um Prof. Dr. Andreas Nerlich vom Pathologischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München die Schädel und Gebeine von über 2500 bestatteten Personen aus der Rainer Allerheiligenkapelle. Den Kontakt zu Professor Dr. Andreas Nerlich konnte der Freundeskreis Alt Rain e. V. durch eine glückliche Fügung herstellen. Zur Sanierung des Karners mussten die Gebeine vorübergehend entnommen werden. Sie stellen ein ungemein wertvolles Archivmaterial aus unserer Region über den erforschten Zeitraum vom 15. bis zum beginnenden 19. Jahrhundert dar. Durch die große Zahl gut erhaltener Knochen konnte das Team an etwa zwei Dritteln der gesamten Rainer Bevölkerung aus rund vier Jahrhunderten forschen. So ergab sich für die Wissenschaftler ein relativ geschlossenes Bild mit interessanten Ergebnissen, welche das bisherige Wissen zum Teil auf den Kopf stellten. Abgesehen von Rückschlüssen auf Umfeld und Lebensgewohnheiten unserer Vorfahren brachten die Untersuchungen an den Gebeinen aus der Rainer Allerheiligenkapelle folgende neue Erkenntnisse: Erstmals konnte die Existenz von Malaria in Süddeutschland bestätigt werden. Nach dem traditionellen Wissensstand waren Leprakranke noch zu Lebzeiten für tot erklärt, aus dem Gemeinschaftsleben verbannt und später auf eigenen, isolierten Friedhöfen beigesetzt worden. Erstmalig und bislang einzig in Rain ließ sich die Bestattung von Leprakranken auf dem normalen Friedhof bzw. Kirchhof, also innerhalb der Stadtmauern, nachweisen.
Lachner-Geburtshaus und heutiges Lachner-Museum
In dem Häuschen Nr. 7 am Kirchplatz, der früheren städtischen Organistenwohnung und der Geburtsstätte der sechs romantischen Musikergeschwister Lachner, hat die Stadt Rain 1989 ein Lachner-Museum eröffnet. Das Lachner-Haus ist ein bedeutendes deutsches Kulturdenkmal hat es doch seit dem frühen 19. Jahrhundert außen wie innen so gut wie keine Veränderungen erfahren. Der berühmteste Spross der Musikerfamilie Lachner, Franz (18031890), wirkte nach Kapellmeisterjahren in Wien und Mannheim fast 32 Jahre als königlich-bayerischer Hofkapellmeister in München. Ignaz (18071895) bekleidete Kapellmeisterposten in Wien, Stuttgart, München, Hamburg, Stockholm und Frankfurt am Main, während Vinzenz (18111893) beinahe 37 Jahre als großherzoglich-badischer Hofkapellmeister in Mannheim tätig war. Die drei Brüder gehörten zu den konservativen, klassizistischen Vertretern des romantischen Musiklebens. Als Dirigenten und Komponisten bewahrten sie das klassische Wiener Erbe. Franz und Ignaz hatten in Wien zum Schubertschen Freundeskreis gehört. Die konservativen Lachners standen im Gegensatz zur "Neudeutschen Schule", vor allem zu Richard Wagner und seinen Anhängern.
Im Lachner-Haus sind außerdem der Stiefbruder Theodor (17951877), Organist an der Damenstifts- und Peterskirche in München, sowie die Schwestern Thekla (18011869), Organistin an St. Georg und St. Maximilian zu Augsburg, und Christina (18051858), Organistin an der Rainer Stadtpfarrkirche, geboren. Erschütternd sind die bitterarmen, bedrängten sozialen Verhältnisse, in denen die Lachners aufwuchsen. In den vier kleinen Räumen im Organistenhaus lebten achtzehn Personen: die Eltern und sechzehn Kinder.
Außergewöhnlich und einmalig war der Musikunterricht, den der pädagogisch geschickte Vater seinen Sprösslingen gab. Weil man sich kein Klavier leisten konnte, malte er auf die Holzbank der Wohnstube in vielfacher Ausführung die Klaviatur. Auf niederen Schemeln sitzend, übten die Kinder gleichzeitig stumm nach Vorlagen, die ihnen der Vater auf Schiefertäfelchen geschrieben hatte. Durch das lautlose Üben störte keines das andere. Am Wochenende durften die Kinder dann an der Kirchenorgel proben.
