Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Stadt Rain  |  E-Mail: info@rain.de  |  Online: https://www.rain.de

Autor: Adalbert Riehl

Freiwillige Feuerwehr Staudheim

Die FFW Staudheim hat keine eigene Homepage, jedoch finden Sie an dieser Stelle die Chronik zum 100-jährigen Jubiläum

100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Staudheim - das ist ein guter Grund zum Feiern - und ein guter Anlass, innezuhalten, zurück zu blicken auf das Feuerlöschwesen in vergangenen Zeiten.

 

Brandkatastrophen - Brandversicherung

Erinnern wir uns an den Sommer 1704. Nach den verlorenen Schlachten am Schnellenberg bei Donauwörth (2. Juli) und bei Höchstädt-Blind-heim (13. August) fielen die alliierten Truppen in Bayern ein. Auf Befehl des englischen Herzogs von Marlborough wurde der Weg von brennenden Dörfern gekennzeichnet, die Gerichte Aichach (1827 abgebrannte Wohnhäuser, dazu zerstörte Kirchen, Pfarrhöfe, Wirtschaftsbfebäude und Schlösser), Rain (868 Wohnhäuser) und Pfaffenhofen (739) waren am stärksten betroffen. Eine Löschhilfe war kaum möglich, ganze Dörfer brannten vollständig ab. Für Staudheim sind mehrere abgebrannte Höfe urkundlich nachgewiesen.

 

In Bayerdilling erfasste in Friedenszeiten am 7. Mai 1754 ein Feuer 24 Gebäude und am 18. März 1768 brannten fünf Gebäude nieder. Den Geschädigten blieb zu dieser Zeit nur das "Brandbetteln".

 

Die erste Brandversicherung im heutigen Bayern entstand 1754 in der Markgrafschaft Ansbach. Angesichts der Stadtbrände in Vilshofen (1794) und Neuötting (1797) schuf Kurfürst Max IV. Joseph noch in seinem ersten Regierungsjahr am 17. September 1799 für Altbayern eine Brandversicherung, die "Brandassecuranz", wie sie damals hieß - eine segensreiche Einrichtung, wie sich später mannigfaltig herausstellte. Der Beitritt zur Brandversicherung war freiwillig. Die Kirche unterstützte die staatlichen Bemühungen zu einer hohen Beitrittsquote, viele Pfarrer stellten den Versicherungsbeitritt als christliche Pflicht heraus.

"Der betrübte Zufall" der Kriegsschäden wurde von der Versicherung ausgenommen. - Vom 26. auf den 27. Juni 1800 bereits brannten in Staudheim 11 Gebäude durch die Unachtsamkeit französchischer Truppen nieder. Lorenz Fecher, Anton Pleimayer, Johann Zinsmeister, Xaver Schmid, Johann Hönbrand und Paul Laux hatten zusammen 9.500 fl. (= Gulden) Schaden. Ob die Gebäudeeigentümer, soweit sie schon versichert waren, Versicherungsleistungen erhielten, kann nicht mehr festgestellt weden, da das Archiv der Landesbrandversicherungsanstalt im Zweiten Weltkrieg abbrannte. Ein Versicherungssausschluss könnte die Verursachung der Brände durch fremde Soldaten gewesen sein.

1805 stieg der Brandversicherungsbeitrag von 7 1/2 auf 9 1/2 Kreuzer je 100 fl. Versicherungssumme. Das waren umgerechnet zunächst 1,25 Promille, später 1, 58 Promille Versicherungsbeitrag. Heute kostst ein neues Wohnhaus 0,13 Promille Versicherungsbeitrag. Aus diesem enormen Beitragsunterschied ist die Brandhäufigkeit sehr deutlich erkennbar: Frühere Baustoffe (Holz, Schindeldach) begünstigten das Übergreifen des Feuers, trugen zu den bekannten großen Brandkatastrophen bei.

