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Gärtnersiedlung Rain - Informationen der Stadt

Mit Pressekonferenz zum "Einjährigen"
und Infos zum Ausbildungsmodell

Ein 40-Millionen-Mark-Projekt an der B 16 bei Rain ist bereits weitgehend realisiert. Bis zum Herbst 2000 waren auf rund 50 Hektar Betriebsfläche 150.000 qm Hochglasfläche für Zierpflanzenproduktion errichtet worden. Die mittlerweile sechs Betriebe in der Gärtnersiedlung haben in den Jahren 2001 und 2002 auf nunmehr 160.000 qm Unterglasfläche erweitert und sehr erfolgreich mit der Produktion begonnen. Im Jahr 2003 soll um weitere 15.000 qm Unterglasfläche erweitert werden. Die Heizung der Betriebe erfolgt umweltfreundliche mit Erdgas. Die Wärmerückgewinnung ist Stand der Technik. Jeder einzelne Betrieb hat sich auf bestimmte Topfpflanzen spezialisiert.

Die deutschen Gärtner hatten in den letzten Jahren ständig Marktanteile verloren. Die Betriebe in Süddeutschland waren zu klein. Aus dieser Erkenntnis war bei Dehner die Idee geboren, Gärtner und Produzenten um sich zu scharen, um "just in time" die Ware erzeugen zu lassen. Damit entfallen lange Transportwege. In Kooperation mit Dehner, dem Marktführer der Gartencenter-Branche, sowie der Stadt Rain und dem Freistaat Bayern wurde eine nach modernsten Gesichtspunkten konzipierte Gärtnersiedlung erstellt. Dies hat in internationalen Fachkreisen große Aufmerksamkeit erlangt.

Die Einweihung der Gärtnersiedlung fand am 30. März 2000 statt. Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke überreichte dabei den Innovationspreis für besondere Leistungen im Bereich der Betriebsorganisation an die Beteiligten des Projekts - stellvertretend Albert Weber, geschäftsführender Gesellschafter der Dehner-Gartencenter GmbH, Wolfgang Gräser, Dehner-Prokurist, und Hans Hartmann, Sprecher der neu angesiedelten Gärtner. Bayerns Landwirtschaftsminister Josef Miller würdigte bei der Feier den unternehmerischen Mut, den die Staatsregierung mit zinsverbilligten Darlehen unterstütze. Behörden auf allen Ebenen haben dazu beigetragen, dass das Projekt in nur zwei Jahren umgesetzt wurde.

Die Grundstücksflächen der Investoren bewegen sich zwischen 4,5 und 10 Hektar. Der Produktionswert der Siedlung wird auf rund 15 Mio. DM beziffert.

Die Ausbildungskapazität ist zwischenzeitlich auf sechs Nachwuchskräfte ausgedehnt worden. Die Auszubildenden mit ihrer zwei- bis dreijährigen Ausbildungszeit durchlaufen alle sechs Betriebe und können somit vielseitig und fundiert ausbildet werden. In der Gärtnersiedlung wurden 60 feste Arbeitsplätze geschaffen, in der Saison sind bis zu 130 Personen beschäftigt.

Die Gärtnersiedlung Rain bilden folgende sechs Betriebe:
Hartmann GbR
Dechant Gartenbau GmbH & Co KG
R. Bosch KG
K & K Pflanzen GmbH & Co KG
Seidl GbR
Müller Gartenbau KG


Kontakt:
Stadt Rain
1. Bürgermeister Martin
Hauptstraße 60, 86641 Rain
Telefon 0 90 90 / 7 03-100
0 90 90 / 7 03-109
oder eMail:buergermeister@rain.de


Blick auf die Gärtnersiedlung Rain
Blick auf die Gärtnersiedlung, Luftbild vom 02. Oktober 2001, Verkleinerung der 4 Megapixel-Orginalaufnahme
bereit gestellt von www.digitalluftbilder.de.

 


Ausbildungsmodell in der Gärtnersiedlung: Die Donauwörther Zeitung berichtete am 7. März 2002 wie folgt:

Die Liebe zu Pflanzen zum Beruf machen
Neue Ausbildungsmöglichkeit beginnt im September in der Rainer Gärtnersiedlung - Das Konzept vorgestellt
Rain (reh).

Jugendlichen, die in den Gärtnerberuf einsteigen wollen, winkt ab September diesen Jahres eine neue Möglichkeit: Die sieben Betriebe der Gärtnersiedlung haben zusammen mit der Dehner Gartencenter GmbH & CoKG und der Regierung von Schwaben ein Konzept der betriebsübergreifenden Ausbildung erarbeitet. Die Auszubildenden können ihre dreijährigen Lehrzeit somit in drei verschiedenen Betrieben verbringen.