![]() |
Die Musikerbrüder Vinzenz, Franz und Ignaz Lachner (von links) im Jahre 1883 |
Das Gebrüder-Lachner-Museum zeigt Exponate Originale und Kopien zu Leben und Wirken der Lachners. Eine wertvolle Bereicherung erfuhr das Museum durch die Stiftung des originalen künstlerischen Nachlasses von Vinzenz Lachner sowie von Originaldokumenten bezüglich Ignaz Lachner durch die Urenkel der beiden Komponisten, die in Costa Rica (Mittelamerika) und in Norddeutschland leben. Die frühere Wohnstube im Parterre behandelt die Themen "Die Lachners und Rain" sowie "Theodor Lachner". Die ehemalige Küche dahinter ist Vinzenz gewidmet, während die kleine Kammer im Obergeschoss das Andenken an Ignaz und das "geräumige" Schlafzimmer daneben, das Geburtszimmer der Lachnerkinder, die Erinnerung an Franz wachhält. Die kostbarsten Ausstellungsstücke des Hauses sind ein aus dem 19. Jahrhundert stammendes Originalexemplar der von dem Münchener Künstler Heubusch nachgestochenen berühmten Franz-Lachner-Rolle des romantischen Zeichners, Malers und Lachner-Freundes Moritz von Schwind, das im Franz-Lachner-Raum in einer Vitrine zu sehen ist, sowie ein originales Ölporträt Franz Lachners von seinem aus Budapest stammenden Zeitgenossen Alexander von Wagner (im oberen Flur an der Speichertreppe).
Die Gedenktafel für Franz Lachner mit dem bronzenen Brustporträtrelief des Musikers an der Museumsfassade hat kurz nach dessen Tod 1890 der in München tätige klassizistische Bildhauer Johann Pollak, ein gebürtiger Rainer, geschaffen pikanterweise auf Initiative des Rainer "Liederkranzes" und nicht des Rainer Magistrats.
Wir kommen zur Geburtsstätte des neunten und letzten Musikers, der am Kirchplatz das Licht der Welt erblickte: Es ist das Raucheisen-Haus (Nr. 9). Michael Raucheisen, der einst weltberühmte Kammermusikpianist und Liedbegleiter, wurde hier am 10. Februar 1889 als Sohn eines Chorregenten und Glasermeisters geboren. Zunächst zum Streicher ausgebildet, begann Raucheisen seine Künstlerlaufbahn in München als Geiger und Bratschist im Hoforchester und in der Münchener Kammermusikvereinigung. Gleichzeitig studierte er Klavier und Orgel. 1908 wurde er stellvertretender Organist an der St.-Michaels-Hofkirche in München. 1912 gründete er im Münchener Volkstheater die beliebten Musikalischen Morgenaufführungen und trat in diesen Sonntagsmatineen bis 1920 als Klaviersolist und Liedbegleiter auf. Vor allem als Klavierbegleiter leistete Raucheisen bis ins Alter Außergewöhnliches. Nach seinen eigenen Aussagen begleitete er nicht zuletzt auf Konzertreisen durch fast alle Erdteile an die tausend Sänger und Instrumentalisten, darunter den berühmten Wiener Violinvirtuosen Fritz Kreisler, Sänger wie Julius Patzak, Hans Hotter und Peter Anders sowie Sängerinnen wie Elisabeth Schwarzkopf, Erna Berger, Tiana Lemnitz, Maria Müller, Rudolf Bockelmann und Maria Ivogün, die damals weltweit renommierte Koloratursopranistin, eine der größten Opern- und Konzertsängerinnen des 20. Jahrhunderts. Raucheisen heiratete sie 1933 in dritter Ehe. 1920 siedelte Raucheisen von München nach Berlin über. Dort war er am Rundfunk von 1940 bis 1945 künstlerischer Leiter der Abteilungen Lied und Kammermusik. Mit 69 Jahren trat Raucheisen in den Ruhestand. 1984 ist er im Alter von 95 Jahren im schweizerischen Beatenberg hoch über dem Thuner See gestorben.
Tipp:
Photofreunden sei die Perspektive vom Haus Kirchplatz Nr. 11 nach Osten empfohlen mit dem geschlossenen Ensemble des südlichen Kirchplatzes und der Allerheiligenkapelle als Blickfang.
