Max-Droßbach-Straße
Max Droßbach (geboren 14. September 1890, gestorben 4. Januar 1971) übernahm 1930 die "Danubia", den ältesten örtlichen Industriebetrieb. Unter seiner Führung wuchs die Rainer Isolierrohrfabrik zu einer Firma mit großer wirtschaftlicher Bedeutung für die Stadt und zum drittgrößten Arbeitgeber. Das unternehmerische Engagement wurde schon zu Lebzeiten mit der Verleihung der Bürgermedaille am 14. September 1970 heraus gestellt. Der Stadtrat stellte im Beschluss vom 31. August 1970 heraus, dass durch das Engagement von Max Droßbach in schlechter Zeit viele Arbeitsplätze geschaffen, Maschinen in alle Erdteile exportiert und Geschäftsverbindungen nach Indien, Kuwait, Rußland, Kanada, Nord- und Südamerika sowie neuerdings nach Australien geknüpft wurden. Max Droßbach war die zweite Person, der die Bürgermedaille der Stadt Rain verliehen wurde.

Ansprache von 1. Bürgermeister Würmseher anlässlich der Verleihung der Bürgermedaille am 14. September 1970 im Rathaus:

Sehr geehrter Herr Droßbach,
verehrte Familie Droßbach!

Wir haben Sie heute zu uns ins Rathaus unserer alten Stadt Rain gebeten, in dieses Rathaus, in dem seit Jahrhunderten über die Geschicke unserer Stadt entschieden wurde, in welchem schon weittragende Entschlüsse gefasst wurden und in dem sicher auch schon oft über nichtige Dinge zu beraten war, wie es sich eben aus dem vielfältigen Ablauf des menschlichen Daseins ergibt.

Ich durfte diese paar Worte vorausstellen, weil Sie, Herr Droßbach, zu den Wenigen gehören - und das spricht ja so sehr für Sie - die nicht immer sofort aufs Rathaus stürzten mit dem bekannten Forderung "Die Stadt muss ...". Wenn Sie ein Problem bedrängte, riefen sie nicht immer sofort nach Hilfe von Staat und Gemeinschaft, sondern handelten vielmehr nach dem bewährten Grundsatz "Selbst ist der Mann" und damit ihren Betrieb, ihr wirtschaftliches Dasein aufbauten und gestalteten.

Vor ziemlich genau vierzig Jahren - und das ist das zweite Jubiläum dieses Tages - haben sie den damals so bescheidenen Betrieb "Danubia", der auf einfachste Weise Isolierrohre herstellte, erworben, ihn dann in diesen so ungemein schwierigen Zeiten der Weltwirtschaftskrise und der politischen Unsicherheiten der damaligen Zeit in harter Anstrengung und Arbeit behauptet und im Laufe der Jahrzehnte zu einem bedeutsamen Betrieb des Maschinenbaues und der Kunststoffverarbeitung erweitert und ausgebaut, der ja in seinen Beziehungen längst die Grenzen Deutschlands, ja unseres europäischen Kontinents überschritten hat, also in allen Erdteilen gegenwärtig ist und damit auch den Namen unserer Stadt Rain in alle Welt hinausträgt.

Das Unternehmen, das Sie, Herr Droßbach, in den letzten vierzig Jahren aufgebaut und so bedeutsam entwickelt haben, ist der älteste Industriebetrieb unserer Stadt Rain, also gewissermaßen der Grundstock und Markstein für das wirtschaftliche Aufblühen unserer Stadt. Ihr Betrieb ist von seiner Struktur her nicht auf Massenkundschaft angewiesen, bedarf also nicht der massierten Werbung wie Andere. Sie und Ihr Betrieb haben aber auch nie den Beifall der Masse gebraucht und nicht gesucht. Sie, Herr Droßbach, haben dank Ihrer Bildung und Ihrer starken in sich ruhenden Persönlichkeit auch nie - weder für sich noch für Ihren Betrieb - den Wirbel öffentlicher Anerkennung und Massenzustimmung erwartet oder danach gedrängt. Uns schien immer wieder, als stünde über Ihnen und über Ihrem Betrieb das gute alte Wort "Mehr sein als scheinen!" Sie und Ihr Betrieb waren, wenn man das so sagen darf, vergleichsweise der "Stille im Lande", der arbeitete und schaffte, ohne dabei viel Aufhebens zu machen. Wir bitten deshalb um Ihr wohlwollendes Verständnis, wenn wir Sie heute einmal aus dieser gewollten Stille und Bescheidenheit heraus reißen und Sie für die Öffentlichkeit, für unsere Stadt, die wir zu vertreten haben, in Anspruch nehmen.