 

Das Gründungsjahr 1885

Die Freiwillige Feuerwehr Staudheim hatte natürlich eine Vorläuferin im Dorf. Unterm 29. März 1885 - also vor der Vereinsgründun - rief das Königliche Bezirksamt Neuburg a. d. Donau die Freiwillige Feuerwehr Burgheim und die Pflichtfeuerwehren Staudheim und Ortlfing zur Inspektion in Burgheim auf. Zu dem Termin - es war erst der 30. August 1885 - konnte bereits die Freiwillige Feuerwehr antreten. Sie wurde am 20. Juli 1885 gegründet, nach einer Quelle im Staatsarchiv Neuburg a. d. Donau soll sie sogar noch acht Tage älter sein. Veranlasst hatte die Gründung Quirin Göbel, Bauer und Bürgermeister. Die 21 Gründungsmitglieder nennt das ältere der beiden vorhandenen Stammbücher:

Quirin Göbel, Vorstand Andreas Edelmann, Kommandant Josef Eberhard, Schriftführer und Kassier Sylvester Roßkopf Matthias Koch Eustach Förstl Georg Hermann Quirin Edelmann Josef Meier Anton Maier Sylvester Fieger Valentin Paula Alois Löffler Bernhard Meier Georg Fieger Karl Wittmann Johann Schmid Josef Königsdorfer Stefan Bleimair Ludwig Wernhard Josef Paula

Für die Zeit vom 1 September bis 1. November 1885 waren die Gemeinden zur Herbstfeuerbeschau aufgerufen. Jetzt (= 1985) wird die Feuerbeschau nur noch im Mehrjahres-Rhytmus durchgeführt - wir sehen erneut den Unterschied in der Brandgefahr.

 

Am 22. April 1886 wurde die junge Freiwillige Feuerwehr Staudheim zum ersten Brandeinsatz gerufen: man leistete Löschhilfe in Ortlfing. Am 8. Januar 1888 brannten Scheune und Stall des Anwesens Georg Zach in Staudheim (alte Haus-Nr. 26).

 

Der Großbrand am 9. Dezember 1898

Den größten Brand in der 100-jährigen Geschichte verzeichnet die Chronik von der Nacht vom 8. auf 9. Dezember 1898. Nachts 12 Uhr brach im Anwesen des Wendelin Ostermeyer (Küglebauer, Nr. 9) Feuer aus. Der heftige Westwind verursachte ein Übergreifen der Flammen auf die Scheunen des Anton Meier, Leonhard Mayer, Josef Meyer und Martin Kugler. Große Vorräte, Gerätschaften und ein Teil des eingestellten Viehs verbrannten. Wendelin Ostermeyer wurde beim Retten des Viehs verletzt. 15 auswärtige Feuerwehren unterstützten die Staudheimer und es gelang, ein Übergreifen auf weitere Gebäude zu verhindern. (Die ausführliche Presseberichterstattung ist in der Chronik abgedruckt.)

 

1898 - 1933

Am Sonntag, 10. Juli 1898, 15 Uhr, war Inspektion; nach den Unterlagen gab es zu diesem Zeitpunkt keine Pflichtfeuerwehr. Ein Totalbrand des Anwesens Josef Paula (Nr. 21) ist am 28. Juni 1903 verzeichnet, drei auswärtige Wehren waren eingesetzt. Am 23. April 1904 berichtet die Chronik von einem Totalbrand der Weichenbergschen Scheune und der Högerschen Scheune. Acht Feuerwehren waren am Brandplatz. Am 13. August 1906 ist ein Dachbrand bei Josef Schmid eingetragen. Am 11. April 1920 brannte es im Anwesen Zach (Nr. 43), Scheune, Stall und Remise wurden vernichtet.

Bei der Versammlung am 23. Dezember 1928 waren 42 Staudheimer anwesend - die Aktivenzahl hatte sich zwischenzeitlcih erheblich vergrößert. Hier wurde beschlossen, dass sich die Wehr zahlreich bei der feierlichen Installation von Pfarrer Martin Demharter am 26. Dezember 1928 beteiligen wird. Volle Anerkennung erhielt die Wehr bei den Inspektionen am 22. September 1929, 11. September 1932 und 7. Juli 1935. 1932 heißt es, es sei auch eine Gemeindefeuerwehr mit 13 Mann vorhanden. 1935 gab es neben der Freiwilligen die Pflichtfeuerwehr; sie hatte 14 Aktive.