Die katholische Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer
An die Westfront der katholischen Stadtpfarrkirche lehnt sich das schlichte Kriegerdenkmal aus den frühen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg an. In der Nische ist ein müder, abgekämpfter Soldat in niedergesunkener Haltung zu erkennen, der das abgebrochene Schwert in der rechten Hand hält.
Die Nordseite des Kirchplatzes mutet heutzutage städtebaulich merkwürdig kühl, ja leer an. Das war nicht immer so. Von 1369 bis 1784 stand hier außerhalb der Kirchhofsmauer und damit in einem Teil des jetzigen Pfarrgartens das "Nonnenhaus", welches dem Zisterzienserinnenstift Niederschönenfeld gehörte. Hierher flüchteten sich die Klosterfrauen in Kriegszeiten, weshalb es auch das "Zufluchtshaus" genannt wurde. 1784 wurde der altersschwache Bau abgetragen.
Schließlich betrachten wir das Herzstück des Kirchplatzes, die katholische Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer. Sie ist Rains größter und bedeutendster Sakralbau, entstanden wie die meisten anderen Rainer Gotteshäuser auch im späten Mittelalter, in der wirtschaftlichen Hochblüte der Stadt, welche unabdingbare materielle Voraussetzung für die Pflege von Kunst und Kultur gewesen ist. Der 66 Meter hohe Turm der Pfarrkirche mit seiner neugotischen Spitze anstatt der früheren Renaissancehaube ist weithin in der flachen Landschaft zu sehen. Der spätgotische Bau wurde mit Material aus dem Jurasteinbruch bei Marxheim errichtet und dürfte sich in mehreren Etappen über das 14. und 15. Jahrhundert hin erstreckt haben. Der letzte, entscheidende Bauabschnitt, von 1447 bis zur Fertigstellung 1480, stand unter dem Einfluss der Bauarbeiten an der Stadtpfarrkirche zu Donauwörth.
Die Rainer Pfarrkirche präsentiert sich heute als gotische Pseudobasilika oder Staffelkirche mit einer Länge von 45 und einer Breite von 20 Metern. Vier achteckige Säulenpaare gliedern den Innenraum in ein Mittelschiff und zwei niedrigere Seitenschiffe. Chor und Seitenschiffe schmücken ein schlichtes Kreuzrippengewölbe; von ihnen hebt sich das Mittelschiff des Langhauses durch üppigeres Netzrippengewölbe ab.
Im Lauf ihrer langen Geschichte wechselte die Pfarrkirche immer wieder ihre Innenausstattung entsprechend dem sich wandelnden Kunstgeschmack. Sicher, die Altäre, Kanzel, Beichtstühle und Fenster im neugotischen Stil waren nicht der künstlerischen Weisheit letzter Schluss; doch ihre Entfernung kurz nach 1970 und ihre Zerstreuung in alle Winde zerstörte die Einheit und Harmonie des Kirchenraums.
Ironie der Geschichte: Die Bürokratie, die damals die Neugotik als "kitschig" verurteilte, wertete wenige Jahre später die Neugotik zur erhaltens- und schützenswerten Kunstepoche auf und begann mit dem Sammeln neugotischer Plastik! Der "Bildersturm" der frühen 1970er Jahre prägte den vorher festlich-freudigen Innenraum der Pfarrkirche um in ein asketisches Gotteshaus von fast calvinistischer Nüchternheit und Strenge, ja Härte.
Die Renovierung von 1994/95 hat gemildert, geglättet und freundlicher gestaltet. Der Innenraum wurde belebt durch ein paar Heiligenfiguren sowie durch einen fünfteiligen Zyklus "St. Johannes der Täufer", den Ruth Borisch (Graisbach) in verschiedenen Textiltechniken in der Kunstsprache des ausgehenden 20. Jahrhunderts für die Brüstung der Westempore geschaffen hat, sowie durch eine phantasievolle Komposition von "Reliquien" der nach 1970 unsachgemäß ausgebrochenen neugotischen Farbglasfenster, welche jetzt die nördliche Turminnenwand rechts vom Volksaltar ziert.