Seit zwei Generationen haben Sie mit Ihrem Betrieb in Rain Arbeitsplätze geschaffen, Existenzen ermöglicht, Lohnsummen und Aufträge sind ins heimische Gewerbe geflossen, Steuern mussten - oder durften - oder konnten - als wesentlicher Beitrag an die örtliche Gemeinschaft, an die Stadt gezahlt werden. Derzeit bauen wir damit - allen sichtbar - vor allem Straßen und Schulen. Dies alles sind wesentliche Faktoren für das Leben und die Entwicklung unserer Stadt, die ja auch Ihre Stadt und Heimat geworden ist. Sie haben in Ihrem Betrieb - ohne wiederum Aufhebens machen - soziale Einrichtungen geschaffen und ebenso ein Arbeitsklima das sich ja darin niederschlägt, dass so viele Ihrer Mitarbeiter schon seit Jahrzehnten bei Ihnen tätig sind, oder über Vater und Sohn schon in der zweiten Generation.
Und was hat dieser Betrieb schon verlangt von unserer Stadt in all dieser Zeit? Nichts, fast nichts, nur die Verlegung eines überflüssigen Feldweges, der zeitweilig durch den Betrieb führte. Seien Sie überzeugt, Herr Droßbach, dass wir uns dessen bewusst sind. Im übrigen halte ich es für völlig legitim, wenn ein Betrieb, der für örtliche Gemeinwesen viel bedeutet, in angemessenem und vertretbarem Rahmen Unterstützung bei seinen Zielsetzungen erwartet.


Sehr geehrter Herr Droßbach!
Sie feiern heute Ihren 80. Geburtstag. Sie können auf ein großes und stolzes Lebenswerk zurückblicken, das in der langen Geschichte unserer Stadt für immer überragende Bedeutung haben wird. Es ist wenig, was wir Ihnen heute bieten und sagen können: Worte des Dankes, Worte der Anerkennung, die nur wenig auszudrücken vermögen.

Die Stadt Rain hat am 8. April 1969 zur Ehrung verdienter Persönlichkeiten eine Bürgermedaille gestiftet. Die Bürgermedaille wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich durch hervorragenden Leistungen auf kommunaler oder kulturellem oder wirtschaftlichem oder technischem oder karitativem Gebiet allgemein oder um die Stadt Rain im besonderen Maße verdient gemacht haben. Ich brauche nicht besonders zu betonen, dass diese Charakteristik in mehr als einem Punkt auf Sie zutrifft.
Der Stadtrat Rain hat deshalb am 31. August 1970 beschlossen, Ihnen in Anerkennung Ihrer Verdienste als erstem in Rain lebendem Mitbürger - und Inhaber des ältesten Rainer Industriebetriebes - diese Bürgermedaille zu verleihen. Diese Bürgermedaille wurde bisher nur verliehen an den in der Schweiz lebenden, aus Rain stammenden einst weltbekannten Musiker und Pianisten Professor Michael Raucheisen.


Ich darf Sie, Herr Droßbach, zu Ihrem großen Lebenswerk, herzlich beglückwünschen, im Namen der Stadt Rain, im Namen des Stadtrats und im Namen der Stadtverwaltung. Ihrem Betrieb, der jetzt bei Ihrem Sohne in guten und zukunftssicheren Händen ruht, dürfen wir ebenfalls eine weitere gedeihliche Entwicklung wünschen, zum Nutzen und Segen aller daran Beteiligten. Gleichzeitig darf ich Ihnen zu Ihrem 80. Geburtstag die herzlichsten Glückwünsche aussprechen und Ihnen noch viele Jahre in möglichster Gesundheit bei uns in Rain wünschen.

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Die Ehrung durch die Bürgermedaille erfuhr auch sein Sohn Hubert Maximilian Droßbach (15. Februar 1930 - 11. März 1993) am 18. April 1990 für den weiteren Ausbau des Betriebes und die gute Zusammenarbeit mit der Stadt (Beschluss vom 23. Januar 1990). Die ursprüngliche Adresse der Rainer Isolierrohrfabrik lautete "Am Walburgastein". Als bisher einzige Bezeichnung wurde dieser Name mit Stadtrats-Beschluss vom 21. April 1992 in "Max-Droßbach-Straße" geändert