„Wir wollten die Gärtnersiedlung als europaweit einzige Kombination von moderner Pflanzenproduktion und Vermarktung auch für den Bereich Berufsausbildung nutzen“, erklärt Stefan Glöde, der Geschäftsführer der Gärtnersiedlung. Nach „völlig unbürokratischen“ Gesprächen und Verhandlungen mit der Regierung von Schwaben und Dehner steht das Konzept für eine abwechslungsreiche Gärtnerausbildung nun.

Die Jugendlichen, die ihre Liebe zu Pflanzen zum Beruf machen möchten, bewerben sich um den Ausbildungsplatz bei der Gärtnersiedlung Rain GmbH (nicht in den einzelnen Betrieben). Am Vorstellungstag können sie ein bis zwei Betriebe besichtigen und sich ein Bild über die Möglichkeiten machen. „Eingestellt werden sie dann von der Gärtnersiedlung Rain GmbH, die auch die Aufgabe des Vertragspartners übernimmt und für Azubis, Berufsschulen und andere Beteiligte die zentrale Anlaufstelle ist“, betont Glöde.

Die Auszubildenden absolvieren ihre Lehre in drei Betrieben der Gärtnersiedlung, je ein Lehrjahr in einem Betrieb. Für den dabei erforderlichen Wechsel gibt es ein festes Raster, damit eine gleichmäßige Verteilung gegeben ist. Es soll vermieden werden, dass ein Betrieb alle Berufsanfänger und ein anderer nur erfahrenere Lehrlinge erhält, erklärt der Geschäftsführer. „Es steht also schon zu Beginn fest, wer wann in welchem Betrieb sein wird.“

Außerdem bekommen die Lehrlinge durch dieses Schema den benötigten Lehrstoff eines Jahres entsprechend dem Ausbildungsrahmen im Betrieb vermittelt und haben für jedes Lehrjahr einen Ansprechpartner und Ausbilder, was laut Glöde große Vorteile seien. Um die Vielseitigkeit der Ausbildung noch interessanter gestalten zu können, sei in jedem Lehrjahr ein einmonatiges Praktikum in einem weiteren Betrieb vorgesehen - in der Firma Alfons Hartmann Gartenbau zum Beispiel. Denn sie ist von sieben die einzige, die nicht in den einjährigen Wechselrhythmus miteinbezogen ist. Grund: Die Firma sei zu stark auf die Gemüsepflanzenproduktion spezialisiert. „Für ein Praktikum ist die Produktion von Gemüsejungpflanzen aber als zusätzliche Information geeignet“, erklärt Glöde.

Parallel dazu wird die Gärtnersiedlung einen Teil der theoretischen Grundlagen vermitteln, folgende Punkte sind vorgesehen: Der Ausbildungsbetrieb, betriebliche Zusammenhänge und Beziehungen; Natur- und Umweltschutz, rationelle Energie- und Materialverwendung; betriebliche Abläufe und wirtschaftliche Zusammenhänge. Da es sich in der Gärtnersiedlung um reine Produktionsbetriebe handelt, übernimmt das Aus- und Weiterbildungszentrum der Firma Dehner die Vermittlung des Bereiches Verkauf/Vermarktung in Form von Praktika. Vereinbart sind dabei drei Mal eine Woche mit den Schwerpunkten Zierpflanzen verkaufsfördernd präsentieren, Kundenberatung/Verkaufsgespräch und Anfertigen von Gebinden und Gefäßbepflanzungen. „Durch dieses System ist es uns möglich, für jedes Lehrjahr je Betrieb einen Azubi einzustellen“, erklärt der Geschäftsführer. Somit gibt es in der Gärtnersiedlung 18 Ausbildungsplätze.


Informationen zu dem Ausbildungsmodell gibt auch die Regierung von Schwaben, Sachgebiet Gartenbau, 86145 Augsburg, Herr Jürgen Hofbauer, Tel.-Durchwahl 0821/327-2638.


Donauwörther Zeitung vom 30. März 2001 über die Pressekonferenz zum 1-jährigen Jubiläum der Siedlung:

Eine blühende Gärtnersiedlung

Insgesamt 28 Millionen Pflanzen im ersten Jahr produziert ­ Minister Miller: Ein zukunftsträchtiges Modell

Rain (sol).
Ein beispielgebendes und zukunftsträchtiges Modell für den bayerischen Gartenbau ­ so würdigte gestern Landwirtschaftsminister Josef Miller die Gärtnersiedlung in Rain. Für Sozial-Staatssekretär Georg Schmid stand fest: "Eine Idee hat sich durchgesetzt." Viel Lob aus Politikermund bekamen sowohl Initiator, Dehner-Chef Albert Weber, wie Hans Hartman, Sprecher der Gärtnersiedlung. Beide wiederum nannten als Basis für das Gelingen "gelebte Partnerschaft".

