Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Stadt Rain  |  E-Mail: info@rain.de  |  Online: http://www.rain.de

Georg Tannstetter

genannt »Collimitius«
Gelehrter und Humanist
geboren Mitte April 1482 in Rain
gestorben am 26. März 1535 in Innsbruck
Buchzeichen (Wappen-Exlibris)

Georg Tannstetter ist 1482 in Rain am Lech geboren, nannte sich (da Rain im Schwäbischen einen Grenzpfad bedeutet) latinisiert »Collimitius«. Tannstetter wurde Magister in Ingolstadt. Er kam später an die Hochschule in Wien, wo er Vorträge über Mathematik, Astronomie, Astrologie und Arzneikunde hielt und eine gelehrte Gesellschaft »Collimitiana« stiftete. Später erkor ihn Kaiser Maximilian I. zu seinem Leibarzt und erhob ihn um 1516 mit dem Prädikat »Tannsteter von Thanau« in den Adelsstand.

 

Er schrieb in Wien zur Beruhigung geängstigter Gemüter ein Werk »Librum consolatorium contra opiniones de diluvio et aliis horrendis periculis anni 1523«. Der vielseitige und von seinen Schülern geschätzte Gelehrte war auch sonst schriftstellerisch tätig. Er starb am 26. März des Jahres 1535 in Innsbruck.

 

Die Abbildung zeigt eines der ältesten Buchzeichen (Wappen-Exlibris), welches vermutlich vor 1516 entstanden ist. Im ungeteilten roten Schild finden wir innerhalb eines gelben Ringes einen sechsstrahligen Stern. Die Helmzierde bildet ein wachsender bärtiger Mann mit Mütze; rechts von diesem ist in einer Umrahmung ein gestirnter blauer Globus, auf welchen zwei Hände mit Stäben weisen; links ist unter einem Stern ein aus den Buchstaben M.G.T. gebildetes Monogramm, welches zweifellos Magister Georg Tannstetter bedeutet. Am oberen Ende sind Blumengewinde angebracht, in den unteren Ecken Pflanzenbüschel; zwischen diesen, auf einer kleinen Schrifttafel, ist der Name: »Tansteter« zu lesen 

 

Grossansicht in neuem Fenster: Abbildung von Georg Tannstetter von dem Memminger Maler Bernhard Strigel Grossansicht in neuem Fenster: Gedenkstein von 1988 mit  Brustporträtrelief  von Georg Tannstetter

Diese Abbildung von Georg Tannstetter stammt von dem Memminger Maler Bernhard Strigel (1460-1528) und entstand wohl 1515.

Das Bildnis ist seit 1805 in den Sammlungen der Fürsten von Liechtenstein nachweisbar. Das Gemälde, Holz, 42 x 29 cm, war Titelbild der Ausstellung "Deutsche Malerei, 15. - 19. Jahrhundert, aus den Sammlungen des regierenden Fürsten von Liechtenstein" in der Liechtensteinischen Staatlichen Kunstsammlung, Vaduz 1979.

Gedenkstein von 1988 mit Brustporträtrelief am Geburts- haus des Gelehrten, dem sog. "Altherrhaus", heute Bestandteil des Rathaus- Komplexes. Der Augsburger Bildhauer Christian Angerbauer schuf es aus Stein nach dem oben abgebildeten Gemälde von Bernhard Strigel. Die Inschrift meißelte der Rainer Steinmetzmeister Karl Faig.

 

Die Donauwörther Zeitung berichtete am 19. März 2005 über eine bisher unbekannte Lebensleistung von Tannstetter:

 

 

Georg Tannstetters Ungarnkarte - Von Franz Müller und Werner Schmidt erforscht

 

Von unserem Mitarbeiter Manfred Arloth

Von einer sensationellen Entdeckung berichteten die Hobby-Heimatforscher Franz Müller und Werner Schmidt etwa 70 Besuchern einer Veranstaltung des Rainer Museumsvereins im Raiffeisensaal: Dr. med. Georg Tannstetter (1482-1535), einer der größten Söhne Rains, leistete nicht nur Bedeutendes als Leibarzt bei Kaisern und Königen in Wien sowie als Universitätsprofessor, Mathematiker, Astronom und Astrologe, sondern war als Kartograph zusammen mit dem Ungar Rosetus Lazarus, seinem Schüler, auch Mitautor der 1528 erschienenen ersten gedruckten Landkarte Ungarns.

 

Bürgermeister Gerhard Martin begrüßte neben den beiden Referenten besonders Dr. Agnes Wojtilla-Salgo, die Leiterin der Sammlung der Alten Drucke in der Ungarischen Nationalbibliothek Budapest. Als Gastgeschenk überreichte sie dem Stadtoberhaupt ein Faksimile eines ihrer bestgehüteten Schätze, eben diese erste gedruckte Ungarnkarte. "Leiterin Edith Findel wird dafür sorgen, dass der Druck zusammen mit einem Porträt Tannstetters in unserem Heimatmuseum einen würdigen Platz findet", kündigte er an.