Heute bietet die Pfarrkirche eine bunte Mischung religiöser Kunstschätze aus Gotik, Barock, Historismus und Moderne. Zum Wertvollsten gehören zweifellos die teilweise erst zwischen 1970 und 1974 freigelegten spätgotischen Wand- und Gewölbefresken samt den stilisierten Pflanzen- und Blumenformen. Im Chor treiben allegorische Fabelgestalten ihr Unwesen als Sinnbilder für die Gefahren des Bösen, des Teuflischen in der Welt. Einen Kontrast dazu bilden fromme Motive: das Manna- und das Wasserwunder aus dem Alten Testament sowie die zwölf Apostelkreuze. Eindrucksvoll sind zudem die nicht vollständig erhaltene Kreuzigungsgruppe an der Ostwand des linken Seitenschiffs, das gleichfalls nur fragmentarisch überlieferte Jüngste Gericht über dem Nordportal, die Szene "Jesus treibt die Wechsler aus dem Tempel" an der Westwand des südlichen Seitenschiffs, die ironische Darstellung eines Kircheninnern mit schwatzenden Personen und Nonnen nebst Kavalieren, bedrängt von höllischen Gestalten (an der Westwand des nördlichen Seitenschiffs) sowie der riesenhafte hl. Christophorus und die ziemlich seltene Darstellung der hl. Kümmernis über dem Südausgang.
An die Gotik erinnern überdies spätmittelalterliche Epitaphien, etwa das für den Rainer Stadtpfarrer Dr. Andreas Weiß (+ 1507) rechts vom Nordausgang und das Kruzifix über dem Volksaltar, eine Leihgabe der Katholischen Filialkirchenstiftung Unterpeiching.
Die barocke Kunstepoche ist vertreten durch Grabsteine, Kommunionbank, Chorgestühl, Ewig-Licht-Ampel, Taufstein, Stuhlwangen, das ehemalige Hochaltarbild "Johannes tauft Christus am Jordan" von den Münchener Barockmalern Johann Michael Kaufmann und Johann Georg Hörmann im südlichen Seitenschiff sowie durch einen gekreuzigten Christus und eine Pietà, letztere flankiert von zwei leuchtertragenden Engeln, in der Nische des nördlichen Seitenschiffs. Pietà und Engel standen bis 1970 auf dem einst sehr beliebten Gruftaltar im Turmuntergeschoss rechts vom Volksaltar, an dem immer am 13. Tag des Monats, am Fatimatag, die Messe zelebriert wurde.
Zur modernen Ausstattung gehören die etwas unruhigen Farbglasfenster im Chor, von denen die drei im Ostabschluss Bezug nehmen auf den Kirchenpatron St. Johannes den Täufer. Den einstigen Platz des neugotischen Hochaltars besetzt heute die barockisierende Orgel, ein Werk der Firma Sandtner aus Steinheim bei Dillingen aus dem Jahre 1977. Anstelle eines Hochaltars die "Königin der Instrumente" aufzustellen ist nicht katholisch-bayerische Überlieferung, sondern lutherische Tradition in Mittel- und Norddeutschland.
Beachtenswert ist in der Stadtpfarrkirche der neue Kreuzweg, den 2003 der Bildhauer Wolfgang Klein und der Maler Theo Krötzinger, beide aus Ellzee südlich von Ichenhausen, geschaffen haben. Sie hatten von der Pfarrei die Auflage erhalten, dass jede Station auf Anhieb erkennbar sein müsse; sie dürfe dennoch den einen oder anderen religiös-geistigen Gehalt in sich bergen, der sich dem Beschauer erst bei genauerer Betrachtung erschließt; außerdem sollte der Maler nur Farben verwenden, die sich in der Kirche bereits vorfinden. Die Intention von Klein war, Jesus als Lichtgestalt darzustellen, über der Welt erhaben, aber begleitet von Dunkelheiten und umgeben von allerlei höchst irdischen Lebenssituationen. Der Kreuzweg fand von Anfang an durchwegs eine positive Resonanz. Mit dem modernen Kreuzweg wurde eine besonderer, reizvoller Akzent gesetzt.
![]() |
Moderner Kreuzweg, fünfte Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen |
![]() |
![]() |
| Säule mit gotischem Fresko: der hl. Florian |
Säule mit gotischem Fresko: der hl. Nikolaus |
![]() |


Blick auf die Stadtpfarrkirche "St. Johannes
der Täufer" aus der Luft (dieses Bild ist in der
Druckversion nicht enthalten).