 

Während des Dritten Reiches

Das Dritte Reich änderte die Organisationsstrukturen der Freiwilligen Feuerwehr. Am 5. März 1934 heißt es anlässlich der Neuwahlen. "Der Kommandant wurde auf dem Wege der Gleichschaltung vom Bürgermeister und den Zugführern vorgeschlagen. Der Vorschlag wurde dem Landesbrandinspektor mitgeteilt. Sobald von seiner Seite aus die Bestätigung erfolgt ist, werden die Zugführer vom Kommandanten bestimmt."Personell änderte sich allerdings dadurch an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Staudheim nichts. Etwa sechs Übungen fanden jährlich statt. 1938 fielen die Sommerübungen wegen der Maul- und Klauenseuche des Viehs aus. Die Wehr wurde als ein " Halblöschzug" eingegliedert. Der Kommandant hieß nun Wehrführer und die Aktivenversammlung wurde in "Generalappell" umbenannt. Gemäß Verfügung des Landrats vom 7. Juli 1940 wurden die Männer mit 12-jähriger Dienstzeit zum Haupttruppmann, mit 6-jähriger Dienstzeit zum Obertruppmann und mit 2-jähriger Dienstzeit zum Truppmann ernannt. Am 20. Juli 1940 erfolgte die Vereidigung der Aktiven auf den "Führer" . Mit der Ernennungsurkunde wurden die Wehrmitglieder zugleich als Hilfspolizeibeamte bestellt. Laut Mitgliederbuch hatte die Wehr 1940 insgesamt 37 Aktive. Der Inspektionsbericht spricht nur von 26 Männern. Die fehlenden 11 Aktiven dürften bereits zum Kriegsdienst eingezogen worden sein.

1939 hatte die Feuerwehr 136 Meter alte und 100 Meter neue Schläuche. Weitere Aufzeichnungen vom 17. November 1941 bis Kriegsende fehlen. Am 29. Dezember 1946 wird dann wieder über Neuwahlen berichtet

 

Fahnenweihe 1954

Zur ersten Fahnenweihe der Vereinsgeschichte am 11. Juli 1954 lassen wir das Chronikbuch berichten:

"Ein ganz besonderes Eregnis war, dass die Vorstandschaft abends um 7 Uhr noch nicht wusste, ob die Fanenweihe am nächsten Tag abgehalten werden kann oder nicht, da der Regen schon Tage anhielt, um diese Zeit noch in unveränderter Weise weiterströmte. Am Sonntag morgens erhellte scih der Himmel und die strahlende Sonne kam hervor, so dass es zur Freude der ganzen Gemeinde Staudheim ein sehr schöner Tag wurde und das Fest nahm einen sehr schönen Verlauf. Alle Gäste, die aus nah und fern herbeiströmten, bewunderten die Energie, die betreffs dieses Wetters von Vorstandschaft und Ausschuss aufgebracht wurde.

Der Fahnenkauf konnte nur deswegen zu Stande kommen, nachdem die Vorstandschaft und der Fahnenauschuss schon in der ersten Sitzung einen beträchtlichen Betrag freiwillig spendeten. Des weitere spendeten fast alle Bürger der Gemeinde Staudheim sowie Geschäftsleute aus der Umgebung, so dass wir eine schöne Fahne um den Preis von 1400 DM kaufen konnten. - Bei den sechs Festjungfrauen ist hervorzuheben, dass sie das Band der Festjungfrauen, das einen Wert von 80 DM hatte und noch Verschiedenes aus eigener Tasche beisteuerten. Die Namen der Festjungfrauen sind auf diesem Band geschrieben. Toten- und Patenband kam ebenfalls aus treiwilligen Spenden zusammen. Der Patenverein Burgheim ließ es sich nicht nehmen, aus ihrer Vereinskasse das Patenband für Staudheim selbst zu stiften. Die Fahne mit allem Zubehör stammt aus der Kunststickerei Emma Mönch, Wemding.

Das Feuerwehrfest verschönerten die Festkapelle "Blei" Burgheim, sowie die Musikkapelle Münster. Außerdem hat sich der erst neu aufgetane Veteranenverein mit Fahnenabordnung und mehreren Mitgliedern an der Fahnenweihe mit Begeisterung beteiligt. Zur Fahnenweihe selbst war bei der alten Linde ein Altar errichtet, wobei Hochw. Herr Pfarrer Demharter die Feldmesse zelebrierte und die Weihe der neuen Fahne vollzog."

 

1959 - 1984

Im Oktober 1959 wurde eine neue Tragkraftspritze 8 in Betrieb genommen. Sie leistet noch heute (= 1985) der Feuerwehr gute Dienste. Die 1945 beschaffte, gebrauchte Zweitaktmotor-Spritze von der Wehrmancht (TS 8) wurde außer Betrieb gesetzt.