 

Martin dankte auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Museumsvereins den beiden Referenten für ihre Arbeit und die Herausgabe einer 24-seitigen Broschüre. Die 50 Exemplare konnten - zum Selbstkostenpreis von fünf Euro - noch am selben Abend restlos verkauft werden. Die musikalische Umrahmung besorgte übrigens das Duo "ensemble Alte musik" aus Nördlingen mit faszinierenden Stücken aus Mittelalter und Renaissance. Franz Müller erzählte, wie es zum Auffinden der Ungarnkarte kam. "Vor vier Jahren erschien zur Landesausstellung '1000 Jahre Bayern und Ungarn' in Passau ein Ausstellungskatalog.

 

Werner Schmidt brachte mir den Katalog mit, und beim Schmökern entdeckte ich in einem Namensverzeichnis Tannstetter als den Mitautor der ersten gedruckten Ungarnkarte", sagte Müller.

 

Der Homepage der Ungarischen Nationalbibliothek konnte er entnehmen, dass die größte Rarität der Kartensammlung diese Karte sei. Nach mehreren Besuchen in der Nationalbibliothek durften die beiden Rainer, die mit ihrem Anliegen bis zur Direktorin Dr. Wojtilla-Salgo vorgedrungen waren, sogar das Original sehen. "Ihren, Frau Direktorin, haben wir viel zu verdanken", bekundete Franz Müller.

 

Werner Schmidt übernahm es, hauptsächlich die kartographische Arbeit des berühmten Sohns der Stadt zu würdigen. "Die Bedeutung der prachtvollen Karte liegt in der großen Genauigkeit der Lage der Ortschaften, bei den Gewässerangaben und sonstigen Namenseintragungen sowie durch den erstmals eingetragenen Maßstab", führte er aus. Unter dem "Zirkel"-Maßstab, mit dessen Hilfe die Entfernungen von Ort zu Ort ermittelt werden konnten, steht nämlich zu lesen: "Alhie fint der circkel in kurtzer Zeit Wie weit eine statvon der andern leit."

 

Die 1528 in Ingolstadt gedruckte, 74 x 54 Zentimeter große kolorierte Karte sei aus vier Holzschnitten passgenau gefertigt worden und mit einem "Druckprivileg" für Tannstetter von Kaiser Karl V. versehen. "Georg Tannstetter darf somit neben Lazarus als gleichberechtigter Mitautor der ersten Landkarte Ungarns gelten", stellte Schmidt fest. Der Druck der Ungarnkarte sei ein "herausragendes Gesamtkunstwerk und ein Denkmal der Kartographie". Nur durch die Zusammenarbeit der besten Fachgelehrten seiner Zeit habe das Werk entstehen können.

 

Darüber hinaus schilderte Werner Schmidt Leben und Wirken des humanistischen Universalgelehrten, der wegen seiner ärztlichen Verdienste - er war Leibarzt Kaiser Maximilians I., Erzherzog Ferdinands I. und Kaiser Maximilians II. - im Jahre 1531 in den ritterlichen Adelsstand erhoben wurde. Tannstetter starb am 26. März 1535 im Alter von 52 Jahren. Er wurde in Innsbruck im Friedhof neben der Spitalkirche begraben. Interessant ist, dass sich Tannstetter in allen seinen Veröffentlichungen zu seiner Vaterstadt Rain bekannt hat. Entweder steht da auf Deutsch zu lesen "Georgen Tannstetter Von Rain am Lech" in seiner astronomischen Schrift von 1524 oder auf Lateinisch "Georgio Tanstetter Collimitio" auf "seiner" Ungarnkarte, wobei Collimitius von "limes" - die Grenze - (Rain war eine Grenzstadt) abgeleitet ist.

 

Literatur:

Franz Graf-Stuhlhofer (Familienname bis 1994: Stuhlhofer), Humanismus zwischen Hof und Universität. Georg Tannstetter (Collimitius) und sein wissenschaftliches Umfeld im Wien des frühen 16. Jahrhunderts (= Schriftenreihe des Universitätsarchivs Wien, Nr. 8). Wien 1996 (212 Seiten).

Franz Stuhlhofer, Georg Tannstetter (Collimitius), Astronom, Astrologe und Leibarzt bei Maximilian I. und Ferdinand I., in: Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 37 (1981), Seiten 7 - 49.

Franz Stuhlhofer, Georg Tannstetter (Collimitius). 1482 - 1535. Astronom und Mathematiker. In: Lebensbilder aus dem Bayerischen Schwaben Band 13, Seiten 18 - 33, Weißenhorn 1986 (populärwissenschaftliche Fassung).

 

Georg Tannstetter auf Wikipedia
Homepage von Franz Graf-Stuhlhofer

drucken nach oben