Wegführung:
Der Pfarrstraße und anschließend der Bürgermeister-Bleimayr-Straße folgend, gelangen wir zur Bahnhofstraße. Dort biegen wir links ab. Wir folgen der Bahnhofstraße bis zur Johannes-Bayer-Straße und gehen nach rechts bis zur evangelisch-lutherischen Kirche.
Die evangelisch-lutherische Kirche St. Michael
Das Zentrum der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Rain befindet sich außerhalb der Altstadt, im Bahnhofsviertel, an der Ecke Johannes-Bayer- und Franz-Lachner-Straße. Vom ersten "historischen" Bau aus dem Jahre 1937 für die damals sehr kleine evangelische Gemeinde stehen noch das Pfarrhaus und der Kirchturm. Von 1987/88 hingegen stammen Gemeindezentrum und Kirche, gestaltet vom Münchener Architekten Theodor Hugues. Die St.-Michaels-Kirche mit ihrem quadratischen Grundriss erweist sich als schlichter, schmuckloser, himmelanstrebender Raum, in dem Holz dominiert. Die symbolträchtige Innengestaltung entwarf der Inchenhofener Künstler Eckard Hauser nach dem Grundsatzprogramm "Das Kreuz als Bindeglied zwischen Himmel und Erde". Die Steinmetzarbeiten führte Karl Faig aus Rain aus.
Unter dem zentral postierten Altartisch steht eine Pyramide aus Solnhofener Marmor als Sinnbild des irdischen Lebens. Die Marmorspitze ist abgebrochen ein Zeichen für die Unvollkommenheit des Diesseits und der Menschen. Statt ihrer sitzt eine Glasspitze auf der Lebenspyramide und damit zugleich auf dem Altar. Das Glas symbolisiert die Reinheit und Vollkommenheit Jesu Christi. Die Glasspitze weist hinauf zum herabhängenden, braun-violett gestrichenen Holzkreuz, an dem der Heiland sein Erlösungswerk für die sündige Menschheit vollbrachte und so die Unvollkommenheit besiegte. Eine Figur des Gekreuzigten fehlt jedoch. Dafür glänzen am Kreuz vier geschliffene Glasprismen als Sinnbilder für die Wundmale Christi. Über Altar und Kreuz hoch oben an der Decke leuchtet der Himmel, den der Erlöser den Gläubigen erworben hat ein Himmel mit 64 Feldern, in dem die Regenbogenfarben glänzen. Die Sonnenstrahlen werden durch acht Lichtprismen eingefangen und als rechteckige, regenbogenfarbene Flächen in den Raum herabgelenkt. Westlich vom Altar samt seinen beiden originellen Leuchtern (stehende Glasprismen mit kreuzförmigem Grundriss) befindet sich die Kanzel aus Holz. Dahinter steht die Orgel, die 1993 von der Firma Deininger, Renner & Co., Oettingen, erbaut wurde, südlich davon der marmorne Taufstein, ein Geschenk der katholischen Pfarrgemeinde Rain. Die Kirchenbänke gruppieren sich an drei Seiten um Altar, Kanzel und Orgel.
Wegführung:
Wir spazieren vom evangelischen Gemeindezentrum über die Franz-Lachner-Straße nach Süden, biegen an ihrem Ende links in die Neuburger Straße ein und wandern nach links weiter. Nach einigen Minuten sehen wir zwischen Wohn- und Gewerbegebiet nördlich der Neuburger Straße die Wegkapelle "Maria Birnbaum".