Das 75-jährige Jubiläum wurde, da erst sechs Jahre vorher die Fahnenweihe stattfand, 1960 im kleinen Rahmen begangen. Der Tag begann mit einem gemeisamen Kirchgang. Pfarrer Demharter ging auf die Geschichte der Feuerwehr ein. Anschließend war Totengedenken mit Kranzniederlegung. Zum Mittagessen waren Pfarrer, Landrat, Lehrer, Bürgermeister und die zuständigen Mitglieder der Kreisbrandinspektion gekommen. 11 Mitglieder wurden für 40-jährige und 7 für 25-jährige Zugehörigkeit zur Feuerwehr geehrt. Es folgten Reden und ein gemütliches Beisammensein. Abends war Tanz im Gasthaus Gastl. Am Montag war ein Requiem für alle verstorbenen und gefallenen Mitglieder der Wehr.

Am 18. Mai 1968 unterzogen sich erstmals zwei Gruppen der Leistungsprüfung. Sie erhielten das Abzeichen in Bronze; weitere Prüfungen folgten. Eine Verbesserung erfuhr die Löschbereitschaft in Staudheim durch die Errichtung der zentralen Wasserversorgung in den Jahren 1979 und 1980. Beim letzten größeren Brand konnte die Einrichtung bereits genutzt werden: am 26. Oktober 1980 brannte das Wirtschaftsgebäude des landwirtschaftlichen Betriebs Josef Paula nieder.

Im Zuge der Renovierung des früheren Schulhauses wurde 1983 die Unterkunft der Freiwilligen Feuerwehr neu gestaltet. Bisher war das Gerät in einem westlichen Anbau untergebracht. Dieser Anbau wurde beseitigt, wodurch die Ansicht des Gebäudes und die Verkehrssituation verbessert wurden. Durch den Wegfall der Wohnung wurde der Geräteraum in das frühere Schulhaus (jetzt als Gemeinschaftshaus genutzt) integriert. Die Freiwillige Feuerwehr arbeitete bei den Aumaßnahmen tatkräftig mit. Die feierliche Weihe des renovierten Gebäudes war am 23. Oktober 1983.

Den hohen Leistungsstand unterstrich die Feuerwehr in den vergangenen Jahren mit vielen erfolgreichen Leistungsprüfungen. 1982 erwarben die ersten Wehrmänner das goldene Abzeichen und seit 1984 sind fünf Aktive im Besitz des Abzeichens "Gold mit Blau", 15 weitere Männer haben das goldene Abzeichen erreicht. Heute (= 1985) hat die Freiwillige Feuerwehr Staudheim 110 Mitglieder (Aktive, Passive un Ehrnmitglieder).

Ausblick

 

Vor der Zukunft ist der Freiwilligen Feuerwehr Staudheim ob des neuen Gerätehauses, der erfolgreichen Prüfungen und vor allem der vielen jungen Aktiven nicht bange.

 

Verbunden mit der Weihe der renovierten Vereinsfahne von 1954 feiert die Feuerwehr vom 28. bis 30. Juni 1985 ihren 100. Geburtstag. Gerade dieser runde Geburtstag ist eine markante Nahtstelle von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Vergangenheit haben uns die Aufzeichnungen unserer Vorfahren näher gebracht, die Gegenwart erleben wir - für die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr Staudheim aber hoffen wir, dass es stets nur beim Üben bleiben möge.

 Das Gerätehaus (ehemalige Schule), fotografiert im Sommer 2000.

 

Führung der Freiwilligen Feuerwehr Staudheim

 

Vorstände

Kommandanten
1885 - 1890 Quirin Göbel 1885 - 1898 Andreas Edelmann
1890 - 1898 Georg Zach 1898 - 1910 Anton Meier
1898 - 1901 Andreas Edelmann 1910 - 1925 ?
1901 - 1923 Leonhard Mayer 1925 - 1928 Qurin Meier
1925 - 1945 Xaver Neubauer 1928 - 1939 Anton Mair
1945 - 1951 ? 1939 - 1940 Josef Haschner
1951 - 1954 Josef Haschner 1940 - 1945/46 Anton Mair
1954 - 1956 Gregor Stöckl 1946 - 1950 Josef Haschner
1956 - 1971 Josef Haschner 1951 - 1971 Adalbert Bauer
1971 - 1976 Adalbert Bauer 1971 - 1977 Johann Genath
1976 - 1977 Johann Genath 1977 - 1983 Günter Martin
1977 - 1985 Siegfried Kugler sen. 1983 - 1985 Franz Zinsinger
... 2004 Johann Hörmann

drucken nach oben