Am 30. März vergangenen Jahres wurde die Gärtnersiedlung offiziell in Betrieb genommen (wir berichteten). Was 1996 als Idee begonnen und zwei Jahre später mit ersten Baumaßnahmen umgesetzt wurde, stand nun auf dem Prüfstand. Und was dabei herauskam, kann sich wahrlich sehen lassen.

Oder wie es Bayerns Landwirtschaftsminister Miller formulierte: "Mehr als 28 Millionen Pflanzen haben die sechs Betriebe der Muster-Gärtnersiedlung bereits im ersten Geschäftsjahr produziert und vermarktet. Mit 18,2 Millionen Mark wurde der anfangs erhoffte Produktionswert um über drei Millionen Mark überschritten."

Miller hob insbesondere die Kooperation von Produktion und Vermarktung hervor. Diese Absatzsicherung sei für ihn ein entscheidender Vorteil. Mehr als 35 Millionen Mark haben die beteiligten Gartenbaubetriebe nicht nur in ihre berufliche Zukunft investiert, sondern damit ebenso für mehr als 120 Menschen einen neuen Arbeitsplatz geschaffen. Auch die Ausbildung des gärtnerischen Nachwuchses profitiere von dem engen Schulterschluss. Der Landwirtschaftsminister: "Der gärtnerische Berufsstand kann stolz sein auf dieses einmalige Projekt."

"Eine starke Motivation und der Erfolgswille" waren für Gärtner-Sprecher Hans Hartmann die wichtigsten Komponenten für die erfreuliche Bilanz. Dazu gesellt habe sich "eine faire und vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit dem Unternehmen Dehner, wobei nicht nur Albert Weber herausgehoben wurde, sondern auch Wolfgang Graeser. Hartmann kündigte ein weiteres Wachsen an, unter Glas wie im Freien.


"Dehner redet nicht nur von Innovation, sondern leistet einen Beitrag dafür", würdigte Sozial-Staatssekretär Georg Schmid. Er hob unter anderem "Mut, Beharrlichkeit und Optimismus der Investoren" als beispielgebend hervor. Ebenso galt seine Anerkennung "dem einleuchtenden Konzept". Auftrag der Politik auf allen Ebenen sei es gewesen, dieses positiv zu begleiten.

"Ich bin stolz auf das, was sich hier entwickelt hat", bekannte Karl Zwermann, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG). Vor allem mit Blick auf die Probleme durch die hohen Energiekosten und der Wettbewerbsverzerrung in Europa. Hier vor Ort werde "tolle Qualität" erzeugt, "und die wird sich durchsetzen". Zwermann hoffte, dass es gelingen werde, für den Bereich Zierpflanzen ein "grünes Güteprädikat" bundesweit einzuführen. Damit sollen einmal umweltfreundliche und ressourcenschonende Produktionen ausgezeichnet werden.

In die Schar der Gratulanten reihte sich Landrat Alfons Braun ein. Er erinnerte daran, dass der Gründungs-Slogan "Hier wächst Zukunft" sich voll bestätigt habe. Das europaweit einmalige Projekt zeige Wirkung. Braun hatte zuvor für seine Behörde Lob für ihr schnelles Handeln erhalten. Von einem "Kompetenzzentrum für den Gartenbau" sprach Rains Bürgermeister Gerhard Martin. Ihn freuten insbesondere die Ausbildungsaktivitäten, "denn wir wollen unsere jungen Leute vor Ort halten können". Eine "nachahmenswerte Einrichtung" ­ zu diesem Fazit kamen in ihrer Bewertung Prof. Dr. Rolf Röber und Prof. Dr. Erhard Schürmer (beide Fachhochschule Weihenstephan). Sie redeten auch davon, dass dadurch "ein Signal für die Zierpflanzenproduktion am Standort Deutschland" gegeben worden sei.

Albert Weber, Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Dehner, freute sich über das Lob: "Die Gärtnersiedlung ist schon eine Erfolgsstory." Dass ein solche geschrieben werden konnte, liege in dem Vertrauen der Investoren in sein Unternehmen. "Und wir werden alles tun, damit es auch in den nächsten Jahren so vorbildhaft bleibt."

 

15.04.2004 / AR