Die Wegkapelle "Maria Birnbaum"
1996/97 wurde sie durch eine Bürgerinitiative wieder aufgebaut. Ihr Vorgängerbau stand weiter stadteinwärts, vor dem heutigen Möbelhaus Würmseher. Sie musste 1960 beim Ausbau der Einmündung des Klausenbrunnenweges in die Neuburger Straße weichen. Schon 1698 wurde eine Kapelle "bei Unserer Lieben Frau vom Birnbaum" (vor dem heutigen Möbelhaus Würmseher) erwähnt. 1705 berichtet eine Quelle über das "Kleine Bildnis der lieben Mutter Gottes vom Birnbaum", genannt "Altötting vor dem Bayertor". Konsequenterweise barg sie eine Darstellung der Schwarzen Madonna von Altötting. Der jetzige schlichte Neubau von 1996/97 weiter stadtauswärts erlebt gelegentlich Marienandachten. Den Innenraum der Kapelle mit seiner schönen, schiffsbugähnlichen Holzdecke ziert eine knapp 50 cm hohe Statue der schmerzhaften Gottesmutter. Der Donauwörther Hobbykünstler Richard Knoll hat diese Marienfigur aus Holz geschnitzt, farbig gefasst und für die Kapelle gestiftet.
Exkurs: Grenzsäule am Lech
Dem Geschichtsfreund sei noch ein Ausflug zur Grenzsäule empfohlen. Sie steht in den westlichen Lechauen, gleich hinter der Eisenbahnüberführung an der Straße nach Oberndorf auf der linken Seite. Diese ungefähr sechs Meter hohe Grenzsäule stammt nicht, wie irrtümlich verbreitet, aus dem späten Mittelalter (weder von 1439 noch von 1459), sondern erst aus der Zeit von 1600 bis 1615. Ihr Baustil ist demnach der späten Renaissance oder dem frühen Barock zuzuordnen.. Die Grenzsäule markierte einst die Grenze zwischen Bayern und einem Teil Vorderösterreichs, nämlich der österreichischen Markgrafschaft Burgau. Eine Grenzsäule hatte nur dann einen Sinn, wenn sie an einer wichtigen Durchgangsstraße stand, an einer Handels- oder Heerstraße. In der Tat führte früher die Landstraße hier vorbei und passierte ungefähr in Höhe der heutigen Eisenbahnbrücke den Lech. Der Lechübergang befand sich dementsprechend weiter südlich als jetzt. An dieser Grenzsäule wurden vornehme Reisende ins Geleit genommen sowie feindliches Kriegsvolk und Verbrecher ausgeliefert.
Was war nun westlich des Lechs, drüben im Schwäbischen, österreichisch-burgauisch? Oberndorf war eine eigene Herrschaft; Genderkingen war zuerst oberndorfisch, später kaisheimisch. Österreichisch war hier kein Ort, keine Flur, sondern nur die Landstraße, die von Rain her über den Lech durch Genderkingen nach Donauwörth führte. Konsequenterweise erhoben die Habsburger in Genderkingen bis 1805 einen Straßenzoll. Die Grenzsäule demonstriert einmal mehr das historische Schicksal der altbayerischen Stadt Rain als ewige Grenzstadt zwischen Bayern und Schwaben in Mittelalter und Neuzeit.
Der Tatsache, dass das geschichtsträchtige Rain nach dem Zweiten Weltkrieg einen erstaunlichen wirtschaftlichen Aufschwung von überregionaler Bedeutung erleben durfte, verlieh die Stadt im ausgehenden 20. Jahrhundert sichtbaren Ausdruck: Der Stadtrat beschloss die Realisierung eines eigenen Rainer Stadtlogos. Zu diesem Zweck wurde im Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule Augsburg ein Wettbewerb durchgeführt. Am 14. Dezember 1999 nahm der Rainer Stadtrat das Logo der 1. Preisträgerin Sabine Karl vom Schwabenteam Projektgruppe Augsburg an. Das neue Logo der Stadt Rain wirkt einerseits als sichtbares Zeichen nach außen, ist unverwechselbar, einprägsam, imageträchtig und vermittelt Ortsfremden eine hohe Wiedererkennbarkeit. Andererseits soll es mit seinem charakteristischen Bild das Typische und Wesentliche der Stadt Rain repräsentieren und für die Rainer Bürger selbst zur Identifizierung mit dem eigenen Lebensraum beitragen. Im neuen Logo verbindet sich das markante Türmchen des Rainer Rokoko-Rathauses mit dem Blumenmotiv als Hinweis auf die "Blumenstadt Rain". Das Blumenmotiv erinnert überdies an die Hügellandschaft um Rain und an die Wellen der heimischen Flüsse Lech, Donau und Friedberger Ach. In seiner Gesamtheit, in den Stadtfarben Blau, Gelb, Rot und Schwarz symbolisiert das Logo Lebendigkeit, Bürgernähe und Lebensqualität, gepaart mit Aktivität und Bewegung. Die Spirale steht für Rain als Zentrum eines betriebsamen Lebens- und Wirtschaftsraumes.

