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Lachnerpreisträger verstorben

Helmut C. Walter

Quelle: Donauwörther Zeitung vom 09.07.2019

 

Der Künstler und Kunsterzieher Helmut C. Walter ist tot. Der über Jahrzehnte in Donauwörth ansässige, für seinen markanten künstlerischen Ausdruck weit
über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt – starb am Sonntag an den Folgen eines schweren Sturzes. Die letzten Jahre hatte er im Seniorenwohnheim
in Rain gelebt, in jener Stadt, in der er im vergangenen November auch den Lachnerpreis für sein Lebenswerk erhalten hatte. Irgendwie konnten sich nie alle in seinem Umfeld mit diesem unbändigen Willen und Glauben an die Kunst
abfinden. Zu Ausstellungsbesuchen wurde man ebenso animiert wie zum eigenen kreativen Gestalten. Warum, so wird sich so mancher gefragt haben, sollte ausgerechnet man selbst einen Stift oder Pinsel in die Hand nehmen, dies oder jenes künstlerisch versuchen? Für Helmut Walter waren das alles keine Fragen. Scherzhaft, aber letztendlich unbeirrbar wurden von ihm sämtliche  Versuche des Gegenübers meist souverän übergangen, sich dem zu entziehen.
Wobei man sich durchaus die Frage stellen dürfte, ob jeder und jede in der Kunst gut aufgehoben ist. Für Helmut Walter jedoch ist die Frage stets eine andere gewesen: Für ihn ist jeder und jede nicht in, sondern mit der Kunst gut aufgehoben.

 

Am 2. März 1940 in Würzburg geboren stirbt der Vater früh. Es sind neben der Familie vor allem seine Lehrer, die sein Talent früh erkennen und fördern. 1961 geht er an die Akademie der Bildenden Künste nach München und studiert dort bei Professor Josef Oberberger, der ihm ein Leben lang wichtig bleibt. Bereits in jenen Jahren erhält Walter Aufträge für Karikaturen, Cartoons und kritische Grafik für Zeitungen, unter anderem für die Augsburger Allgemeine. Nach der Geburt der Kinder Kirsten Leeanne und Jan zog Walter 1967 mit seiner damaligen Familie nach Donauwörth, um als Kunsterzieher am dortigen Gymnasium über 30 Jahre, bis 2000, zu wirken.


Gerade in dieser Lehrtätigkeit kann er seinem Wunsch, eine Bedeutung
durch die Auseinandersetzung mit Kunst für jeden Einzelnen zu bewirken,
mit grosser Passion nachgehen. Einige Künstler, Musiker, Kunsthistoriker, Architekten, Filmer oder Autor gingen aus seinem Unterricht hervor. Anderen mag durch ihn vor allem bewusst geworden sein, dass Kunst nicht nur mit
Malen zu tun hat, sondern einer Haltung zur Welt entspricht. Seit seiner ersten Einzelausstellung 1964 bleibt er aktiv als freischaffender Künstler. Er nimmt an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen im In- und Ausland teil, wie
etwa an der retrospektiv angelegte Einzelausstellung im Olaf-Gulbransson-
Museum Tegernsee, an Präsentationen im Kunstmuseum Erlangen, aber auch in München, Siena, Straßburg und so weiter. Seine Frau Gerda, die er 1991 heiratet (mit den Kindern Cara und Ines), unterstützte ihn bis zum eigenen Tod 2010 dabei.


Für Helmut Walter beinhaltete das Künstlersein stets viel mehr als das Arbeiten im Atelier, das Ausstellen von Werken oder das Schreiben und Sprechen über dieselben. Künstlersein entsprach für ihn einer Einstellung und einem steten Versuch, das Leben in all seinen Schichten zu erfassen und Neues hinzuzufügen.


Mit seinem ungebrochenen Willen zur Kunst hat er nachhaltig die Gesellschaft zum aktiven Handeln aufgefordert und dies auch eingefordert; ein bewusstes Am-Leben-Teilhaben und kreatives Mitgestalten an der Zukunft. Dies gilt es weiterzutragen.

 

Am 7. Juli ist Helmut C. Walter im Kreise seiner Familie gestorben. (Ines Goldbach)

 

Foto: Barbara Würmseher

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