Rain, die "Blumenstadt" mit diesem Begriff verbindet sich wie von selbst der Name der Firma Dehner. Die große wirtschaftliche Bedeutung für Rain wird nicht zuletzt durch die hier ansässige Zentrale dieses Betriebes bestimmt. Der weithin bekannte "Dehner BlumenPark" macht Rain schon lange zu einem beliebten Ausflugsziel für Gäste aus nah und fern. Am 18. Oktober 2001 hat ihn die Firma in erweiterter Form neu eröffnet. Auf einer Fläche von 115 000 Quadratmetern präsentiert sich eine beispiellose Einkaufswelt. Nicht weniger als 80 000 Artikel werden auf einer Verkaufsfläche von 17 600 Quadratmetern angeboten. Die gepflegten, phantasievollen und aufwendig gestalteten Gartenschauanlagen wurden inzwischen um weitere 30 000 Quadratmeter auf 60 000 Quadratmeter verdoppelt. Für Rain und die gesamte Region ist die Firma Dehner ein wichtiger Arbeitgeber mit sozialer Ausprägung.
Die Gartenschau "Natur in Rain 2009"
Unter dem Motto "Natur und Kultur in der Blumenstadt" gastiert im Jahr 2009 die kleine bayerische Gartenschau, die "Natur in Rain 2009".
Die Stadt Rain hat ein attraktives Parkareal errichtet, das über Jahre hinweg für die Rainer Bevölkerung und die Gäste der Stadt erhalten bleibt. Die nördlichen Wallgärten mit dem Schlossweiher wurden neu angelegt; der Bahnhofsvorplatz wurde großzügig umgestaltet und der Natur-Lehrgarten an den Dehner BlumenPark angebaut. Im Zuge der Gartenschau hat man weitere Eckpunkte in Rain neu gestaltet. Man sanierte das herzogliche Schloss und die anliegenden Straßen und schuf neue Verbindungen zwischen der Stadtmitte und den Wohngebieten. Durch den Bau von sechs Brücken und Stegen entstanden neue Schulwegverbindungen. Kurzum: Die Stadt Rain hat an Lebensqualität dazu gewonnen. Die neu angelegten Wallgärten können von den Besuchern auch in Zukunft für Sport, Spiel und Freizeit genutzt werden. Der großzügige Spielplatz mit einer extra langen Spielewand und einem Volleyball-Feld lässt genügend Raum für Freizeitspaß.

Die Wallgärten sind das Gelände entlang der historischen Stadtmauer. Besonders ausgeprägt ist dieser Grünzug nördlich der Altstadt. Dieser Bereich wurde als Gartenschaugelände gewählt und umfasst rund 5 Hektar. Über 2 Hektar davon waren noch 1845 als Fischteich genutzt; der Schlossweiher wurde danach abschnittsweise trocken gelegt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts hat man die meisten Flächen entlang der Mauer im Zuge der Privatisierung zu Gärten umgestaltet, so dass der Ausdruck "Wallgärten" eine lange Tradition hat.

In den Wallgärten befindet sich auch die ehemalige Leutnantschanze, eine historische Verteidigungsanlage an der Stadtmauer. In Rain gab es insgesamt fünf dieser Schanzen, von denen die Leutnantschanze noch am besten erhalten geblieben ist. Im Volksmund ist sie bekannt unter dem Namen "Polizeigarten", da sie lange Zeit von der örtlichen Polizei zur Selbstversorgung genutzt wurde.

Die Kastanienallee beim Georg-Weber-Stadion ist
idyllischer Ausgangspunkt für eine Auwald-Wanderung
Kontaktadressen:
Stadt Rain, Hauptstraße 60, 86641 Rain, Tel. 09090/703-0, info@rain.de, www.rain.de
Fa. Dehner, Donauwörther Str. 3 – 5, 86641 Rain, Tel. 09090/77-0, info@dehner.de, www.dehner.de
Kath. Stadtpfarramt. St. Johannes der Täufer, Pfarrstraße 9, 86641 Rain, Tel. 09090/2545
16.08.2009/ AR